Albert Streckeisen

Albert Ludwig Streckeisen (* 8. November 1901 in Basel; † 29. September 1998 in Bern) war ein Schweizer Petrograph und Petrologe. Er entstammte einer akademischen Familie. Sohn von Adolf Streckeisen (1857–1916), Professor für gerichtliche Medizin und der Enkel von Carl Streckeisen.

Leben und akademische Laufbahn

Er studierte von 1920 bis 1926 Geologie, Mineralogie und Petrologie in Basel, Zürich und Bern. Seine Dissertation von 1927 behandelte die Geologie und Petrologie der Flüela-Gruppe. Im selben Jahr, im Alter von 26 Jahren, wurde er als Professor für Mineralogie und Petrologie an die Polytechnische Universität Bukarest berufen. Als Mitglied des rumänischen Geologischen Dienstes war er an der geologischen Kartierung der Karpaten beteiligt.

In den 1930er Jahren kehrte er in die Schweiz zurück, da er andernfalls seine Schweizer Staatsbürgerschaft hätte aufgeben müssen, um Professor in Bukarest zu bleiben. Er unterrichtete Naturwissenschaften an Schweizer Mittelschulen. 1942 wurde er an der Universität Bern zum Honorarprofessor ernannt, wo er später zum ausserordentlichen Professor berufen wurde.

1958 wurde Streckeisen gebeten, bei der Überarbeitung von Paul Nigglis «Tabellen zur Petrographie und zum Gesteinbestimmen» mitzuwirken. Dabei erkannte er erhebliche Probleme in den bestehenden Klassifikationssystemen für magmatische Gesteine. Er verfasste dazu einen Übersichtsartikel und forderte Petrologinnen und Petrologen zur Stellungnahme auf. Dies führte 1970 zur Gründung der Subkommission für die Systematik der magmatischen Gesteine unter der IUGS-Kommission für Petrologie.

Wissenschaftliche Leistungen

Streckeisen erlangte weltweite Bekanntheit durch das nach ihm benannte Streckeisendiagramm (QAPF-Diagramm), das zur Klassifizierung magmatischer Gesteine dient. Er trug wesentlich zur Neudefinition der Nomenklatur eruptiver Gesteine bei. Er begann seine Arbeiten zu den magmatischen Gesteinen im Alter von über 60 Jahr en und setzte seine Forschungstätigkeit über 35 Jahre fort. Seine Publikationen und Mitarbeit an internationalen Klassifikationssystemen sind grundlegende Referenzen in der Petrologie.

Engagement und soziales Wirken

Neben seiner wissenschaftlichen Tätigkeit engagierte sich Albert Streckeisen als aktives Mitglied der reformierten Kirche Bern.[1] Er war Mitglied des Kirchgemeinderats in Bern und der Kirchensynode. Im Historischen Lexikon der Schweiz wird er kurz als Pazifist bezeichnet,[1] Er war als Präsident des Schweizerischen Friedensdienstes (SCI) aktiv, vertrat jedoch zugleich eine pragmatische Haltung zur Landesverteidigung und bejahte die Notwendigkeit einer militärischen Verteidigung der Schweiz während des Zweiten Weltkriegs.[2]

Ausserdem nahm er vielfältige soziale und gesellschaftliche Aufgaben wahr, etwa im Vorstand der Naturforschenden Gesellschaft Bern und der Schweizerischen Mineralogischen und Petrographischen Gesellschaft.[3]

Familie

Albert Streckeisen war mit Gertrud Fanny Jungck (1902–1977)[4] verheiratet.[5] Das Paar hatte eine Tochter, Anna Dorothea, die 1985 verstarb.[6]

Auszeichnungen und Ehrungen

Zu seinen Ehrungen zählen die Abraham-Gottlob-Werner-Medaille der Deutschen Mineralogischen Gesellschaft (1984) für seine Erfolge zur Systematik der magmatischen Gesteine, die Ehrenmitgliedschaft der Rumänischen Akademie (1991)[7] sowie weitere Auszeichnungent.

Nachlass

Sein Nachlass wird in der Burgerbibliothek Bern verwahrt und umfasst geologische Tagebücher, Verzeichnisse zu den Dünnschliffen, Fotos, Karten und Pläne.[8]

Albert Streckeisen starb am 29. September 1998 in Bern und wurde auf dem Friedhof Wolfgottesacker in Basel bestattet.[9]

Werke

Christian Böhm: Literaturverzeichnis Albert Streckeisen (1901–1998) – Ohne Anspruch auf Vollständigkeit.[10]

  • Minerale und Gesteine. Hallwag, Bern 1962 (13. Auflage: Parkland-Verlag, Stuttgart 1992, ISBN 3-88059-637-9).
  • mit Roger Walter Le Maitre: Igneous rocks: a classification and glossary of terms – recommendations of the International Union of Geological Sciences Subcommission on the Systematics of Igneous Rocks. Cambridge University Press, Cambridge 2002.
  • Geologische Karten zum Massiv von Ditró (Rumänien) sowie zum Flüela- und Simplongebiet.
  • Albert Streckeisen: Geologie und Petrographie der Flüelagruppe (Graubünden). In: Schweizerische mineralogische und petrographische Mitteilungen = Bulletin suisse de minéralogie et pétrographie = Bollettino svizzero di mineralogia e petrografia. Band 8, Nr. 8, 1928, ISSN 0036-7699, S. 87–239, doi:10.5169/seals-9917 (e-periodica.ch [abgerufen am 18. September 2025]).[11]

