Omnium

Omnium (aus dem Lateinischen: von allen = Mehrkampf) bezeichnet einen Wettbewerb im Bahnradsport, der nach aktuellem Reglement aus vier verschiedenen Ausdauerdisziplinen zusammengesetzt ist. Das Omnium wird bei Kontinental- und Weltmeisterschaften ausgefahren und ist seit 2012 Teil des olympischen Programms.

Regeln

Das Omnium besteht seit 2025 aus folgenden Teildisziplinen:

  1. Scratch (Männer und Frauen 10 km, Junioren und Juniorinnen 7,5 km)
  2. Temporennen (Männer und Frauen 10 km, Junioren und Juniorinnen 7,5 km)
  3. Ausscheidungsfahren
  4. Punktefahren (Männer 25 km, Frauen und Junioren 20 km, Juniorinnen 15 km)

In den ersten drei Wettbewerben werden 40, 38, 36 etc. Punkte für die ersten Fahrer vergeben, zu denen sich die im Punktefahren erzielten Punkte für Sprints und Rundengewinne addieren. Sieger ist, wer die höchste Gesamtpunktzahl hat. Bei Punktgleichheit entscheidet der Einlauf des letzten Sprints im Punktefahren.

Entwicklung

Ein erster „Omnium“ genannter Wettbewerb wurde 1917 in Paris ausgetragen und bestand aus einem Sprint, einem 10 km langen Dernyrennen und einem 20 km langen Rennen mit Tandem als Schrittmacher. Über die Jahre wurde der Wettbewerb in unterschiedlichen Zusammensetzungen durchgeführt.[1] In Deutschland wurden von 1961 bis 1984 deutsche Amateur-Meister im Omnium ermittelt, mit den Teildisziplinen Sprint, Zeitfahren, Ausscheidungsfahren und Punktefahren. Ein Omnium-Wettbewerb wurde zum Beispiel auch beim bis 2008 jährlich stattfindenden „Großen Weihnachtspreis“ in der Dortmunder Westfalenhalle ausgetragen.

Der Wettbewerb wurde erstmals 2006 ins Regelwerk der UCI aufgenommen und 2007 bei den Weltmeisterschaften eingeführt, zunächst für Männer. Er bestand zu diesem Zeitpunkt aus folgenden Teilen:[2]

  1. 200 m Zeitfahren mit fliegendem Start
  2. Scratch (5 km)
  3. Einerverfolgung (Männer 3 km, Junioren 2 km)
  4. Punktefahren (15 km)
  5. Zeitfahren (1000 m)

Das Omnium deckte damit sowohl die Kurzzeit- als auch die Ausdauer-Disziplinen im Bahnradsport ab und bei den Ausdauer-Disziplinen sowohl die Verfolgung als auch ein Rennen mit Massenstart. In jedem Teilwettbewerb wurden Punkte entsprechend dem erzielten Rang vergeben, und es gewann der Fahrer mit der niedrigsten Gesamtpunktzahl. Bei Punktgleichheit entschied die Addition der Zeitfahr-Disziplinen.

2009 wurde das Omnium auch für Frauen ins WM-Programm aufgenommen. Nach den Weltmeisterschaften 2010 wurden die Regeln geändert. Grund hierfür war die Aufnahme des Omniums (Männer und Frauen) sowie zusätzlicher Frauenwettbewerbe in die Olympischen Spiele ab 2012. Dafür wurden mehrere Ausdauer-Disziplinen (Einerverfolgung, Punktefahren, Zweier-Mannschaftsfahren) aus dem olympischen Programm gestrichen. Als Ausgleich zugunsten der Ausdauerfahrer wurde das Ausscheidungsfahren in den Omnium aufgenommen, und die Distanzen einiger Teildisziplinen wurden erhöht.[3][4]

  1. Fliegende Runde
  2. Punktefahren (Männer 30 km, Frauen 20 km, Junioren 15 km, Juniorinnen 10 km)
  3. Ausscheidungsfahren
  4. Einerverfolgung (Männer 4 km, Frauen und Junioren 3 km, Juniorinnen 2 km)
  5. Scratch (Männer 10 km, Frauen und Junioren 7,5 km, Juniorinnen 5 km)
  6. Zeitfahren (Männer 1000 m, Frauen 500 m)

Die Distanzen im Scratch wurden jedoch darauf erhöht,[5] und 2014 wurde das Regelwerk grundlegend modifiziert. Die Reihenfolge der Wettbewerbe änderte sich ebenso wie die Berechnung des Gesamtergebnisses: In den ersten fünf Wettbewerben wurden nunmehr 40, 38, 36 etc. Punkte für die ersten Fahrer vergeben, zu denen die im Punktefahren erzielten Punkte für Sprints und Rundengewinne addiert wurden. Sieger war der Fahrer mit der höchsten Gesamtpunktzahl. Bei Punktgleichheit entschied der Einlauf des letzten Sprints des Punktefahrens. Damit ergab sich folgende Anordnung:[6]

