Die Hyperbelfunktionen sind die korrespondierenden Funktionen der Kreisfunktionen (die auch als Winkel- oder trigonometrische Funktionen bezeichnet werden),
allerdings nicht am Einheitskreis
, sondern an der Einheitshyperbel
.
Wie eng diese Funktionen miteinander verwandt sind, erschließt sich noch deutlicher in der komplexen Zahlenebene. Sie wird durch die Relation
vermittelt. So gilt z. B.
.
Folgende Funktionen gehören zu den Hyperbelfunktionen:
- Hyperbelsinus oder lat. Sinus hyperbolicus (Formelzeichen:
)
- Hyperbelkosinus oder lat. Cosinus hyperbolicus (
)
- Hyperbeltangens oder lat. Tangens hyperbolicus (
)
- Hyperbelkotangens oder lat. Cotangens hyperbolicus (
)
- Hyperbelsekans oder lat. Sekans hyperbolicus (
)
- Hyperbelkosekans oder lat. Cosekans hyperbolicus (
).
In der deutschen Sprache werden noch sehr häufig die lateinischen Namen verwendet, mit teils eingedeutschter Schreibweise.
Sinus hyperbolicus und Kosinus hyperbolicus sind für alle komplexen Zahlen definiert und auf dem gesamten Gebiet der komplexen Zahlen holomorph. Die übrigen Hyperbelfunktionen haben Pole auf der imaginären Achse.
Definition
Definition über die Exponentialfunktion
Mittels der Exponentialfunktion können
und
wie folgt definiert werden:


Daher sind die hyperbolischen Funktionen periodisch (mit rein imaginärer Periode).
Die Potenzreihen von
und
lauten

wobei der Ausdruck
für die Fakultät von
, das Produkt der ersten
natürlichen Zahlen steht. Im Gegensatz zu den Potenzreihenentwicklungen von
und
haben alle Terme ein positives Vorzeichen.
Geometrische Definition mit Hilfe der Hyperbel
Wegen ihrer Verwendung zur Parametrisierung der Einheitshyperbel
:

werden sie Hyperbelfunktionen genannt, in Analogie zu den Kreisfunktionen Sinus und Kosinus, die den Einheitskreis
parametrisieren:

Die Funktionen stellen eine Verbindung her zwischen der Fläche
, die von einer vom Nullpunkt ausgehenden Geraden und ihrem Spiegelbild an der
-Achse sowie der Hyperbel eingeschlossen wird, und der Länge verschiedener Strecken.
Dabei ist
die (positive)
-Koordinate des Schnittpunkts der Geraden mit der Hyperbel und
die dazugehörige
-Koordinate;
ist die
-Koordinate der Geraden bei
, d. h. die Steigung der Geraden.
Berechnet man die Fläche durch Integration, erhält man die Darstellung mit Hilfe der Exponentialfunktion.
Eigenschaften der reellen Hyperbelfunktionen
- Für alle reellen Zahlen
sind auch
und
reell.
- Die reelle Funktion
ist streng monoton steigend und besitzt in
ihren einzigen Wendepunkt.
- Die reelle Funktion
ist auf dem Intervall
streng monoton fallend, auf dem Intervall
streng monoton steigend und besitzt bei
ein globales Minimum.
Wegen
gelten alle Eigenschaften der komplexen Hyperbelfunktionen, die im nachfolgenden Absatz aufgeführt sind, auch für die Funktionen, die auf die reellen Zahlen eingeschränkt sind.
Eigenschaften der komplexen Hyperbelfunktionen
Für alle komplexen Zahlen
gilt:
Symmetrie und Periodizität
, d. h., sinh ist eine ungerade Funktion.
, d. h., cosh ist eine gerade Funktion.
,
d. h., es liegt rein „imaginäre Periodizität“ vor mit minimaler Periodenlänge
.
Additionstheoreme



