Zeitgleichung

Als Zeitgleichung (ZG oder ZGL) wird die Differenz zwischen der wahren Sonnenzeit (WSZ oder wahre Ortszeit WOZ) und der mittleren Sonnenzeit (MSZ oder mittlere Ortszeit MOZ) bezeichnet:

Die WOZ entspricht dem Sonnenverlauf und verläuft über das Jahr nicht gleichmäßig, während die MOZ ein Maß der gleichmäßig verlaufenden Zeit ist. Die MOZ ist seit dem späten Mittelalter die Zeitskala des Alltages.

Die Bezeichnung „Gleichung“ ist ein historisches Relikt. Sie hatte früher die Bedeutung von einer vorzunehmenden „Korrektur“.

Derzeit beträgt die ZG über das Jahr hinweg zwischen +16 und etwa −14 Minuten. Sonnenuhren „gehen“ mit der WSZ, gehen folglich gegenüber der MSZ bis etwa 16 Minuten vor beziehungsweise bis etwa 14 Minuten nach.

  1. Die Skala ist so ausgelegt, dass die von ihr abgelesene wahre Ortszeit die des Längengrades 15° Ost ist. Mit dem Tageswert der Zeitgleichung wird der abgelesene Wert auf die mittlere Ortszeit MOZ für 15° Ost (gleich MEZ) korrigiert. Sonnenuhren-Standort: 12° 22′ Ost, Skalenverschiebung: etwa 10½ Minuten (XII-Uhr-Linie links der Vertikalen). Die Tabelle enthält lediglich Werte für 3 Tage jeden Monats. Für Zwischen-Tage ist zu interpolieren.
  2. Es existieren auch moderne Sonnenuhren, die für den Zeitausgleich konstruiert sind. Vgl. Siegfried Wetzel: Die Physik der Sonnenuhr. In: Deutsche Gesellschaft für Chronometrie (Hrsg.): Schriften des Historisch-wissenschaftlichen Fachkreises Freunde alter Uhren in der Deutschen Gesellschaft für Chronometrie. 1998, ISBN 3-923422-16-4, Abb. 16–18 (swetzel.ch, swetzel.ch PDF). Auch können zusätzlich angegebene Zeitgleichungstabellen oder -diagramme dafür dienen, die mittlere Sonnen- bzw. Ortszeit zu berechnen. Manchmal wird die wahre Sonnenzeit auf einen Bezugs-Längengrad (z. B. auf 15° Ost bei MEZ) angezeigt, indem die Bezifferung mit der Längengraddifferenz zwischen Standort und Bezuglängengrad, umgerechnet ins Stundenmaß, korrigiert ist. Bei Sonnenuhren mit zusätzlicher Korektur der Zeitgleichung erhält man sofort die Zonenzeit und erspart sich die sonst noch nötige Umrechnung von der örtlichen wahren Sonnenzeit auf die wahre Sonnenzeit auf dem Bezugslängengrad.