Toravorlesung
Die Toravorlesung (hebräisch קְרִיאַת הַתּוֹרָה Kriat haTora) ist der zentrale Teil des jüdischen Gottesdienstes und besteht aus unterschiedlichen Abschnitten mit Gebeten und Handlungen. Sie beginnt mit dem Ausheben der Tora aus dem Toraschrein, worauf die eigentliche Vorlesung des Wochenabschnitts und eventueller Zusatzabschnitte an Feiertagen folgt, und endet mit dem abschließenden Einheben der Tora.
Der Baal Kore (hebräisch בַּעַל קוֹרֵא ‚Herr des Lesens‘) ist der Vorleser der Tora in der Synagoge. Er liest aus einer Torarolle ohne Vokalzeichen oder Kantillationszeichen vor, was hohe Genauigkeit und Vorbereitung erfordert. Vom Baal Kore wird ein fehlerfreier Vortrag erwartet, weil:
- Die Toralesung ein zentrales Element des jüdischen Gottesdienstes ist, sie gilt als öffentliche Wiedergabe des göttlichen Wortes.
- Die Tora darf nicht verändert oder entstellt werden, selbst ein kleiner Fehler kann den Sinn verfälschen.
- Die Gemeinde erfüllt durch das Zuhören ihre religiöse Pflicht (Mitzwa), ein Fehler könnte diese Pflichterfüllung gefährden.
Bei Aussprachefehlern oder falscher Betonung wird dieser sofort korrigiert, oft von einem aufmerksamen Gemeindemitglied oder dem Gabba’i (hebräisch גַּבַּאי ‚Synagogendiener‘). Wenn er ein Wort auslässt, vertauscht oder falsch liest, muss der Leser zurückgehen und es korrekt lesen, sogar den ganzen Vers oder Abschnitt wiederholen.
- ↑ Siddur schma kolenu. Basel 2011, S. 80 [Toravorlesung].
- ↑ Jonathan Grünfeldt: Die öffentliche Torahlesung. 8. Dezember 2013 – 5 Tevet 5774, auf talmud de
- ↑ R. C. Musap-Andriesse: Von der Tora bis zur Kabbala. (= Band 1509, Kleine Vandenhoeck-Reihe) Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1985, ISBN 3-525-33509-1, S. 12