Vertreibung der Deutschen aus der Tschechoslowakei
Die Vertreibung der Deutschen aus der Tschechoslowakei (tschechisch Vysídlení [‚Aussiedlung‘], odsun [‚Abschiebung‘] oder vyhnání [‚Vertreibung‘] Němců z Československa [‚der Deutschen aus der Tschechoslowakei‘]) nach dem Zweiten Weltkrieg und der Wiedererrichtung des Staates betraf in den Jahren 1945 und 1946 geschätzt etwa drei Millionen Menschen, die damit ihre angestammte Heimat verloren.
Die Einwohner deutscher Nationalität wurden ab Juni 1945 unter Androhung und Anwendung von Gewalt zum Verlassen ihrer Heimat gezwungen. Neben den Deutschböhmen und Deutschmährern im tschechischen Landesteil betraf das auch die Karpatendeutschen in der Slowakei. Von der Vertreibung ausgenommen waren z. T. Facharbeiter und Ingenieure, die für den Wiederaufbau des Staates benötigt wurden und erst später, nach der Übertragung ihres Wissens an tschechische Neusiedler, ausgewiesen werden sollten. Die Machtübernahme der Kommunisten im Februar 1948 stoppte dieses Vorhaben.
Nach dem Beneš-Dekret 108 vom 25. Oktober 1945 wurde das gesamte bewegliche und unbewegliche Vermögen (Immobilien und Vermögensrechte) der deutschen (und ungarischen) Einwohner konfisziert und unter staatliche Verwaltung gestellt.
Im Laufe der rassistischen Verfolgungen deutscher Staatsangehöriger kam es auch zu Pogromen, u. a. in Aussig, Landskron, Postelberg, Saaz und Brünn, bei denen rund 2000 Zivilisten ermordet wurden.
- ↑ Wenzel Jaksch: Europas Weg nach Potsdam. Schuld und Schicksal im Donauraum. Stuttgart 1958, S. 504. Vgl. dazu Vojtech Hulík: Cesko-nemecký slovník živé mluvy s frázemi a gramatikou pro školy i soukromou potrebu / Tschechisch-deutsches Wörterbuch der Umgangssprache mit Phrasen und Grammatik für Schule und Haus, Prag 1936, S. 293.
- ↑ Andreas Kalckhoff, Jiří Padevět: Was geschah in Saaz und Postelberg im Juni 1945? Geheime Dokumente und Zeitzeugenberichte enthüllen das Unfassbare = Co se stalo v Žatci a Postoloprtech v červnu 1945?: Tajné dokumenty a svědecké odhalují nesrozumitelné události. 1. Auflage. Verlag Tschirner & Kosova, Leipzig 2022, ISBN 978-3-00-070731-5.