Nela Kruschinski


Nela Sophie Kruschinski (* 2007 in Menden) ist eine deutsche Jugendpolitikerin (SPD). Sie wurde als Ortsvorsitzende der Jusos in Menden öffentlich bekannt und stand 2025 im Mittelpunkt bundesweiter Berichterstattung, nachdem eine Hausdurchsuchung gegen sie durchgeführt worden war, die später als rechtswidrig bewertet und zum Politikum wurde.

Leben und Ausbildung

Nela Kruschinski absolvierte das Abitur am Walburgisgymnasium in Menden. Sie ist Vorstandsmitglied der Bezirksschülervertretung des Märkischen Kreises, die die Interessen der 35.000 Schüler im Kreis vertritt.[1] Während ihrer Schulzeit engagierte sie sich bei der erinnerungspolitischen Initiative Augen auf für Menden. Sie wirkte an der Organisation von Gedenkveranstaltungen mit[2] und begegnete im Rahmen der Initiative der Holocaustüberlebenden Margot Friedländer in einer Gesprächsrunde.[3] Zudem arbeitete sie für das Wahlkreisbüro der Bundestagsabgeordneten Bettina Lugk.[4]

Positionen

Im Jahr 2022 setzte sich Nela Kruschinski erforlgreich für die öffentlichkeitswirksame Umbenennung aller damaligen Ehrenmale des Zweiten Weltkriegs der Stadt Menden zu Mahnmalen ein.[5] Die Verwendung des Terminus der Mahnmale solle weder den Nationalsozialismus noch Krieg ehren.[6]

Auch engagierte sich Nela Kruschinski für die Zurverfügungstellung von kostenfreien Menstruationsartikeln in allen öffentlichen Schulen in der Stadt Menden. Mit der Einbringung eines entsprechenden Antrags in den Stadtrat wollte Kruschinski dazu beitragen, Menstruation zu enttabuisieren und einen niederschwelligen Zugang zu Hygieneprodukten in Schulen zu schaffen.[7]

Als Reaktion auf einen Wahlkampfauftritt des damaligen Kanzlerkandidaten Friedrich Merz im Januar 2025[8] organisierte Kruschinski als Teil der Jusos Menden gemeinsam mit der Grünen Jugend Menden eine Demonstration gegen den politischen Kurs der CDU rund um den Fünf-Punkte-Plan.[9][10]

Politikum

Im Januar 2025 fand ein Wahlkampfauftritt von Friedrich Merz, damals Kanzlerkandidat der CDU in der Schützenhalle in Hüingsen, einem Stadtteil von Menden, statt.[11] In der Nacht vor diesem Auftritt wurden Parolen wie „Merz aufs Maul!“ und „Antifa in die Offensive“ an die Fassade der Halle gesprüht. Nela Kruschinski wurde verdächtigt, diese gesprüht zu haben.[12] Kruschinski selbst bestreitet jedoch, etwas mit dem Graffiti zu tun zu haben.[13]

Am 1. April 2025 wurde das Elternhaus von Kruschinski durchsucht. Dabei wurden ihr Laptop, ihr Handy und mehrere Notizbücher beschlagnahmt. Zu diesem Zeitpunkt war Nela Kruschinski minderjährig und stand kurz vor dem Abitur.[14] Grundlage der Ermittlungen war der Verdacht, Kruschinski könnte für die Graffitis verantwortlich sein. Dieser Verdacht beruhte auf zwei Hinweisen: Erstens eine Aussage einer Zeugin, die nachts in der Nähe der Schützenhalle zwei jüngere Personen gesehen haben will, eine Frau und einen Mann, ohne genaue Identifikation.[15] Zweitens ein anonym bei der Polizei eingegangener Hinweis, die Kruschinski und einen Bekannten „ins Visier“ nehmen solle.[16] Laut Landgericht waren diese vagen Hinweise viel zu wenig für einen Durchsuchungsbeschluss. Zudem kritisiert das Landgericht auch die Staatsanwaltschaft Arnsberg. Die Staatsanwaltschaft Arnsberg habe nicht mal einen Antrag auf eine Hausdurchsuchung gestellt. Sie folgte nur der Anregung der Polizei. Der Durchsuchungsbeschluss wurde durch einen Richter auf Probe vom Amtsgericht Arnsberg erlassen. Ob und wie weit die Direktorin des Amtsgerichts Charlotte Merz, Ehefrau von Friedrich Merz, Einfluss hatte oder Einfluss genommen hat, wurde in verschiedenen Medien diskutiert.[17]

Der Fall hat erhebliche öffentliche Aufmerksamkeit erregt, da er zentrale Fragen berührt wie den Schutz der Persönlichkeitsrechte, die Voraussetzungen für Durchsuchungen (insbesondere bei Minderjährigen) und die Gefahr politischer Einflussnahme oder zumindest öffentlicher Wahrnehmung solcher Einflussnahme.[18] Kritiker, darunter Vertreter der SPD, äußerten, dass das Vertrauen in den Rechtsstaat und in die Arbeit der Polizei beschädigt werden könne, wenn Maßnahmen wie diese nicht hinreichend rechtsstaatlich begründet sind.[19] Es wurden auch Vorwürfe der Befangenheit geäußert, insbesondere im Zusammenhang mit der Tatsache, dass die Direktorin des Gerichts, das den Beschluss erlassen hatte, Charlotte Merz ist. Ob tatsächlich eine Befangenheit vorliegt, wurde sowohl bestritten als auch öffentlich diskutiert.[20]

