Vor-Konvoi

Als Vor-Konvoi werden mehrere Kernkraftwerke der Kraftwerk Union mit einem Druckwasserreaktor bezeichnet. Der Begriff bezieht sich darauf, dass die Kraftwerke noch individuell geplant und ausgeführt wurden, bevor die KWU mit den Konvoi-Anlagen zu einer standardisierten Bauform (analog zur Konvoischifffahrt) überging.

Zu den Vor-Konvoi-Anlagen gehörten die bereits stillgelegten Kraftwerke Brokdorf, Grafenrheinfeld, Grohnde, Philippsburg-2, das nie errichtete Kernkraftwerk Wyhl sowie der brasilianische Reaktor Angra 2. Dort befindet sich ein weiterer Block dieser Art im Bau (Angra 3), dessen Technik zwar geliefert, jedoch aus Geldmangel eingelagert wurde. Nach mehrmaliger Bauunterbrechung ist nun geplant, Angra 3 bis 2026 zu vollenden und in Betrieb zu nehmen.

Diese Druckwasserreaktoren der 1300-MW-Klasse wurden zwischen 1982 und 1986 von der Kraftwerk Union (KWU) errichtet. Verglichen mit der vorherigen Druckwasserreaktor-Generation haben die Vor-Konvoi-Anlagen einige sicherheitstechnische Verbesserungen. Da das Basisdesign aus den 1970er Jahren stammt und grundlegende Anlagenteile nicht nachgerüstet werden können (z. B. Verstärkung der Wandstärke des Reaktordruckbehälters), erreichen sie nicht das Sicherheitsniveau der Konvoi-Anlagen, die eine Weiterentwicklung der Vor-Konvoi-Anlagen darstellen.

  1. Angra 3 Nuclear Power Plant Critical Path Acceleration Plan (Internationale Energieagentur, abgerufen am 5. Januar 2022)
  2. Website der IPPNW