Toyota-Krieg

Toyota-Krieg
Teil von: Libysch-Tschadischer Grenzkrieg

Tschadische Soldaten in einem Toyota Land Cruiser
Datum 16. Dezember 1986 bis 11. September 1987
Ort Borkou-Ennedi-Tibesti, Tschad
Casus Belli Libysche Besetzung des nördlichen Tschad
Ausgang Sieg des Tschad
Folgen Waffenstillstand, Rückzug der libyschen Truppen aus dem Tschad
Konfliktparteien

Libysch-Arabische Dschamahirija Libyen
Conseil démocratique révolutionnaire (CDR)
PLO

Tschad Tschad
Forces Armées Populaires (FAP)
Frankreich Frankreich

Befehlshaber

Muammar al-Gaddafi
Chalifa Haftar

Hissène Habré
Hassan Djamous
Idriss Déby
François Mitterrand

Truppenstärke

Libyen: 90.000
CDR: 1.000

Tschadische Streitkräfte: 28.000
FAP: 1.500–2.000
Frankreich: 1.500

Verluste

7.500 Tote
1.000 Gefangene

1.000 Tote

Mit Toyota-Krieg (arabisch حرب التويوتا Ḥarb al-Tūyūtā, französisch Guerre des Toyota) wird der 1987 im Norden des Tschad an der tschadisch-libyschen Grenze ausgefochtene Krieg – insbesondere um den Aouzou-Streifen – bezeichnet. Er bildete die letzte Phase des tschadisch-libyschen Grenzkonflikts. Seinen Namen erhielt er von den Toyota-Pickups (vor allem Toyota Hilux und Toyota Land Cruiser), die den tschadischen Truppen im Kampf gegen die Libyer einen nennenswerten Mobilitätsvorteil verschafften. Der Krieg von 1987 endete mit einer schweren Niederlage für Libyen, das amerikanischen Quellen zufolge ein Zehntel seiner Armee verlor, wobei 7.500 Männer getötet und militärische Ausrüstung im Wert von 1,5 Milliarden US-Dollar zerstört oder erbeutet wurde. Die tschadischen Streitkräfte hatten nur 1.000 Tote zu beklagen.

Die Grundlage für den Konflikt bildete die libysche Besetzung insbesondere des Aouzou-Streifens im nördlichen Tschad im Jahr 1983, als Libyens Staatschef Muammar al-Gaddafi – der sich weigerte, die Legitimität des tschadischen Präsidenten Hissène Habré anzuerkennen – die oppositionelle Übergangsregierung der Nationalen Einheit (GUNT), die versuchte Habré zu stürzen, militärisch unterstützte. Durch das Eingreifen Frankreichs, das zunächst mit der Operation Manta und später mit der Operation Epervier die libysche Expansion auf den Bereich nördlich des 16. Breitengrades – im trockensten und am dünnsten besiedelten Teil des Tschad – beschränkte, wurde der Plan Libyens vereitelt, eine neue Regierung im Tschad einzusetzen.

1986 rebellierte die GUNT gegen Gaddafi und entzog Libyen damit die wichtigste Legitimation für seine militärische Präsenz im Tschad. Habré sah eine Gelegenheit, den Tschad hinter sich zu vereinen, und befahl seinen Truppen, den 16. Breitengrad zu überschreiten, um sich im Dezember mit den GUNT-Rebellen – die in der Provinz Tibesti gegen die Libyer kämpften – zu vereinigen. Einige Wochen später schlug eine größere Truppe in Fada zu und zerstörte die dortige libysche Garnison. Durch Kombination von Guerillamethoden und konventioneller Kriegsführung in einer gemeinsamen Strategie gelang es Habré innerhalb von drei Monaten, fast den gesamten Norden des Tschad zurückzuerobern. In den folgenden Monaten fügte er den Libyern weitere schwere Niederlagen zu, bis im September ein Waffenstillstand zur Beendigung des Konflikts unterzeichnet wurde. Der Waffenstillstand ließ die Zugehörigkeit des umstrittenen Aouzou-Streifens offen, der schließlich 1994 vom Internationalen Gerichtshof dem Tschad zugesprochen wurde.

  1. Clayton (1998), S. 161
  2. Simons (2004), S. 58
  3. Pollack (2002), S. 397
  4. Pollack (2002), S. 382–385
  5. Nolutshungu (2002), S. 212
  6. Azevedo (1998), S. 124.