Urnordische Sprache
| Urnordisch | ||
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Gesprochen in |
Skandinavien | |
| Sprecher | keine (wurde vom Altnordischen abgelöst) | |
| Linguistische Klassifikation |
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| Offizieller Status | ||
| Amtssprache in | (ausgestorben) | |
Die urnordische Sprache (dänisch usw.: urnordisk usw.; engl.: Proto-Norse) gilt weiterhin vielen Sprachwissenschaftlern – insbesondere in den nordischen Ländern – als angemessene Bezeichnung für einen Teil der germanischen Sprachentwicklung ab dem 2. Jahrhundert n. u. Z.
Sowohl Bezeichnung als auch zeitliche Bestimmung sind in den letzten Jahrzehnten allerdings in Kritik geraten. In zeitlicher Hinsicht wurde eingewandt, dass die typisch nordgermanischen / nordischen (Sprach-)Merkmale erst nach 500 feststellbar seien, sodass es sich davor allenfalls um eine Vorstufe des Nordgermanischen gehandelt habe.
In terminologischer Hinsicht wird eingewandt, dass Ur- bzw. Proto-Sprachen per definitionem (ausschließlich) rekonstruierte Sprachen seien. Die als „urnordisch“ bezeichnete Sprache ist aber in Form (früher) Runeninschriften unstrittig überliefert.
Unabhängig von dem Bezeichnungs- und Datierungsstreit lässt sich jedenfalls Folgendes sagen: Die fragliche Sprache – oder die fraglichen Sprachen, wenn der entscheidende Einschnitt um das Jahr 500 angesetzt wird – wurde vermutlich vom 2./3. bis ins 8. Jahrhundert im heutigen Dänemark, Schweden und Norwegen sowie dem Norden des heutigen Schleswig-Holsteins gesprochen bzw. in Runen geschrieben. Sie folgte nach Auffassung einiger Wissenschaftler auf das Nordwestgermanische (1./2. Jahrhundert n. Chr.) und war Vorläuferin des Altnordischen und damit auch des Norwegischen, Schwedischen, Dänischen, Färöischen und Isländischen.
Das Urnordische ist vor allem durch zahlreiche meist kurze Runeninschriften aus der Zeit seit dem 2. Jahrhundert teilweise belegt.
- ↑ „In der nord. Forsch. ist es üblich, mit Urgerm. bis um 200 n. Chr. und danach mit Urnord. zu rechnen. […]. Normalerweise wird mit dieser Stufe [Urnordisch] bis zur Ausgliederung der einzelnen nord. Sprachen (Dän., Norw, Schwed.) gerechnet. Die urnord. Per. erstreckt sich demnach etwas pauschal angegeben bis zum Beginn der WZ (800-1050) […]. Nach einem anderen Modell, das in der nord. Forsch. wenig verbreitet ist, wird eine gemeinnord. Sprachstufe (‚Common Scandinavian‘) von etwa 550 bis zum Ende der WZ angenommen“ (Andersson 2002, 296).
Umstritten ist vor allem, ob bereits die Phase bis ca. 500/550 n. u. Z. als nordisch / nordgermanisch / skandinavisch zu bezeichnen ist. - ↑ „A theory which has received considerable support within the last few decades, especially outside Scandinavia, is the North-West Germanic model. […]. According to Kuhn, this ‚late Common Germanic‘ idiom (‚Spatgemeingermanisch‘, cf. 1955:45 and 1944:8) was reflected in the older runic language of Scandinavia, which in his view contained very little that might be associated with Norse or pre-West Germanic (1955:45).“ (Nielsen 2000, 56; Hv. hinzugefügt)
- ↑ „everybody seems to be agreed that important linguistic (North Germanic) innovations occurred in the language of the 24-rune inscriptions after AD 500. As Skautrup (1944:80) puts it, ‚Sproget er i periodens sidste århundreder under-gået ændringer i karakter og omfang som aldrig siden …‘! But like his Scandinavian colleagues (and Krause (1971:15), the German runologist), Skautrup fails to draw the logical linguistic conclusion from such an observation, keeping to the traditional distinction between ‚ældre and yngre urnordisk‘ [‚older and younger Proto-Norse‘] instead of choosing a more radical terminology which stresses the linguistic rupture after AD 500 rather than the continuity of ‚Proto-Norse‘.“ (Nielsen 2000, 32)
„The language represented in by-far most of the oldest runic inscriptions has traditionally borne the name ‚Proto-Nordic‘ (at times ‚Proto-Norse‘ or ‚Primitive Norse‘ or ‚Proto-Scandinavian‘), and in many present-day studies, it still does. Since a protolanguage is by definition a wholly reconstructed, unrecorded parent stage of a family of languages, the term ‚Proto-Nordic‘ is inappropriate as the designation of a language known to us through written records. Much more significant, however, is the fact that this language represents, from the point of view of its linguistic structure, an earlier stage of not just the later Scandinavian languages, but also of the later West Germanic languages. In other words, this language displays no characteristics peculiar only to the Scandinavian linguistic area.“ (Antonsen 2002, 31) - ↑ „the prefix ‚ur-‘ [‚Proto-‘] is normally associated only with reconstructed languages like, e.g., ‚urgermansk‘ [‚Proto-Germanic‘]. I can fully subscribe to the following opinion advanced by Antonsen (1994:58): ‚Since a protolanguage is by definition a wholly reconstructed, unrecorded parent stage of a family of languages, the term ›Proto-Nordic‹ is clearly inappropriate as the designation of a language known to us in written records‘“ (Nielsen 2000, 32).
- ↑ Vgl. Andersson 2006, 562: „Es ist […] kaum angebracht, die Sprache sowohl vor als auch nach dem Beginn der Synkopezeit als ,Proto-Nordic' bzw. ,Urnord.' zu bezeichnen, […]. Die letztere Stufe, bis 800, evtl. etwas kürzer oder länger, ist eher als gemeinnord. zu benennen.“
- ↑ Siehe dazu
- Andersson 2006, 559: „man rechnet […] die urnord. Per. von ca. 200 bis ca. 800 n. Chr.“
- im Abschnitt „Entstehung des Urnordischen / Perioden“
- und
- in der [bild-förmigen] Tabelle „Alternativen zu Urnordisch“.
- ↑ „we are able to date the earliest runic finds of Scandinavia, the grave and bog items discovered Denmark (with Slesvig)“ (Nielsen 2000, 279 f.)
- ↑ Vgl. dazu:
- Schulte 2018, 13: „Zum Grundwissen der germanischen Philologie gehört die Kenntnis des urnordischen Sprachsystems, des direkten Vorläufers der altwestnordischen und altostnordischen Sprachen, d. h. des Altisländischen, Altnorwegischen, Altschwedischen, Altdänischen und Altgutnischen.“
- Andersson 2006, 559: „Urnord. bezeichnet nach herkömmlicher, bes. nord. Terminologie die Sprachstufe zw. dem Urgerm. und den einzelnen nord. Sprachen (Dän., Norw., Schwed.).“
- Zur Zugehörigkeit auch des Färöischen zu den nordgermanischen Sprachen siehe: „In der WZ [Wikingerzeit] ist die nord. Sprache vom norw. und dän. Raum aus stark nach W[esten], d.h. nach Island, den Färöern und den Britischen Inseln sowie in die Normandie, verbreitet worden. […]. In den Kolonisationsgebieten hat sich das Nord. nur teilweise behaupten können. Isl[ändisch] und Färöisch sind als nord[ische] Sprachen geblieben, […].“ (Andersson 2002, 290)