Die irrationalen Rotationsalgebren werden im mathematischen Teilgebiet der Funktionalanalysis betrachtet. Es handelt sich um eine Klasse von C*-Algebren, die sich aus der C*-Algebra der stetigen, komplexwertigen Funktionen auf dem Einheitskreis zusammen mit einer Rotation dieses Einheitskreises um einen irrationalen Winkel ergeben.
Konstruktion
Im Folgenden sei
eine fest gewählte irrationale Zahl.
Betrachte den
-Hilbertraum
der quadratintegrierbaren Funktionen, wobei wie üblich die Kreisgruppe
mittels
mit dem Einheitskreis
identifiziert wird, und darauf die beiden wie folgt definierten unitären Operatoren
und
:
, wobei 
und

ist ein Multiplikationsoperator und
rotiert eine Funktion um den Winkel
.
Die von
und
erzeugte C*-Algebra
heißt daher die irrationale Rotationsalgebra zum Winkel
und wird mit
bezeichnet.[D 1]
Eigenschaften
- Leicht bestätigt man
, in der Tat ist


.
- Die irrationale Rotationsalgebra hat folgende universelle Eigenschaft, die sie bis auf Isomorphie charakterisiert: Ist
eine C*-Algebra, die von zwei unitären Operatoren
und
erzeugt wird, die die Relation
erfüllen, so gibt es genau einen *-Isomorphismus
mit
und
.[D 2]
ist einfach, das heißt die Algebra enthält keine zweiseitigen *-Ideale außer
und sich selbst.
- Es gibt eine eindeutige Spur
, das heißt, es gibt genau ein lineares Funktional
mit
für alle
,
für alle
und
, wobei
das Einselement in
sei.[D 3]
- Die Gruppe der invertierbaren Elemente liegt dicht in
.[1]
- Die irrationalen Rotationsalgebren sind nuklear.
Alternative Konstruktion
Hier wird eine alternative Konstruktion der irrationalen Rotationsalgebra auf dem Folgenraum
mit der Orthonormalbasis
vorgestellt. Man definiere die unitären Operatoren
durch:
(zweiseitiger Shift),
(unendliche Diagonalmatrix).
Dann bestätigt man leicht
, woraus
folgt. Wegen der oben erwähnten universellen Eigenschaft der irrationalen Rotationsalgebra erhält man daraus
.
K-Theorie
Nach einem Satz von Marc Rieffel[2]
gibt es zu jedem
eine Projektion
mit
, wobei
die eindeutige Spur auf
sei.
Da
eine unperforierte, skalierte, kommutative Gruppe mit der Rieszschen Zerlegungseigenschaft ist (für diese Begriffe siehe Geordnete abelsche Gruppe), gibt es nach dem Satz von Effros-Handelman-Shen bis auf Isomorphie genau eine AF-C*-Algebra
, die diese Gruppe als K0-Gruppe hat, und es liegt nahe die C*-Algebra
, die selbst keine AF-C*-Algebra ist, mit
in Verbindung zu bringen.
Tatsächlich konnten M. Pimsner und D. Voiculescu eine Einbettung
konstruieren[3]. Daraus folgt zunächst
und dann[D 4]:
- Zwei irrationale Rotationsalgebren
und
sind genau dann isomorph, wenn
ist.
Kreuzprodukt
Die irrationale Rotationsalgebra ist der Prototyp des Kreuzproduktes eines C*-dynamischen Systems. Ist
durch
definiert und ist
, so ist
ein C*-dynamisches System und es ist
.[D 5]
Einzelnachweise
- ↑ I. Putnam: The invertibles are dense in the irrational rotation C*-algebras, J. reine angewandte Mathematik, Band 140 (1990), Seiten 160–166
- ↑ M. A. Rieffel: C*-algebras associated with irrational rotations, Pacific J. Math., Band 93 (1981), Seiten 415–429
- ↑ M. Pimsner, D. Voiculescu: Imbedding the irrational rotation algebra into an AF algebra, Journal of Operator Theory, Band 4 (1980), Seiten 93–118
K. R. Davidson: C*-Algebras by Example, American Mathematical Society (1996), ISBN 0-821-80599-1:
- ↑ Kapitel VI: Irrational Rotation Algebra
- ↑ Theorem VI.1.4
- ↑ Satz VI.1.3
- ↑ Korollar VI.5.3
- ↑ Beispiel VIII.1.1