Ventrikelseptumdefekt
| Klassifikation nach ICD-10 | |
|---|---|
| Q21.0 | Ventrikelseptumdefekt |
| ICD-10 online (WHO-Version 2019) | |
| Klassifikation nach ICD-11 | |
|---|---|
| LA88.4 | Ventrikelseptumdefekt |
| LA88.40 | Ventrikelseptumdefekt der Trabeculae carneae |
| LA88.41 | Perimembranöser zentraler Ventrikelseptumdefekt |
| LA88.42 | Hämodynamisch unbedeutender Ventrikelseptumdefekt |
| LA88.4Y | Sonstiger näher bezeichneter Ventrikelseptumdefekt |
| LA88.4Z | Ventrikelseptumdefekt, nicht näher bezeichnet |
| BA60.3 | Ventrikelseptumdefekt als aktuelle Komplikation nach akutem Myokardinfarkt |
| BC41.0 | Erworbener Ventrikelseptumdefekt |
| BE14.8 | Ventrikelseptumdefekt als Komplikation nach medizinischen Maßnahmen |
| ICD-11: Englisch • Deutsch (Vorabversion) | |
Der Ventrikelseptumdefekt (VSD, nicht zu verwechseln mit der identischen Abkürzung für einen Vorhofseptumdefekt), Kammerseptumdefekt (KSD) oder Kammerscheidewanddefekt ist ein Loch in der Herzscheidewand und mit ca. 35 % der häufigste aller angeborenen Herzfehler. Der Ventrikelseptumdefekt und seine Symptomatik werden auch als Morbus Roger bezeichnet; der französische Kardiologe und Pädiater Henri-Louis Roger (1809–1891) war 1879 der Erstbeschreiber. In der embryonalen Phase der Herzentwicklung wachsen die oberen und unteren Anteile der Scheidewand zwischen den Herzkammern (Ventrikeln) aufeinander zu (Septum interventriculare). Ist dieses Wachstum gestört und bei der Geburt noch nicht ganz abgeschlossen, findet sich ein mehr oder weniger großer Defekt im muskulären oder membranösen Anteil des Ventrikelseptums (Substanzdefekt der Herzkammerscheidewand). Ein Ventrikelseptumdefekt tritt zudem bei etwa der Hälfte aller komplexen Herzfehlbildungen auf, ist in diesen Fällen jedoch anders als der hier beschriebene isolierte VSD zu bewerten.
Die Behandlungsbedürftigkeit (Intervention) ist abhängig von den Symptomen, von der Lage, von der Öffnungsfläche (Defektgröße, oft angegeben als Verhältnis zur Körperoberfläche), vom Shunt-Minutenvolumen (Shuntvolumen, Durchflussrate, Volumenstrom, Volumenfluss, Shuntzeitvolumen, Volumen pro Zeitspanne, oft angegeben als Prozentanteil vom Schlagvolumen, vom Herzzeitvolumen und manchmal auch vom Lungenzeitvolumen), von der Strömungsrichtung (Rechts-links-Shunt oder Links-rechts-Shunt) und von den Begleiterkrankungen. Die Übergänge zwischen Operationsindikation und abwartendem Verhalten sind fließend. Es gilt die grundlegende Formel Herzzeitvolumen plus Links-rechts-Shunt-Volumenfluss gleich Lungenzeitvolumen plus Rechts-links-Shunt-Volumenfluss.
Ein Ventrikelseptumdefekt ist ein Loch in der Herzscheidewand auf Kammerebene. Ein entsprechendes Loch auf Vorhofebene heißt Vorhofseptumdefekt, Atriumseptumdefekt oder atrialer Septumdefekt mit der Abkürzung ASD.
Neben den angeborenen gibt es auch erworbene Ventrikelseptumdefekte, zum Beispiel nach einer Ventrikelruptur.
- ↑ Gerd Herold: Innere Medizin 2019. Eigenverlag, Köln 2018, ISBN 978-3-9814660-8-9, S. 188.
- ↑ Klaus Holldack, Klaus Gahl: Auskultation und Perkussion. Inspektion und Palpation. Georg Thieme Verlag, Stuttgart 1955; 10., neubearbeitete Auflage ebenda 1986, ISBN 3-13-352410-0, S. 196 f.
- ↑ Duden: Das Wörterbuch medizinischer Fachausdrücke. 4. Auflage, Georg Thieme Verlag, Stuttgart / New York 1985, ISBN 3-13-437804-3, ISBN 3-411-02426-7, S. 721.
- ↑ Walter Siegenthaler (Hrsg.): Differentialdiagnose innerer Krankheiten. 15. Auflage, Georg Thieme Verlag, Stuttgart / New York 1984, ISBN 3-13-344815-3, S. 11–19.
- ↑ Frank Henry Netter: Farbatlanten der Medizin. Band 1: Herz. Georg Thieme Verlag, Stuttgart 1976, ISBN 3-13-524001-0, S. 46.
- ↑ Otto Martin Hess, Rüdiger W. R. Simon: Herzkatheter: Einsatz in Diagnostik und Therapie. Springer, 2013, ISBN 978-3-642-56967-8, S. 17 (google.de).
- ↑ Günter Thiele (Hrsg.): "Handlexikon der Medizin", Urban & Schwarzenberg, Band 4 (S–Z), München / Wien / Baltimore ohne Jahr [1980], S. 2585.