Ulmer Spatz

Der Ulmer Spatz ist ein Wahrzeichen Ulms.

Der Sage nach sollen die Ulmer beim Bau des Münsters einen besonders großen Balken angekarrt haben. Sie schafften es aber nicht, ihn durch das Stadttor zu bringen. Als sie kurz davor waren, das Tor einzureißen, sahen sie einen Spatzen, der einen Zweig im Schnabel trug, um diesen in sein Nest einzubauen. Dieser Spatz drehte den Zweig vor dem Einbau längsseits. Da ging dann wohl auch den Ulmern ein Licht auf und sie legten den Balken der Länge nach auf ihren Karren und nicht quer, wie bisher.

Diese humoristische Sage ist seit dem zweiten Viertel des 19. Jahrhunderts nachweisbar. Sie gehört zu dem weit verbreiteten Sagenkreis um kreuzweis statt längsseits transportierte Baumstämme und Holzbalken, wobei die Lösung des Problems durch die Beobachtung eines Vogels (Sperling, Storch, Dohle etc.) beim Nestbau gewonnen wurde.

Schon 1872 bezeichnete Eduard Mauch die Sage als eine „Geschichtsfälschung“, die „zur Steuer der Wahrheit bekämpft werden“ müsse.

  1. Pirkko-Lissa Rausmaa: Kreuzweis statt längsseits. In: Enzyklopädie des Märchens. Handwörterbuch zur historischen und vergleichenden Erzählforschung. Band 8, S. 411–413, Berlin, New York 1996. Eingeschränkte Vorschau.
  2. E. Mauch: Bausteine zu Ulms Kunstgeschichte. Münstersagen. In: Verhandlungen des Vereins für Kunst und Alterthum in Ulm und Oberschwaben. Neue Reihe, fünftes Heft, Ulm 1873, S. 23, 7. Die Mitte der Stadt Digitalisat.
  3. Wolf-Henning Petershagen: Der Ulmer Spatz (2009) ulm.de pdf