Literatur

  • Peter Müller-Grieshaber: Albert Streckeisen. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 2011.[1]
  • Albert Streckeisen 8 November 1901 – 29 September 1998. In: Igneous Rocks: A Classification and Glossary of Terms. R. W. Le Maitre, 2002, abgerufen am 17. September 2025 (englisch).[12]
  • Paul Graeter: Albert Streckeisen. In: Bulletin für angewandte Geologie, 4, 1999, 1, S. 87–90.[3]
  • H[ans] K[rähenbühl]: Nachruf Prof. Dr. A. Streckeisen.In: Bergknappe. 87, 1999, 1. S. 38.[13]
  • Jan Kramers: Zum Tode von Prof. Albert Streckeisen. In: Unipress intern. 1998.
  • Ernst Niggli: Festkolloquium zum 90. Geburtstag von Prof. Albert Streckeisen – Lehrer und Wissenschafter. In: Der Bund. 1991.[14]
  • Zur Erinnerung an Anna Dorothea Streckeisen : geboren den 9. Februar 1941, gestorben den 14. September. 1985
  • Ernst Niggli: Albert Streckeisen ein wissenschaftlich aktiver Achtziger. In: Der Bund. 1981.[15]
  • Werner Schuder (Hrsg.): Kürschners Deutscher Gelehrten-Kalender. Band 3. 13. Ausgabe, De Gruyter, Berlin/New York 1980, ISBN 3-11-007434-6. S. 3868.
  • E.N.: Albert Streckeisen, ein Siebziger. In: Der Bund. 1971.[16]
  • Paul Niggli: Tabellen zur Petrographie und zum Gesteinsbestimmen. 1929.

Archive

Einzelnachweise

  1. a b c Peter Müller-Grieshaber: Albert Streckeisen. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 14. November 2011, abgerufen am 7. August 2025.
  2. Karin Jenni: Zivildienst als Friedensdienst: Die Tätigkeiten des SCI für einen anerkannten Zivildienst. 2008, S. 81 (sci.ngo [PDF]).
  3. a b Albert Streckeisen. In: Bulletin für angewandte Geologie. Band 4, Nr. 1, 1999, S. 87–90 (e-periodica.ch [abgerufen am 7. August 2025]).
  4. Gertrud Jungck Streckeisen (1902-1977). In: Find a Grave. Abgerufen am 18. September 2025.
  5. Eheverkündungen. In: e-newspaperarchives.ch. Abgerufen am 18. September 2025.
  6. Todesanzeige. In: e-newspaperarchives.ch. 17. September 1985, abgerufen am 18. September 2025.
  7. Professor Streckeisen. Rumänische Akademie. In: Der Bund - e-newspaperarchives.ch. Band 142, Nr. 164, 17. Juli 1991 (e-newspaperarchives.ch).
  8. a b Nachlass von Albert Streckeisen im Katalog der Burgerbibliothek Bern
  9. Prof. Albert Ludwig Streckeisen (1901-1998). In: Find a Grave. Abgerufen am 18. September 2025.
  10. Christian Böhm: Literaturverzeichnis Albert Streckeisen (1901-1998). 0hne Anspruch auf Vollständigkeit. Abgerufen am 17. September 2025.
  11. Albert Streckeisen: Geologie und Petrographie der Flüelagruppe (Graubünden). In: Schweizerische mineralogische und petrographische Mitteilungen = Bulletin suisse de minéralogie et pétrographie = Bollettino svizzero di mineralogia e petrografia. Band 8, Nr. 1, 1928, ISSN 0036-7699, S. 87–239, doi:10.5169/seals-9917 (e-periodica.ch [abgerufen am 18. September 2025]).
  12. Albert Streckeisen 8 November 1901 – 29 September 1998. In: Igneous Rocks: A Classification and Glossary of Terms. R. W. Le Maitre, 2002, abgerufen am 17. September 2025 (englisch).
  13. H[ans] K[rähenbühl]: Nachruf Prof. Dr. A. Streckeisen. In: Bergknappe. Band 87, Nr. 1, 1999, S. 38 (bergbau-gr.ch [PDF]).
  14. Ernst Niggli: Lehrer und Wissenschafter. Festkolloquium zum 90. Geburtstag von Prof. Albert Streckeisen. In: Der Bund. Band 142, Nr. 293, 14. Dezember 1991 (e-newspaperarchives.ch).
  15. Ernst Niggli: Albert Streckeisen ein wissenschaftlich aktiver Achtziger. In: Der Bunc. Band 132, Nr. 261, 7. November 1981 (e-newspaperarchives.ch).
  16. E.N.: Albert Streckeisen, ein Siebziger. In: Der Bund - e-newspaperarchivesonline.ch. Nr. 261, 8. November 1971 (e-newspaperarchives.ch).
  17. Diverses; OeME-Korrespondenz 1975-1979. Abgerufen am 17. September 2025 (datum=1972 - 1979).
  18. Streckeisen, Albert, geb. 08.11.1901. Matrikel zum Studium an der ETH Zürich