Ursus (fiktive Person)
Ursus ist der Name eines „bärenstarken“ (lat. ursus = Bär) Mannes, der in Henryk Sienkiewicz’ Roman Quo vadis als Beschützer der Fürstentochter Ligia oder Lygia (mit ursprünglichem Namen Kallina) auftritt. Sie ist Angehörige des Stammes der Ligier/Lygier im Donauraum, der den Römern nach einem Friedensschluss Geiseln stellen muss. Unter Aufsicht einer römischen Familie wandelt sie sich zur Christin, wird jedoch an den Hof des Kaisers Nero geholt – in Begleitung ihres Gefolges und vor allem ihres Dieners Ursus, der von sich sagt: „Ich weiß nur, daß Eisen in meiner Hand bricht wie Holz ...“. Ursus rettet sie aus vielerlei Gefahren: „Dann nahm Ursus sein Königskind auf den Arm und trug es mit gleichmäßigen Schritten aus dem Festsaal hinaus.“
Als barbarischer Held im Römischen Reich angelegt, wurde ein Ursus im Zuge der italienischen Welle von Sandalenfilmen zu Beginn der 1960er Jahre als eigenständige Figur etabliert und erhielt seine ‚eigene’ Filmreihe. Im Gegensatz zu anderen muskelbewehrten Titelhelden wie Maciste oder Herkules kann bei Ursus in einigen Filmen, vor allem jenen mit dem Darsteller Ed Fury, eine Art Biografie nachgezeichnet werden: Er ist der Nachkomme eines gestürzten Königreiches und erlangte seine Stärke durch das Aufwachsen unter Löwen (Ursus im Tal der Löwen), wird später Bauer (La vendetta di Ursus) und muss seine Verlobte vor dem Opfertod retten (Ursus). Weiter kämpft er gegen Usurpatoren in nicht lokalisierten Gegenden (Ursus nella terra di fuoco) oder gar Asien (Ursus e la ragazza tartara). Wie im Genre üblich, verliert er schließlich seine Identität und wird zum ‚normalen’ Menschen. Alternativ kann er sich nach der endgültigen Rettung auch für sein Idol opfern.
Als ‚klassisches Original’ können umgangssprachlich auch andere Helden zu einem Ursus gemacht werden.
Mit dem Abflauen der Welle verschwand auch das Interesse an der fiktiven Gestalt. Unter anderem trug auch der mexikanische Wrestler Jesús Melendez Ortega (1922–1977) den Namen des barbarisch-römischen Helden als Ringnamen und nannte sich meist mit Zusatz Mighty Ursus.
- ↑ Henryk Sienkiewicz: Quo vadis, K. Thienemanns Verlag in Stuttgart, ohne Datum (wahrscheinlich 1920er Jahre), S. 11, 30 und 49.
- ↑ Jesús Melendez Ortega auf genickbruch.com, abgerufen am 28. November 2010