Besonders im Fokus der Debatte stand das Agieren des Kriminalhauptkommissars Wolfgang E., der nicht nur Polizeibeamter, sondern auch CDU-Politiker und Vorstandsmitglied der betroffenen Schützenhalle ist. Er ermittelte gegen Kruschinski ohne Anordnung des Staatsschutzes oder anderer Behörden. NRW-Innenminister Herbert Reul erklärte E. im September 2025 als „glasklar befangen". [21] Nela Kruschinski äußerte sich, E. habe keinen erneuten Kontakt aufgenommen, um sich für sein Handeln zu entschuldigen.[22]

Kruschinski wurde im Prozess rechtlich von dem ehemaligen NRW-Justizminister Thomas Kutschaty vertreten.[23]

Einzelnachweise

  1. Der Vorstand – BSV Märkischer Kreis. 31. Mai 2025, abgerufen am 13. September 2025.
  2. Detailseite. 4. November 2022, abgerufen am 13. September 2025.
  3. Detailseite. 24. November 2022, abgerufen am 13. September 2025.
  4. Nela Sophie Kruschinski › SPD Menden. Abgerufen am 13. September 2025 (deutsch).
  5. Thomas Hagemann: Alle Mendener Ehrenmäler werden jetzt zu Mahnmalen. 21. März 2022, abgerufen am 13. September 2025.
  6. Thomas Hagemann: Jusos: Aus Ehrenmalen in Menden sollen Mahnmale werden. 15. März 2022, abgerufen am 13. September 2025.
  7. Bürgerantrag der Jusos Menden: Jusos Menden reichen ersten Bürgerantrag ein. 30. November 2023, abgerufen am 13. September 2025.
  8. Thomas Hagemann: Merz-Auftritt: Protest-Demo. 23. Januar 2025, abgerufen am 13. September 2025.
  9. Instagram. Abgerufen am 13. September 2025.
  10. Nach Merz-Schmierereien: Wie Juso-Vorsitzende die Hausdurchsuchung erlebte. Abgerufen am 13. September 2025.
  11. Radio Mk: Friedrich Merz beim CDU-Neujahrsempfang in Menden. Abgerufen am 13. September 2025.
  12. Arne Hell und Mathea Schülke WDR: "Wer möchte mir schaden?" Rechtswidrige Hausdurchsuchung bei einer 17-Jährigen. Abgerufen am 13. September 2025.
  13. Wegen Schmierereien gegen Merz: Rechtswidrige Hausdurchsuchung bei SPD-Nachwuchspolitikerin. In: Die Tageszeitung: taz. 8. September 2025, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 13. September 2025]).
  14. Kaja Klapsa, Max Brugger: Nela Kruschinski: "Anfangs dachte ich noch: Will mich jemand verarschen?" In: Die Zeit. 9. September 2025, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 13. September 2025]).
  15. Valentin Dreher, Dietmar Hipp, Miriam Olbrisch, Jonas Schaible, Christian Teevs: (S+) Anti-Friedrich-Merz-Graffiti: Wie es zu einer rechtswidrigen Durchsuchung bei einer Juso-Politikerin kam. In: Der Spiegel. 9. September 2025, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 13. September 2025]).
  16. Wegen Anti-Merz-Slogans: Ermittler durchsuchen Haus einer 17-Jährigen – rechtswidrig. 9. September 2025, abgerufen am 13. September 2025.
  17. Hausdurchsuchung in Menden bei SPD-Politikerin Kruschinski rechtswidrig: Polizist befangen? 11. September 2025, abgerufen am 13. September 2025.
  18. Wegen Schmierereien gegen Merz: Rechtswidrige Hausdurchsuchung bei SPD-Nachwuchspolitikerin. In: Die Tageszeitung: taz. 8. September 2025, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 13. September 2025]).
  19. n-tv NACHRICHTEN: Rechtswidrige Razzia: Lokaler Polizist "glasklar" befangen. Abgerufen am 13. September 2025.
  20. LTO: Durchsuchung bei SPD-Politikerin: War ein Beamter befangen? Abgerufen am 13. September 2025.
  21. Menden: Polizei prüft Disziplinarverfahren gegen befangenen Kriminalhauptkommissar. In: Der Spiegel. 11. September 2025, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 15. September 2025]).
  22. Nach Merz-Schmierereien: Wie Juso-Vorsitzende die Hausdurchsuchung erlebte. Abgerufen am 15. September 2025.
  23. Anwalt zu rechtswidriger Razzia: "Keine saubere Arbeit". 10. September 2025, abgerufen am 15. September 2025.