Tauteich
Tauteiche, auch Himmelsteiche genannt, dienen der Süßwasserversorgung in Gebieten ohne nutzbare Quellen, oberflächennahem Grundwasser oder sonstigen Zuflüssen, wie z. B. in Küstenregionen und Karstgebieten.
Tauteiche gibt es unter anderem auf den Warften der Halligen (Fething) in Schleswig-Holstein und in Ostfriesland, sowie in England („dew pond“, „cloud pond“, „mist pond“) und z. B. auch in Albanien.
Generell beruht die Funktionsweise eines Tauteiches auf der Bildung und Sammlung von Tau, in Gebieten oder zu Zeiten mit ständig hoher Luftfeuchtigkeit (und sekundär zur Sammlung von anderen Niederschlägen). Die Oberfläche des Teiches und der umliegenden Pflanzen (überhängende Gräser) kühlen sich nachts unter den Taupunkt der Luft ab, wodurch diese Oberflächen als Kühlkörper wirken, an denen sich Luftfeuchtigkeit niederschlägt (Nebelkondensation). Ist die Luft Tag und Nacht stark wasserdampfgesättigt (in Meeresnähe, auf Bergen „in den Wolken“ (im Wolken- und Nebelwald), im feuchtnassen Regenwald, bei Steigungsregen in Monsungebieten), dann kann tagsüber nur wenig Wasser verdunsten und nachts viel Feuchte kondensieren. Trotz Nutzung des Teichs als Trinkwasserreservoir oder Viehtränke füllt sich der Wasserspiegel stetig und ohne ersichtlichem Zufluss immer wieder auf. Die Wirkungsweise lässt sich an heute noch vorhandenen Tauteichen aus historischer Zeit oder an Pflanzen mit „Zisternenwasser“ in Blattrosetten im feuchten Klima studieren.
An dem Tauteich Helmfleeth in der Gemeinde Poppenbüll (Halbinsel Eiderstedt in Schleswig-Holstein, Deutschland) wurden In-situ-Messungen der Evaporation und Kondensation durchgeführt. Hierbei kamen meteorologische Messgeräte und ein schwimmender Verdunstungskessel nach Brockamp & Werner (1970) zum Einsatz. Die Messungen erbrachten einen eindeutigen Nachweis der Taubildung auf Grund der Temperaturunterschiede und der Wetterlage. Der Tauteich Helmfleeth (Gemeinde Poppenbüll) ist Teil der Wasserversorgung von Marschengebieten und wird bis heute genutzt.
- ↑ B. Brockamp, J. Werner: Ein weiterentwickeltes Verdunstungsmeßgerät für Kleingewässer (als Beitrag der hydrologischen Dekade der UNESCO). In: Meteorol. Rdsch. Band 23, Nr. 2. Borntraeger, Stuttgart 1970, S. 53 - 56.
- ↑ W. G. Coldewey, J. Werner, C. Wallmeyer, G. Fischer: Das Geheimnis der Himmelsteiche - Physikalische Grundlagen einer historischen Wasserversorgung im Küstenraum. In: Christoph Ohlig (Hrsg.): Schriften der DWhG. Band 20, Nr. 2. Siegburg 2012, S. 315 - 329.
- ↑ J. Werner, W. G. Coldewey, C. Wallmeyer, G. Fischer: Der Tauteich Helmfleeth im St. Johannis-Koog, Gemeinde Poppenbüll - Messungen und Berechnungen des Wasserhaushalts 2010. In: Jb. "Zwischen Eider und Wiedau" (Heimatkalender Nordfriesland). Husum 2013, S. 1 - 10.
- ↑ D. Meier, W. G. Coldewey: Wasserversorgung in den Nordseemarschen von der römischen Kaiserzeit bis zur frühen Neuzeit. In: Christoph Ohlig (Hrsg.): 10 Jahre DWhG, Schriften der DWhG. Band 20, Nr. 1. Siegburg 2012, S. 249 - 260.