Andreas Ritzenhoff
Andreas Ritzenhoff (* im 20. Jahrhundert in Marburg) ist ein deutscher Unternehmer und Politiker (CDU). Er ist seit 1991 geschäftsführender Gesellschafter der Seidel GmbH & Co. KG, einem international tätigen Hersteller von Designverpackungen aus Aluminium und Kunststoff. Politische Aufmerksamkeit erhielt er durch seine Bewerbung um den CDU-Bundesvorsitz 2018 sowie durch wirtschaftspolitische Stellungnahmen, zuletzt zur geplanten Mindestlohnerhöhung, die 2026 und 2027 in Kraft treten soll. Er kandidiert für den Bundesvorsitz der Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) Ende September 2025.
Leben
Ritzenhoff studierte Humanmedizin an den Universitäten Antwerpen, Brüssel, Heidelberg und Santiago de Chile. Seine Promotion zum Dr. med. absolvierte er an der Universität Heidelberg mit der Bewertung magna cum laude. Anschließend war er als Assistenzarzt an den Medizinischen Kliniken der Universität Düsseldorf tätig.
1986 trat er in das Familienunternehmen Seidel GmbH & Co. KG in Marburg ein, dessen alleiniger Inhaber und Geschäftsführer er seit 1991 ist. Er ist verheiratet und Vater von drei Kindern.
Unternehmerisches Engagement
Die Seidel GmbH & Co. KG wurde 1830 gegründet und produziert Designverpackungen sowie Applikationssysteme aus Aluminium und Kunststoff für die Kosmetik-, Pharma- und Lebensmittelindustrie sowie für die Automobilbranche. Unter Ritzenhoffs Leitung expandierte das Unternehmen und errichtete 2004 ein Werk in Fronhausen bei Marburg, das später erweitert und um ein vollautomatisiertes Hochregallager ergänzt wurde.
Der Umsatz stieg von rund 13,5 Millionen Euro (1986) auf etwa 115 Millionen Euro (2023), die Mitarbeiterzahl von 250 auf rund 640 an den Standorten Marburg und Fronhausen.
2014 gründete Ritzenhoff zudem die Carus GmbH & Co. KG, die sich auf die Produktion von LED-Lampen spezialisierte. Die Fertigung wurde 2018 eingestellt, nachdem preisgünstigere Konkurrenzprodukte aus China auf den Markt drängten. Ritzenhoff äußerte daraufhin wiederholt Kritik an aus seiner Sicht ungleichen Wettbewerbsbedingungen und forderte eine Stärkung der Sozialen Marktwirtschaft in Deutschland[1].
Für die Entwicklung nachhaltiger Technologien erhielt Seidel mehrere Auszeichnungen, darunter die EcoVadis-Platin-Auszeichnung (2023, 2024).
Politisches Engagement
Ritzenhoff ist Mitglied der CDU und engagiert sich seit Jahren in wirtschaftspolitischen Debatten, insbesondere im Kontext der Sozialen Marktwirtschaft. Für Aufmerksamkeit sorgte seine Bewerbung um den CDU-Bundesvorsitz 2018[2], mit der er Themen wie Mittelstandsförderung und fairen Wettbewerb in den Vordergrund rückte.
Im August 2025 wandte er sich schriftlich an Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas (SPD), CDU-Wirtschaftsministerin Katharina Reiche und Staatssekretärin Gitta Connemann. Er warnte, die geplante Mindestlohnerhöhung auf 14,60 €/Stunde ab 2026 sei „existenzbedrohend“ für viele Mittelständler und „könne zusätzlich eine Reihe von Mittelständlern in die Insolvenz treiben[3]“[4]. Stattdessen plädierte er für Steuer- und Abgabenentlastungen im Niedriglohnsektor.[5]
In mehreren Medien äußerte er weitere Bedenken:
- In Focus Online sagte er, die Anhebung werde „zu Insolvenzen, Arbeitsplatzverlusten und steigenden Preisen“ führen.[6]
Im Rahmen seiner MIT-Vorsitzkandidatur betonte Ritzenhoff auch die Zusammenarbeit mit der bisherigen Vorsitzenden Gitta Connemann. Er wird mit den Worten zitiert: „Frau Connemann vertritt uns in der Regierung, ich [vertrete uns] aus der Unternehmerschaft.“[7] Damit stellte er eine komplementäre Rollenverteilung im Einsatz für die Interessen des deutschen Mittelstands heraus.
Auszeichnungen (Auswahl)
- DEI Corporate Excellence Award der FAZ (2025)
- Preis des Respekts der Hessischen Landesregierung (2018)
- Bestes Ausbildungsunternehmen Deutschlands (2018)
- Rudolf-Diesel-Medaille für nachhaltige Entwicklung (2016)[8]
- Harvard Business Award (2016)
Mitgliedschaften (Auswahl)
- CDU Deutschland
- MIT Marburg-Biedenkopf (Kreisvorsitzender)[9]
- Präsidium der IHK Kassel-Marburg
- Wirtschaftsrat der CDU
- Senate of Economy Europe
- Atlantikbrücke e.V.
- Verband „Die Familienunternehmer“
- Rotary Club Marburg-Schloß (Präsident bis Juni 2025)
Publikationen
- Dissertation an der Universität Heidelberg (Titel nicht veröffentlicht).
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Andreas Nordlohne: Soziale Marktwirtschaft wieder ernst nehmen. In: Wirtschaft Nordhessen. Wirtschaft Nordhessen, , abgerufen am 16. September 2025.
- ↑ Kampf um CDU-Vorsitz: Andreas Ritzenhoff im Interview. 30. Oktober 2018, abgerufen am 16. September 2025.
- ↑ Silke Pfeifer-Sternke: Dr. Andreas Ritzenhoff: Mindestlohn-Erhöhung ist „wirtschaftliches Gift für die Unternehmen“. 10. September 2025, abgerufen am 16. September 2025.
- ↑ Unternehmer Dr. Andreas Ritzenhoff über Mindestlohn-Erhöhung: „Das ist wie ein Verrat am Mittelstand!“ Abgerufen am 16. September 2025.
- ↑ Oliver Stock: Ritzenhoff-Brief: Kritik an Mindestlohn-Erhöhung auf 14,60 Euro. 2. September 2025, abgerufen am 10. September 2025 (deutsch).
- ↑ Einst forderte er Merkel heraus, jetzt kämpft ein Unternehmer gegen den Mindestlohn. (focus.de [abgerufen am 10. September 2025]).
- ↑ Mittelstandsunion: Ritzenhoff kritisiert Connemann. Abgerufen am 10. September 2025.
- ↑ Preisträger – Rudolf-Diesel-Medaille. Abgerufen am 16. September 2025.
- ↑ Marburg-Biedenkopf. 17. Januar 2022, abgerufen am 16. September 2025.