Werturteilsstreit

Als Werturteilsstreit wird in der deutschen Soziologie und Nationalökonomie ein Methodenstreit um die Frage, ob die Sozialwissenschaften normativ verbindliche Aussagen über die von der Politik zu ergreifenden Maßnahmen treffen sollen bzw. ob politische Handlungen wissenschaftlich gerechtfertigt werden können, bezeichnet.

Der Streit wurde in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg vor allem zwischen den Mitgliedern des Vereins für Socialpolitik geführt. Hauptkontrahenten waren Max Weber, Werner Sombart und Gustav Schmoller. 1909 motivierte er stark die Gründung der Deutschen Gesellschaft für Soziologie.

Als „Zweiter Werturteilsstreit“ wird manchmal die Debatte zwischen den Vertretern der Kritischen Theorie und des Kritischen Rationalismus während der 1960er Jahre bezeichnet; besser bekannt unter der Bezeichnung Positivismusstreit.

  1. Hans Albert: Ökonomische Ideologie und politische Theorie, Göttingen 1972. S. 10
  2. Vgl. Otthein Rammstedt, Die Frage der Wertfreiheit und die Gründung der Deutschen Gesellschaft für Soziologie, in: Lars Clausen/Carsten Schlüter[-Knauer] (Hrsg.), Hundert Jahre „Gemeinschaft und Gesellschaft, Leske + Budrich, Opladen 1991, S. 549–560.