Yōkai

Yōkai (jap. 妖怪) sind Figuren des japanischen Volksglaubens, die mit unerklärlichen Geschehnissen und Phänomenen assoziiert werden. Sie sind mit Dämonen, Kobolden, Gestaltwandlern, Gespenstern und Geistern im deutschen Volksglauben vergleichbar. Heutzutage ist Yōkai ein Oberbegriff für übernatürliche Wesen. Bekannt sind die aus der Heian-Zeit stammenden Begriffe Mononoke (物の怪) und Oni sowie Obake (お化け) und Bakemono aus der Edo-Zeit.

Yōkai sind animistisch und treten in vielen verschiedenen Formen auf; sie können beispielsweise Gegenstände, Alltagsgegenstände, Tiere oder anthropomorphe Tiere sein. Kazuhiko teilt Yōkai in drei Domänen auf: Ereignis (dekigoto)/Phänomen (genshō), Präsenz (sonzai) und Objekt (zōkei [auch Abbildung/Skulptur]), wobei die Yōkai die Vergegenständlichung der ersten beiden Domänen sind. Ein Fluss, in dem ein Kind ertrinkt, macht weder das Wetter noch das Wasser zum schuldigen Yōkai, das Ereignis bzw. Phänomen wird auf eine Kreatur übertragen, hier den Kappa. Eine Gemeinsamkeit aller Yōkai ist dabei ihre Liminalität.

Eng verbunden mit den Yōkai sind die kami ("Gott", "göttliches Wesen") des shintoistischen Glaubens. Während kami häufig als "gute" übernatürliche Wesen angesehen werden und Yōkai als "schlechte" übernatürliche Wesen, ist das Zusammenspiel ihrer komplexer als eine polare Gegenüberstellung und von der Sichtweise abhängig. Yōkai befinden sich in einer Dualität von Gut und Böse. Auch ist die individuelle Betrachtungsweise ausschlaggebend dafür, ob ein Yōkai gut oder böse ist.

Eine weitere Beschreibung ist, dass Yōkai kami sind, die nicht angebetet werden.

Die Formen reichen von den bösartigen Oni bis zu den missgünstigen Kitsune („Fuchs“) und der Yuki Onna („Schneefrau“). Einige besitzen teils tierische und teils menschliche Züge, z. B. Kappa und Tengu. Yōkai besitzen übernatürliche Kräfte, so dass Begegnungen mit ihnen gefährlich sein können. Yōkai sind oft auch von undurchsichtigen Motiven und Plänen getrieben. Einige Geschichten erzählen von Yōkai, die sich mit Menschen fortgepflanzt haben, um Halb-Yōkai (Han'yō) hervorzubringen. Viele dieser Geschichten beginnen als Liebesgeschichten, aber nehmen kein gutes Ende wegen der vielen Hindernisse, die einer Beziehung zwischen Mensch und Yōkai entgegenstehen.

Einige Yōkai vermeiden Kontakt mit Menschen und leben in unbewohnten Gebieten weit entfernt von menschlichen Behausungen. Andere wiederum leben bei menschlichen Siedlungen, weil sie von den Menschen oder der Wärme menschlicher Häuser durch Feuer angezogen werden. Mit den Yōkai verbindet man traditionell das Feuer, den Nordosten und die Jahreszeit Sommer, in der die Geisterwelt der irdischen am nächsten ist. Yōkai und Obake werden oft in ebenso belustigenden wie schrecklichen Formen abgebildet. Durch Waffen sind die meisten Yōkai nicht verwundbar, aber shintoistische Exorzisten (japanisch 退治屋 taijiya) oder buddhistische Mönche besitzen die notwendigen Kräfte, um sie zu bekämpfen.

Japanische Volkskundler und Historiker sehen Yōkai als Phänomene an, die ihren Beobachtern übernatürlich oder unerklärlich erschienen. Inspiriert von der japanischen Mythologie oder eigenen Ideen bildeten in der Edo-Zeit viele Künstler wie Toriyama Sekien eine Vielzahl an Yōkai ab. Viele vermuten heutzutage bei einigen so erschaffenen Yōkai (z. B. Kameosa und Amikiri) fälschlich einen mythologischen Ursprung.

  1. Zinn L., (2020) “Bidlo, Oliver, Fanfan Chen, Thomas Honegger und Frank Weinreich, Hg. Fantastic Animals, Animals in the Fan-tastic. fastitocalon. Studies in Fantasticism, Ancient to Modern VI , 1 & 2 (2016)”, Zeitschrift für Fantastikforschung 7(2). doi:10.16995/zff.1999
  2. Michael Dylan Foster: The book of yokai: mysterious creatures of Japanese folklore. University of California press, Oakland, California 2015, ISBN 978-0-520-27101-2, S. 4271.
  3. Michael Dylan Foster, Kijin Shinonome: The book of yokai: mysterious creatures of Japanese folklore. University of California Press, Oakland, California 2015, ISBN 978-0-520-27101-2, S. 171172.