Tourette-Syndrom

Klassifikation nach ICD-10
F95.2 Kombinierte vokale und multiple motorische Tics [Tourette-Syndrom]
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ICD-10 online (WHO-Version 2019)
Klassifikation nach ICD-11
8A05.00 Tourette-Syndrom
ICD-11: EnglischDeutsch (Vorabversion)

Das Gilles-de-la-Tourette-Syndrom (kurz Tourette-Syndrom) ist eine angeborene Erkrankung des Nervensystems. Das Tourette-Syndrom ist eine Spektrum-Erkrankung. Dabei stellen gering ausgeprägte vorübergehende Tics das eine Ende und chronische Verläufe mit stark ausgeprägten – auch komplexen – Tics und zahlreichen psychiatrischen Begleiterkrankungen das andere Ende des Spektrums dar. In Klinikpopulationen finden sich bei 80–90 % der Patienten psychiatrische Komorbiditäten. Oft bestehen nicht nur eine, sondern mehrere derartige Begleitsymptome. Häufig ist die Ursache durch Veränderungen am Erbgut bedingt. Hauptmerkmale sind unwillkürliche Bewegungen (Tics, von französisch tic nervöses Zucken) und ebenfalls Tic-artige Laut- oder auch sprachliche Äußerungen. Einfache motorische Tics können sich zum Beispiel als Augenblinzeln, Naserümpfen, Kopfwerfen oder Grimassenschneiden äußern. Beispiele für einfache vokale Tics sind zum Beispiel das Ausstoßen von bedeutungslosen Lauten, Husten oder das Nachahmen von Tiergeräuschen. Unter die Kategorie der komplexen Tics fallen im motorischen Bereich zum Beispiel das imitierende Grimassenschneiden und das Nachmachen von Handlungen anderer. Komplexe vokale Tics sind zum Beispiel das Nachsprechen von Wörtern oder das Herausschleudern obszöner und aggressiver Ausdrücke.

Das Tourette-Syndrom wird zu den zentralnervösen Bewegungsstörungen gerechnet. Primäre Tic-Störungen können weder geheilt noch ursächlich behandelt werden. Es stehen lediglich lindernde Behandlungsansätze zur Verfügung.

Die Bezeichnung nennt den französischen Neurologen und Psychiater Georges Gilles de la Tourette, der das Krankheitsbild erstmals 1884/1885 auf Anregung seines Lehrers Jean-Martin Charcot beschrieb. Schon 1825 hatte Jean Marc Gaspard Itard über entsprechende Symptome einer seiner Patientinnen berichtet.

  1. Tebartz van Elst, Biscaldi-Schäfer, Lahmann, Riedel, Zeeck (Hrsg.): "Entwicklungsstörungen." Interdisziplinäre Perspektiven aus der Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik des Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalters, Kohlhammer, ISBN 978-3-17-034661-1, S. 113.
  2. G. Gilles de la Tourette: Jumping, latah, myriachit. In: Arch Neurol (Paris). Band 8, 1884, S. -178–74.
  3. G. Gilles de la Tourette: Étude sur une affection nerveuse characterisée par de l’incoordination motrice accompagnée d’écholalie et de coprolalie (jumping, latah, myriachit). In: Arch Neurol (Paris). Band 9, 1885, S. 19–42 und 158–200.
  4. G. Gilles de la Tourette: Étude sur une affection nerveuse characterisée par de l’incoordination motrice accompagnée d’écholalie et de coprolalie. (Jumping, Latah, Myriachit, maladie des tics convulsifs, maladie de Gilles de la Tourette). Paris, Delahaye et Lecrosnier 1885: Étude sur une affection nerveuse characterisée par de l’incoordination motrice accompagnée d’écholalie et de coprolalie (Jumping, Latah, Myriachit, maladie des tics convulsifs, maladie de Gilles de la Tourette). Delahaye et Lecrosnier, Paris 1885.
  5. Itard JMG.: Mémoire sur quelques fonctions involuntaires des appareils de la locomotion, de la préhension et de la voix. In: Arch Gén Méd (Paris). Band 8, 1825, S. 385–407.