Naturalis

Naturalis

Naturalis, 19. September 2019
Daten
Ort Darwinweg 2[1], 2333 CR Leiden, Niederlande
Art
Eröffnung 7. April 1998

31. August 2019 Erweiterungsbau

Besucheranzahl (jährlich) Mehr als 500.000
Website

Das Naturalis Biodiversity Center (zuvor Nederlands Centrum voor Biodiversiteit (NCB Naturalis)) ist seit 2012 der Name für das Nationaal Natuurhistorisch Museum (Nationales Naturgeschichtliches Museum) in Leiden. Es ist ein Naturkundemuseum, in dem verschiedene Formen der Naturerziehung praktiziert werden. 2021 wurde es mit dem European Museum of the Year Award (EMYA) ausgezeichnet.[2]

Naturalis hat unter anderem eine Online-Übersicht über die niederländische Biodiversität koordiniert.

Geschichte

Die Vorläufer waren das Rijksmuseum van Natuurlijke Historie (Reichsmuseum für Naturgeschichte) und das Rijksmuseum voor Geologie en Mineralogie (Reichsmuseum für Geologie und Mineralogie). Das Rijksmuseum van Natuurlijke Historie wurde 1820 auf königlichem Beschluss und auf Veranlassung Coenraad Jacob Temmincks errichtet. Hier wurden bereits bestehende Sammlungen zusammengefügt. Zu diesem Museum hatte die Öffentlichkeit nur einen stark begrenzten Zugang, in manchen Zeiten sogar gar nicht. Erster Direktor war Coenraad Jacob Temminck, er berief 1821 Heinrich Boie als Konservator und ab 1825 ebenfalls Hermann Schlegel. Nach Boies Tod 1827 in Indonesien wurde Schlegel 1828 offiziell zum Konservator am Museum ernannt. Mit Temmincks Ableben 1858 wurde Schlegel sein Nachfolger als Direktor, er übte dieses Amt bis zu seinem Tod 1884 aus.[3]

Nach dem Zusammenschluss mit den Sammlungen des Zoölogisch Museum Amsterdam (ZMA) und dem Nationaal Herbarium Nederland 2011/2012 ist die Anzahl der Objekte auf etwa 37 Millionen angestiegen.[4] Im Jahr 2025 zählt die Sammlung des Museums über 43 Millionen Stücke.

Neuer Museumsbau

1986 wurde beschlossen, dass das Rijksmuseum van Natuurlijke Historie ein öffentliches Museum werden sollte. Hierfür wurde ein ausgedehnter Neubau notwendig, der 1998 fertiggestellt wurde. Die Kosten für das Museumsprojekt – rund 60 Millionen Euro – waren die höchsten für ein Museum seit dem Bau des Rijksmuseum Amsterdam.

Das neue Museum wurde an ein ehemaliges Pesthaus aus dem 17. Jahrhundert angebaut, das seit 1954 als Unterkunft für das Legermuseum (ein Armeemuseum), das 1984 nach Delft umzog, diente. Das Pesthaus bildete die Eingangshalle.

Im Jahr 2012 wurde der Name in Naturalis Biodiversity Center geändert. Naturalis hat sich mit ETI Bioinformatics zusammengetan, um den Catalog of Life (CoL) zu unterstützen, und arbeitet mit der Global Biodiversity Information Facility zusammen. "Naturalis" ist das niederländische nationale Forschungszentrum für Biodiversität.

Im Jahr 2015 begann die Planung weiterer Renovierungs- und Erweiterungsarbeiten nach dem Entwurf von Neutelings Riedijk Architecten (NRA). Das "Pesthuis" (historisches Pestkrankenhaus) ist nicht mehr Teil des neuen Komplexes. Eine Klage des früheren Architekten verhinderte diese Pläne.

Die Architektur ist von natürlichen Formen inspiriert: Waben, Katzenaugen, Blätter... In einem Meer aus Licht, das aus allen Richtungen hereinströmt, vereinen sich alle Funktionsbereiche des neuen Gebäudes im Atrium: Sammlung, Forschung und Museum. Hier treffen sich die Mitarbeiter, Wissenschaftler, Studenten – und die vielen Besucher. Das Gebäude bietet Platz für die wachsende Sammlung und die steigende Zahl von Besuchern und Wissenschaftlern. Ende August 2019 wurde der Neubau mit mehreren Veranstaltungen und einer sehr großen Besucherzahl eröffnet. Das Naturalis Biodiversity Center Leiden wurde im Jahr 2021 mit dem "European Museum of the Year Award" ausgezeichnet. Die internationale Jury zeichnete das Museum für seine beeindruckende Sammlung, seine Forschungsarbeit, seine vielfältigen und schönen Ausstellungen sowie sein reiches Angebot an öffentlichen Dienstleistungen aus.

