Toxische Männlichkeit

Toxische Männlichkeit (auch „giftige Männlichkeit“, englisch toxic masculinity) ist ein männliches Rollenbild, „das Aggressivität zur Präsentation der eigenen Männlichkeit nahelegt und eine Unterordnung von Frauen befürwortet“. Es zeichnet sich durch destruktive, von Dominanz geprägte Verhaltensmuster und gewaltlegitimierende Männlichkeitsnormen aus. Als „toxisch“ gilt dieses Rollenbild, weil es sowohl fremd- als auch selbstgefährdend ist. Der Begriff stammt aus dem aktivistisch feministischen Kontext, wurde in der mythopoetischen Männerbewegung der 1980er und 1990er Jahre geprägt und anfangs überwiegend für Männer am Rand der Gesellschaft (etwa in Gefängnissen) gebraucht. Generell werden Gewalt, Dominanz, Aggressivität, Misogynie und Homophobie mit dem Begriff assoziiert. Als wesentlich für die Ausbildung dieser Einstellungen und Verhaltensweisen wurde von den Mythopoeten eine fehlende oder gestörte Vater-Sohn-Beziehung angesehen. Von dort fand die Bezeichnung ihren Weg in die politische und akademische Literatur, wurde im wissenschaftlichen Kontext allerdings nicht so breit rezipiert, dass sie als Fachterminus gelten kann. So ist die Begriffsverwendung umstritten. Kritisiert wird, dass oftmals eine klare Definition oder der Bezug zu anderen theoretischen Konzepten über Männlichkeit fehle. In der (post)feministischen Literatur wird toxische Männlichkeit auch als Erklärung für die Wiederkehr rechtsgerichteter maskulinistischer Politik herangezogen.

  1. Dirk Baier, Maria Kamenowski, Patrik Manzoni, Sandrine Haymoz: „Toxische Männlichkeit“ – Die Folgen gewaltlegitimierender Männlichkeitsnormen für Einstellungen und Verhaltensweisen. Project: Political extremism among juveniles in Switzerland. In: Bundesamt für Polizei fedpol (Hrsg.): Kriminalistik-Schweiz. Band 73, Nr. 7, 2019, S. 465471 (researchgate.net [abgerufen am 18. Februar 2022]).
  2. 1 2 Carol Harrington: What is “Toxic Masculinity” and Why Does it Matter? In: Men and Masculinities. 17. Juli 2020, ISSN 1097-184X, S. 1097184X2094325, doi:10.1177/1097184X20943254.