Thie
Thie (in wissenschaftlicher Schreibung Tie) waren in Dörfern des Mittelalters (vielleicht auch schon in germanischer Zeit) mit Mauern eingefriedete und erhöhte grasbewachsene Plätze, auf denen ein steinerner Tisch unter Linden stand. Hier wurden Versammlungen der Bauern, Bekanntmachungen, Gerichtsverhandlungen der niederen Gerichtsbarkeit und in späterer Zeit Feste der Bauern abgehalten. Viele Plätze im ostniederländischen und nordwestdeutschen Raum, etwa bis zur Elbe, tragen noch heute den Namen Thieplatz oder Thiestätte. Der Thie (älter: das Thie) hatte lokalen Bezug und befand sich in der Regel innerhalb von Ortslagen kleiner Siedlungen, während eine Thingstätte eher regionale und überregionale Bedeutung hatte.
- ↑ R. Schmidt-Wiegand: Tie. In: Handwörterbuch zur deutschen Rechtsgeschichte. Berlin 1991, Sp. 228 f.; Rolf Wilhelm Brednich: Tie und Anger. Historische Dorfplätze in Niedersachsen, Thüringen, Hessen und Franken. Friedland 2009.
- ↑ Jürgen Udolph: Namenkundliche Studien zum Germanenproblem. Walter de Gruyter, Berlin u. a. 1994, ISBN 3-11-014138-8, S. 602.