  1. Scratch (Männer 15 km, Frauen und Junioren 10 km, Juniorinnen 5 km)
  2. Einerverfolgung (Männer 4 km, Frauen und Junioren 3 km, Juniorinnen 2 km)
  3. Ausscheidungsfahren
  4. Zeitfahren (Männer 1000 m, Frauen 500 m)
  5. Fliegende Runde
  6. Punktefahren (Männer 40 km, Frauen 25 km, Junioren 25 km, Juniorinnen 20 km)

Nach einer weiteren Regeländerung im Oktober 2016 wurden die Wettbewerbe mit Einzelstart (Einerverfolgung, Zeitfahren und Fliegende Runde) gestrichen, ein Temporennen hinzugefügt. Der Wettbewerb wird nun statt an zwei nur noch an einem Tag abgehalten, wofür auch die Länge von Scratch und Punktefahren reduziert wurde. Ziel der Reform war, das Omnium zu einem echten Ausdauerwettbewerb zu machen und damit das Programm der Meisterschaften mehr zwischen dem Sprint- und Ausdauerbereich auszubalancieren.[7][8] Der Wettkampf hatte nunmehr folgende Form:

  1. Scratch (Männer 10 km, Frauen und Junioren 7,5 km, Juniorinnen 5 km)
  2. Temporennen (Männer 10 km, Frauen und Junioren 7,5 km, Juniorinnen 5 km)
  3. Ausscheidungsfahren
  4. Punktefahren (Männer 25 km, Frauen und Junioren 20 km, Juniorinnen 15 km)

2025 wurde die Länge des Temporennens für Frauen auf 10 Kilometer und für Juniorinnen auf 7,5 Kilometer erhöht.[9]

Paracycling

Im Paracycling wurde 2020 ein Omnium-Wettkampf für die Klasse C (Rennräder) eingeführt. Er hatte eine andere Zusammensetzung und bestand aus Zeitfahren, Verfolgung, Scratch sowie 200 Meter bei fliegendem Start. In jedem der vier Wettbewerbe wurden 40 Punkte für den ersten Platz vergeben, 38 für den zweiten usw. Das Gesamtklassement richtete sich nach der Addition der vier Wettbewerbe, bei Punktgleichstand entschied das Ergebnis im Scratch. Die Reihenfolge der vier Wettbewerbe war beliebig; Zeitfahren, Verfolgung und Scratch zählten zugleich als Einzeldisziplinen. Ende 2024 wurde das Para-Omnium wieder abgeschafft, da mit der Einführung neuer Wettkämpfe wie Sprint und Ausscheidungsfahren eine stärkere Spezialisierung der Fahrer zu erwarten war.[10][11]

Ergebnisse bei Bahnradsport-Weltmeisterschaften

Männer

Jahr Gold Silber Bronze
2007 Tschechien Alois Kaňkovský Argentinien Walter Pérez Vereinigte Staaten Brad Huff
2008 Neuseeland Hayden Godfrey Australien Leigh Howard Belarus Aljaksandr Lisouski
2009 Australien Leigh Howard Kanada Zach Bell Niederlande Tim Veldt
2010 Vereinigtes Konigreich Ed Clancy Australien Leigh Howard Vereinigte Staaten Taylor Phinney
2011 Australien Michael Freiberg Neuseeland Shane Archbold Belgien Gijs Van Hoecke
2012 Australien Glenn O’Shea Kanada Zach Bell Danemark Lasse Norman Hansen
2013 Neuseeland Aaron Gate Danemark Lasse Norman Hansen Australien Glenn O’Shea
2014 Frankreich Thomas Boudat Niederlande Tim Veldt Russland Wiktor Manakow
2015 Kolumbien Fernando Gaviria Australien Glenn O’Shea Italien Elia Viviani
2016 Kolumbien Fernando Gaviria Deutschland Roger Kluge Australien Glenn O’Shea
2017 Frankreich Benjamin Thomas Neuseeland Aaron Gate Spanien Albert Torres
2018 Polen Szymon Sajnok Niederlande Jan-Willem van Schip Italien Simone Consonni
2019 Neuseeland Campbell Stewart Frankreich Benjamin Thomas Großbritannien Ethan Hayter
2020 Frankreich Benjamin Thomas Niederlande Jan-Willem van Schip Großbritannien Matthew Walls
2021 Großbritannien Ethan Hayter Neuseeland Aaron Gate Italien Elia Viviani
2022 Großbritannien Ethan Hayter Frankreich Benjamin Thomas Neuseeland Aaron Gate
2023 Portugal Iúri Leitão Frankreich Benjamin Thomas Japan Shunsuke Imamura
2024 Belgien Lindsay De Vylder Italien Simone Consonni Niederlande Yanne Dorenbos

