Ulcus cruris
Der Begriff Ulcus cruris (von lateinisch ulcus „Geschwür“, und crus „Schenkel, Unterschenkel“) oder Unterschenkelgeschwür bezeichnet in der Medizin ein Ulkus im Gewebe des Unterschenkels. Die Pluralform Ulcera cruris bezeichnet neben der allgemeinen Mehrzahl (die Geschwüre des Schenkels) mehrere Wunden an einem Bein und Ulcera crurum bedeutet, dass Wunden an beiden Beinen bestehen. Ein Ulcus cruris entwickelt sich üblicherweise zu einer offenen, meistens exsudierenden Wunde, die über lange Zeit nicht abheilt, und daher als „chronische Wunde“ bezeichnet wird. Diese Erkrankung und ihre Behandlung sind bereits im 14. und 15. Jahrhundert von Ärzten und Badern beschrieben worden. Umgangssprachlich wird das Ulcus cruris auch als „offenes Bein“ bezeichnet. Betroffen sind meistens ältere, von mehreren Grunderkrankungen betroffene (multimorbide) Menschen.
Häufig tritt ein Ulcus cruris als schwerste Form einer chronischen-venösen Insuffizienz (Ulcus cruris venosum) auf. Ein solches UCV ist vom Zeitpunkt seiner Entstehung an als Chronische Wunde anzusehen.
| Klassifikation nach ICD-10 | |
|---|---|
| L97 | Ulcus cruris, anderenorts nicht klassifiziert |
| I83.0 | Varizen der unteren Extremitäten mit Ulzeration |
| I83.2 | Varizen der unteren Extremitäten mit Ulzeration und Entzündung |
| ICD-10 online (WHO-Version 2019) | |
- ↑ Joachim Dissemond et al.: Standards des ICW e. V. für die Diagnostik und Therapie chronischer Wunden. In: Wundmanagement. Heft 2, Jahrgang 11, 2017, ISSN 1864-1121, S. 81–86 (online verfügbar als Archivversion im Internet Archive [abgerufen am 9. September 2025]).
- ↑ Wolfgang Wegner: Meister Lorenz. In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin/New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 964.
- ↑ Ingrid Rohland: Das Buch von alten Schäden. Teil II: Kommentar und Wörterverzeichnis (= Würzburger medizinhistorische Forschungen. Band 23). Würzburg 1982, ISBN 3-921456-34-7. Vgl. auch Hans-Joachim Peters: Das Buch von alten Schäden. Teil I: Text. Medizinische Dissertation Bonn 1973.
- ↑ Gundolf Keil: „Meister der Chirurgie“ aus dem „gesamten deutschen Sprachraum“. Christoph Weißers Chirurgenlexikon mit 2000 Biographien aus der Geschichte der Chirurgie. Ein Essai. In: Medizinhistorische Mitteilungen. Zeitschrift für Wissenschaftsgeschichte und Fachprosaforschung. Band 36/37, 2017/2018 (2021), S. 327–333, hier S. 331 (Beschreibung der Krampfader-Exzision bei Rüdiger zur Dijck, einem Mönch des Franziskanerklosters St. Nikolaus in der Trift im 15. Jahrhundert).
- ↑ Deutsche Gesellschaft für Phlebologie und Lymphologie e. V. S2k-Leitlinie Diagnostik und Therapie des Ulcus cruris venosum. Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften, Version 4.1, Stand 30. Januar 2024, (Leitliniendetails auf der Website der AWMF, aufgerufen am 20. Januar 2026)