Es ist ein Museum für die ganze Familie wie auch für Schulklassen auf höchstem museumspädagogischen Niveau. In der "Life gallery" wird in einmaliger Weise die "Fülle des Lebens" erfahrbar. In der "Ära der Dinosaurier" begegnet man "Tyrannosaurus rex", ein Exemplar, das die Mitarbeiter von Naturalis in Montana (USA) selbst ausgegraben und konserviert haben. Und die Architekten meisterten die Herausforderung, den zwölf Meter hohen "Camarasaurus" aufzustellen. In einem anderen Raum werden die Niederlande während der Eiszeit dargestellt. Noch während man in der Videobox sieht, wie sich die damaligen Mammuts (das Museum hat eine der größten Mammutsammlungen der Welt) und Löwen bekämpfen, blitzt in der Landschaft ein Zug oder eine Autobahn auf: ein Dialog zwischen Einst und Jetzt. Dies ist nur ein Ausschnitt der Abteilungen des Museums. Dieser Museumsbesuch bleibt allen Familienmitgliedern in Erinnerung!

Sammlung

Die Sammlung besteht aus über 43 Millionen[5] zoologischen, botanischen und geologischen Sammelstücken, darunter:

  • 12.000 Gallen
  • 6.000 Schleimpilze
  • 121.000 Holzproben
  • 140.000 Bücher
  • 14.000 wissenschaftliche Zeitschriftentitel
  • 57.000 Drucke und Zeichnungen
  • 13.000 Karten
  • 91.500 Mikrofiche
  • 310.000 Fotografien, Dias und Glasnegative
  • 10.000 Objekte in der pädagogischen Sammlung

Der größte Teil der Sammlungen ist in einem 60 Meter hohen Turm, einem Wahrzeichen von Leiden, untergebracht, der am 7. April 1998 eröffnet wurde. Einige Teile der Sammlungen werden in einem Depot im ehemaligen Museumsgebäude am Raamsteeg im Stadtzentrum von Leiden aufbewahrt.

Ausstellungen

Neben seinen zeitlich begrenzten Ausstellungen besitzt das Museum mehrere permanente Ausstellungen:

  • Natur-Theater (Tiere, Pflanzen, Pilze, einzellige Organismen, Bakterien, Steine und Mineralien, eine Impression der Natur in all ihren verschiedenen Formen).
  • Urzeit-Parade (Anhand von Fossilien wird die Erdgeschichte und die Entwicklung des Lebens dargestellt)
  • Leben (hier wird gezeigt, wie Pflanzen und Tiere leben und auf der Erde überleben).
  • Innerhalb der Erde (für Kinder und ihre Eltern, auf spielhafte Weise lernen Kinder, wie die Natur funktioniert).
  • Biotechnologie (Spiele und Filme zeigen dem Besucher, wie maßgeblich die DNA in allen Lebensabläufen ist).
  • Schatzkammer (spezielles Sicherheitspersonal und Tresore schützen die kostbaren Edelsteine, einschließlich einer Sammlung, die einmal dem holländischen König Wilhelm I. gehörte, sowie die Präparate von Tierarten, die in den letzten Jahrhunderten ausgestorben sind).

Literatur

  • Menno Schilthuizen, Freek Vonk: Wie wat bewaart: Twee eeuwen Nederlandse natuurhistorie. Hrsg.: Unieboek | Het Spectrum. 1. Auflage. 2020, ISBN 978-90-00-36249-3 (niederländisch).
  • Tiny Monquil, Eulalia Gassó: Van onschatbare waarde: 200 jaar Naturalis. Hrsg.: Walburg Pers B.V., Uitgeverij. 1. Auflage. Naturalis Biodiversity Center, Leiden 2020, ISBN 978-94-6249-627-9 (niederländisch).
Commons: Naturalis – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Kontakt, Naturalis. Abgerufen am 20. August 2020.
  2. Verleihung des EMYA 2021 (Memento des Originals vom 24. September 2021 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.europeanforum.museum
  3. Gustaaf Schlegel: Hermann Schlegel. Lebensbild eines Naturforschers. Hrsg.: Hugo Köhler. Verlag von Oskar Bonde. Altenburg 1886
  4. Naturalis-Webseite "Collections" (Memento vom 9. April 2013 im Internet Archive), abgerufen im Internet Archive am 20. Oktober 2019
  5. Kurze Beschreibung zur Sammlung, abgerufen am 5. Juni 2024