Frauen

Jahr Gold Silber Bronze
2009 Australien Josephine Tomic Kanada Tara Whitten Niederlande Yvonne Hijgenaar
2010 Kanada Tara Whitten Vereinigtes Konigreich Elizabeth Armitstead Spanien Leire Olaberria
2011 Kanada Tara Whitten Vereinigte Staaten Sarah Hammer Niederlande Kirsten Wild
2012 Vereinigtes Konigreich Laura Trott Australien Annette Edmondson Vereinigte Staaten Sarah Hammer
2013 Vereinigte Staaten Sarah Hammer Vereinigtes Konigreich Laura Trott Australien Annette Edmondson
2014 Vereinigte Staaten Sarah Hammer Vereinigtes Konigreich Laura Trott Australien Annette Edmondson
2015 Australien Annette Edmondson Vereinigtes Konigreich Laura Trott Niederlande Kirsten Wild
2016 Vereinigtes Konigreich Laura Trott Frankreich Laurie Berthon Vereinigte Staaten Sarah Hammer
2017 Großbritannien Katie Archibald Niederlande Kirsten Wild Australien Amy Cure
2018 Niederlande Kirsten Wild Danemark Amalie Dideriksen Neuseeland Rushlee Buchanan
2019 Niederlande Kirsten Wild Italien Letizia Paternoster Vereinigte Staaten Jennifer Valente
2020 Japan Yūmi Kajihara Italien Letizia Paternoster Polen Daria Pikulik
2021 Großbritannien Katie Archibald Belgien Lotte Kopecky Italien Elisa Balsamo
2022 Vereinigte Staaten Jennifer Valente Niederlande Maike van der Duin Portugal Maria Martins
2023 Vereinigte Staaten Jennifer Valente Danemark Amalie Dideriksen Belgien Lotte Kopecky
2024 Neuseeland Ally Wollaston Großbritannien Jessica Robertson Norwegen Anita Yvonne Stenberg

Ergebnisse bei Olympischen Spielen

Männer

Jahr Gold Silber Bronze
2012 Danemark Lasse Norman Hansen Frankreich Bryan Coquard Vereinigtes Konigreich Edward Clancy
2016 Italien Elia Viviani Vereinigtes Konigreich Mark Cavendish Danemark Lasse Norman Hansen
2020 Vereinigtes Konigreich Matthew Walls Neuseeland Campbell Stewart Italien Elia Viviani
2024 Frankreich Benjamin Thomas Portugal Iúri Leitão Belgien Fabio Van den Bossche

Frauen

Jahr Gold Silber Bronze
2012 Vereinigtes Konigreich Laura Trott Vereinigte Staaten Sarah Hammer Australien Annette Edmondson
2016 Vereinigtes Konigreich Laura Trott Vereinigte Staaten Sarah Hammer Belgien Jolien D’hoore
2020 Vereinigte Staaten Jennifer Valente Japan Yūmi Kajihara Niederlande Kirsten Wild
2024 Vereinigte Staaten Jennifer Valente Polen Daria Pikulik Neuseeland Ally Wollaston

Einzelnachweise

  1. L'Omnium : 70 ans pour avoir la peau de la poursuite. DirectVelo, 14. November 2020; (französisch).
  2. UCI-Regeln für den Bahnradsport vom 22. Dezember 2006, Seite 39 (Memento vom 3. März 2007 im Internet Archive)
  3. UCI-Regeln für den Bahnradsport vom 25. Februar 2010, Seite 44f (Memento vom 9. Mai 2010 im Internet Archive)
  4. International Omnium. Jerry Baker Velodrome, abgerufen am 5. Mai 2023 (englisch).
  5. UCI-Regeln für den Bahnradsport vom 1. Februar 2011, Seite 45ff (Memento vom 28. September 2011 im Internet Archive)
  6. Synoptische Darstellung der UCI-Regeln: Modifications as of June 20, 2014 (Memento vom 29. Juni 2014 im Internet Archive) abgerufen am 3. Juli 2014
  7. UCI Management Committee agrees key changes to the regulations of three cycling disciplines. uci.ch, 13. Oktober 2016, abgerufen am 13. Oktober 2016 (englisch).
  8. UCI-Regeln für den Bahnradsport vom 12. Juni 2020, Seite 49ff (Memento vom 17. Oktober 2020 im Internet Archive)
  9. Frauen: UCI passt Bahn-Renndistanzen an und führt Radball-WM ein. In: rad-net.de. 5. Mai 2023, abgerufen am 5. Mai 2023.
  10. Regulation amendments applying on 01.01.2025. Union Cycliste Internationale, 27. September 2024; (englisch). Streichung von §6
  11. UCI Newsletter #144. September 2024; (englisch).