Weltweisheit
Weltweisheit (mhd. werltwîsheit) ist eine seit dem Mittelalter belegte, spezifisch deutsche Übersetzung für ‚Philosophie‘ aus dem Griechischen (φιλοσοφία) bzw. Lateinischen (philosophia). Philosophen bzw. Wissenschaftler wurden entsprechend als ‚Weltweise‘ bezeichnet. Angelehnt an eine Formulierung im 1. Korintherbrief (altgriechisch σοφία τοῦ κόσμου τούτου bzw. lateinisch sapientia mundi) war die Bedeutung des deutschen Wortes ursprünglich eine abwertende. Mit ihr wurde eine Abgrenzung der Theologie von der Philosophie betont, da diese sich allein mit weltlichen Fragen beschäftige. Mittels der Weltweisheit bzw. der Philosophie könne daher die Wahrheit der ewig göttlichen Lehre nicht in Frage gestellt werden. Im Zuge der Aufklärungsbewegung in Deutschland wurde auf die Übersetzung jedoch bewusst auch positiv Bezug genommen und ein Begriff der Weltweisheit ausgebildet, mit dem ein gesteigerter Kompetenzanspruch der Philosophie gegenüber der Theologie hervorgehoben wurde. Aufgrund seiner ursprünglichen Verwendung hat er seinen pejorativen Charakter allerdings nie gänzlich abgelegt und konnte sich letztlich nicht durchsetzen.
- ↑ weltweisheit, f. In: Jacob Grimm, Wilhelm Grimm (Hrsg.): Deutsches Wörterbuch. Band 28: Weh–Wendunmut – (XIV, 1. Abteilung, Teil 1). S. Hirzel, Leipzig 1955, Sp. 1727 (woerterbuchnetz.de).
- ↑ Winfried Schröder: Weltweisheit. In: Joachim Ritter, Karlfried Gründer, Gottfried Gabriel (Hrsg.): Historisches Wörterbuch der Philosophie. Band 12. Basel 1984, S. 531