Zusammenhänge



Ableitung
Die Ableitung des Sinus hyperbolicus lautet:
.
Die Ableitung des Kosinus hyperbolicus lautet:
.
Die Ableitung des Tangens hyperbolicus lautet:
.
Differentialgleichung
Die Funktionen
und
bilden wie
und
eine Lösungsbasis (Fundamentalsystem) der linearen Differentialgleichung
.
Fordert man allgemein für die beiden Basislösungen
dieser Differentialgleichung zweiter Ordnung noch
,
und
,
, so sind sie bereits eindeutig durch
und
festgelegt. Sprich, diese Eigenschaft kann ebenfalls als Definition dieser beiden Hyperbelfunktionen herangezogen werden.
Bijektivität der komplexen Hyperbelfunktionen
sinh
Es seien folgende Teilmengen der komplexen Zahlen definiert:


Dann bildet die komplexe Funktion
den „Streifen“
bijektiv auf
ab.
cosh
Es seien folgende Teilmengen der komplexen Zahlen definiert:


Dann bildet die komplexe Funktion
den „Streifen“
bijektiv auf
ab.
Historische Notation
In deutschsprachiger Literatur wurden zur Unterscheidung von den trigonometrischen Funktionen die Hyperbelfunktionen lange Zeit in Frakturschrift dargestellt – mit initialer Großschreibung und ohne abschließendes h:[1]






Alternative Namen
- Für die Hyperbelfunktionen ist auch der Name hyperbolische Funktionen gebräuchlich.
- Für
sind auch die Namen hsin, Hyperbelsinus und Sinus hyperbolicus gebräuchlich.
- Für
sind auch die Namen hcos, Hyperbelcosinus und Cosinus hyperbolicus gebräuchlich. Der Graph entspricht der Kettenlinie (Katenoide).
Abgeleitete Funktionen
- Tangens hyperbolicus:

- Cotangens hyperbolicus:

- Secans hyperbolicus:

- Kosecans hyperbolicus:

Umrechnungstabelle
| Funktion
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Cauchysche Reihen
Analog zum Eulerschen Beweis des Basler Problems können unendliche Produktreihen für den Sinus Hyperbolicus und den Cosinus Hyperbolicus aufgestellt werden:

![{\displaystyle \cosh(x)=\prod _{n=1}^{\infty }{\biggl [}1+{\frac {4x^{2}}{(2n-1)^{2}\pi ^{2}}}{\biggr ]}}](./10f96cfff1913f2188d5a035e4dc353bf1876308.svg)
Die erste gezeigte Funktion stellt die nicht normierte Variante des Hyperbolischen Kardinalsinus dar.
Die Summen der diskreten Cauchy-Verteilung ergeben die Hyperbelfunktionen:




Alle sechs nun gezeigten Reihen sind für alle reellen Werte
konvergent!
Der Buchstabe L steht für die Langevin-Funktion, welche in der Elektrodynamik bei der Beschreibung des Paramagnetismus und in der statistischen Thermodynamik bei der Beschreibung der Wärmeenergie eine essentielle Rolle spielt und einen Spezialfall der Brillouin-Funktionen bildet. Und generell gilt für alle reellen Zahlen a, b und c mit dem Kriterium
folgende Formel:
![{\displaystyle \sum _{n=-\infty }^{\infty }{\frac {1}{a\,n^{2}+b\,n+c}}={\frac {2\,\pi \sinh {\bigl (}{\tfrac {1}{a}}{\sqrt {4ac-b^{2}}}\,\pi {\bigr )}}{{\sqrt {4ac-b^{2}}}\,{\bigl [}\cosh {\bigl (}{\tfrac {1}{a}}{\sqrt {4ac-b^{2}}}\,\pi {\bigr )}-\cos {\bigl (}{\tfrac {b}{a}}\pi {\bigr )}{\bigr ]}}}}](./7c64d25b5cedbf1f69d0c7ccafedaf5fd88ce67a.svg)
Umkehrfunktionen
Die Umkehrfunktionen der Hyperbelfunktionen heißen Area-Funktionen.
Siehe auch:
Zusammenhang mit den Kreisfunktionen
Literatur
- Ilja N. Bronstein: Taschenbuch der Mathematik. Deutsch (Harri).
- Nickos Papadatos: The characteristic function of the discrete Cauchy distribution. Department of Mathematics, National and Kapodistrian University of Athens, Panepistemiopolis, 157 84 Athens, Greece, 2022
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Stefan Hildebrandt: Analysis. Springer, 2002, ISBN 978-3-540-42838-1, S. 243, doi:10.1007/978-3-662-05694-3 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).