Zeckenstich

Bei einem Zeckenstich (fachlich korrekt) oder Zeckenbiss (umgangssprachlich) wird die Haut von einer Zecke mit den Kieferklauen angeritzt und anschließend der „Stachel“ (das Hypostom) in die Wunde hineingeschoben und dort verankert. Die Zecke sticht dabei keine Ader an, sondern reißt eine Wunde, die aus verletzten Kapillaren voll Blut läuft (sogenannte Pool feeder). Vor Beginn und während der der Nahrungsaufnahme gibt die Zecke ein Speichelsekret ab, das eine Vielzahl wichtiger Komponenten enthält:

  • Gerinnungshemmer (Antikoagulanzien), die eine Verstopfung des Stechrüssels (Hypostom) verhindern und den Blutfluss hin zur Einstichstelle steigern.
  • Thrombozytenaggregationshemmer, welche die Verklumpung von Blutplättchen hemmen.
  • Bindemittel (Klebstoffe), die die Mundwerkzeuge fest in der Haut verankern und den Bereich um ihre Mundwerkzeuge an der Einstichstelle abdichten.
  • Gefäßerweiternde Stoffe (Vasodilatatoren), die die Durchblutung an der Einstichstelle steigern.
  • Betäubungsmittel (Analgetika), die die Einstichstelle unempfindlich machen.
  • Entzündungshemmende und immunmodulatorische Wirkstoffe, die eine Stimulation der körpereigenen Immunabwehr an der Einstichstelle vermeiden sollen.

Die Oberseite des Hypostoms bildet eine eingesenkte Rinne aus, die mit der Unterseite der Cheliceren einen Nahrungskanal bildet. Die Mundöffnung liegt oberhalb des Hypostoms, an dessen Basis. Die Unterseite des Hypostoms trägt Reihen von Zähnen, die artspezifisch geformt sind. Diese sind umso gröber, je länger die entsprechende Zeckenart im Wirt verankert bleibt.

  1. Maria Kazimirova, Iveta Stibraniova: Tick salivary compounds: their role in modulation of host defences and pathogen transmission. In: Frontiers in Cellular and Infection Microbiology. Band 3, 20. August 2013, ISSN 2235-2988, doi:10.3389/fcimb.2013.00043, PMID 23971008, PMC 3747359 (freier Volltext) (frontiersin.org [abgerufen am 8. Februar 2026]).
  2. Michael P. Schön: Die Zecke und ich: Parasiten‐Wirt‐Interaktionen zwischen Zecken und Menschen. In: JDDG: Journal der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft. Band 20, Nr. 6, Juni 2022, ISSN 1610-0379, S. 818–855, doi:10.1111/ddg.14821_g (wiley.com [abgerufen am 8. Februar 2026]).
  3. Harald W. Krenn, Horst Aspöck: Form, function and evolution of the mouthparts of blood-feeding Arthropoda. In: Arthropod Structure & Development. Band 41, Nr. 2, März 2012, S. 101–118, doi:10.1016/j.asd.2011.12.001.