Ur- und Frühgeschichte Albaniens

Kryegjata B
Maliq-See
Königsgräber von Selca e Poshtme
Kalivo

Die Ur- und Frühgeschichte Albaniens reicht beim derzeitigen Stand der Forschung wenig mehr als 200.000 Jahre zurück, also in die Zeit der Neandertaler. Diese Neandertaler wurden von unseren unmittelbaren Vorfahren, den anatomisch modernen Menschen, vor mehr als 40.000 Jahren abgelöst. Allerdings wurden die Küstenregionen in den Warmzeiten durch das Abschmelzen der Eismassen überschwemmt, da der Meeresspiegel über 100 m anstieg. Damit aber dürfte ein großer Teil der Spuren verlorengegangen sein.

Die ersten bäuerlichen Kulturen breiteten sich, aus dem Nahen Osten kommend, ab etwa 6500 v. Chr. auch an der östlichen Adriaküste aus. Durch die Bewohner im Hinterland entstanden erstmals Pfahlbauten, wie vor allem am Ohridsee nachgewiesen, der als Teil des Korridors gilt, über den Menschen kamen, die ihre Lebensweise, ihre Sachkenntnis, ihr Vieh und ihre Nahrungspflanzen mitbrachten. Die Region in Südostalbanien und in nahen Grenzgebieten ist einer der ältesten Orte in Europa, wo Nachweise für eine bäuerliche Gemeinschaft gefunden werden konnte. Das frühe Neolithikum verbindet sich mit der Vlaška-Kultur, die etwa von 5500 bis in das frühe 5. Jahrtausend v. Chr. reicht, und vor allem der Cakran-Kultur, die weiträumige Kontakte bis nach Bosnien im Norden und Thessalien im Süden aufwies. Die Vlaška-Kultur ist eine lokale Variante der Danilo-Kultur, gekennzeichnet durch einen im Vergleich zu Danilo reduzierten Formen- und Verzierungskanon. In der nachfolgenden Maliq-Kultur war Zweikorn das wichtigste Getreide; zugleich erreichte der Meeresspiegel seinen höchsten Stand. Typisch sind kreuzförmige Tonfigurinen, deren Kopf in einem Loch befestigt wurde, das zwischen den Schultern angebracht wurde. Auch tauchten rollsiegelartige Tonobjekte auf.

Die Kupferverarbeitung kam vermutlich aus Serbien, die früheste Verarbeitung lässt sich für Fundorte bei Maliq belegen (Maliq IIa, für Maliq IIb um 3850–3600 v. Chr.). Schafe, Ziegen, Rinder und Schweine waren die typischen Haustiere in den Dörfern, deren Häuser reetgedeckt waren. Die ältesten Siedlungen in Maliq IIa/b waren Pfahlbauten; sie wurden jedoch durch Feuer zerstört. Die nachfolgenden Häuser standen wieder unmittelbar auf dem Boden – neben Unterschieden in der Keramik kennzeichnet vor allem dieses Kriterium die Phasen IIa und IIab. Um 3000 v. Chr. entstanden erste Grabhügel.

Einige Wallburgen entstanden in der späten Bronzezeit (1500–1100 v. Chr.) auf Hügeln, vor allem aber in der Eisenzeit, die in Albanien mit den Illyrern in Beziehung gesetzt wird. Die vermutete Zuwanderung durch „Proto-Illyrer“, also Indoeuropäer, unterbrach keineswegs die Handelsbeziehungen nach Süden. Zugleich nahmen die Kontakte mit Italien nun deutlich zu. Je nach regionalen Gegebenheiten lebten die Menschen mehr von der Viehzucht, die um 1000 v. Chr. noch dominierte, oder von der Bodenbearbeitung. Die Verbreitung des Eisens vollzog sich im Kernraum der Illyrer, wo im Zeitraum vom 11. bis zum 5. Jahrhundert v. Chr. stark befestigte Siedlungen entstanden.

Zwischen dem 6. und 4. Jahrhundert v. Chr. konzentrierten sich griechische Kolonien auf der italienischen Seite der Adria, kaum auf der albanischen. Dennoch entstanden solcherlei Kolonien im illyrischen Siedlungsgebiet unter anderem in Epidamnos (Durrës), Apollonia und Lissos (Lezha). Die schriftliche Überlieferung war zunächst von geringer Bedeutung.

Zugleich entstanden ab dem 5. Jahrhundert weiträumige Fürstentümer, die vielfach mit Makedonien und Epiros im Krieg standen. König Bardylis († 358 v. Chr.) verlangte von beiden Tribute, bis er gegen Philipp II., den Vater Alexanders des Großen, im Kampf unterlag. Während der Süden Albaniens starkem griechischem Einfluss ausgesetzt war, wurden im Norden die Liburner bis um 250 v. Chr. zur vorherrschenden Macht. Diese unterlagen jedoch gegen Syrakus, später waren es die Labeaten. Unter Königin Teuta entstand um die Bucht von Kotor das Zentrum eines bedeutenden Illyrerreichs. Die Reiche der Illyrer blieben vom Reich Alexanders und denen seiner Nachfolger unabhängig und wurden erst durch Rom unterworfen.

  1. Valeska Becker: Studien zum Altneolithikum in Italien, LIT, Münster 2018, S. 185.
  2. Maliq Ia gilt noch als Übergangsphase vom späten Neolithikum zum Eneolithikum, in Schicht Ib fand sich ein Kupfergefäß, das sich dieser Phase zuordnen lässt (Ergys Hasa: The relative chronology of Maliq II culture, in: Anglisticum 8 (2019) 27–34).