Regierungsbezirk Allenstein

Der Regierungsbezirk Allenstein war von 1905 bis 1945 ein Regierungsbezirk der preußischen Provinz Ostpreußen. Sein Gebiet gehört heute zur polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren.

Geschichte

Bereits 1884 gab es anscheinend Pläne zur Bildung des Regierungsbezirks, nach denen er aus den Kreisen Oletzko, Lyck, Johannisburg, Angerburg, Lötzen, Sensburg, Ortelsburg, Neidenburg, Allenstein und Osterode gebildet werden solle.[1] Der Regierungsbezirk Allenstein wurde schließlich 1905 als dritter ostpreußischer Regierungsbezirk eingerichtet. Ziel dieser Maßnahme war unter anderem die kulturelle und wirtschaftliche Förderung Masurens. Er wurde aus Teilen des Regierungsbezirks Gumbinnen und des Regierungsbezirks Königsberg gebildet. Mit Masuren, dem südlichen Ermland und dem Oberland (Ermland-Masuren) umfasste der Regierungsbezirk 1905 eine Fläche von 11.711 km². Der Sitz des Regierungspräsidenten befand sich in Allenstein.

Nach dem Ersten Weltkrieg und dem Friedensvertrag von Versailles musste ein Teil des Kreises Neidenburg ohne Volksabstimmung an Polen abgetreten werden: Im Gebiet um Soldau lag die strategisch bedeutsame Bahnstrecke Warszawa–Gdańsk. Nach der Volksabstimmung am 11. Juli 1920 (siehe Abstimmungsgebiet Allenstein) wurden ferner die Grenzorte Groschlen, Klein Nappern und Klein Lobenstein im Kreis Osterode abgetreten. Die Fläche des Regierungsbezirks verringerte sich durch diese Gebietsverluste auf 11.520 km².

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Gebiet des Regierungsbezirks Allenstein unter polnische Verwaltung gestellt. Die deutsche Bevölkerung wurde anschließend auf der Grundlage der sogenannten Bierut-Dekrete weitgehend vertrieben.

Entwicklung der Einwohnerzahl

Regierungsbezirk Allenstein[4]
Jahr 1910 1925 1933 1939
Einwohner 518.682 540.287 552.541 568.024

Verwaltungsstruktur

Stadt- und Landkreise

Reg.Bez.
bis 1905
Stadt-/Landkreis Einwohner Fläche Bev.dichte Kommunen
Städte/Flecken/Gemeinden
Königsberg Stadtkreis Allenstein 050.396 53,13 km² 856,6 Einw/km² 1/0/0
Königsberg Kreis Allenstein 057.150 1302,58 km² 43,9 Einw/km² 1/0/130
Gumbinnen Kreis Johannisburg 053.089 1684,02 km² 31,5 Einw/km² 3/2/168
Gumbinnen Kreis Lötzen 050.012 897,38 km² 55,7 Einw/km² 2/1/87
Gumbinnen Kreis Lyck 056.417 1115,08 km² 50,6 Einw/km² 1/4/154
Königsberg Kreis Neidenburg 039.730 1146,11 km² 34,7 Einw/km² 1/2/110
Königsberg Kreis Ortelsburg 073.442 1702,84 km² 43,1 Einw/km² 3/5/156
Königsberg Kreis Osterode in Ostpreußen 081.513 1536,25 km² 53,1 Einw/km² 4/1/168
Königsberg Kreis Rößel 051.832 850,84 km² 60,9 Einw/km² 4/0/81
Gumbinnen Kreis Sensburg 054.443 1231,53 km² 44,2 Einw/km² 2/2/122
Gesamt 568.024 11519,76 km² 49,3 Einw/km² 22/17/1176

[5]

Regierungspräsidenten

Sprache

Für den Regierungsbezirk Allenstein stellte sich die sprachliche Situation nach der Volkszählung von 1910 in den einzelnen Kreisen folgendermaßen dar:[7]

Volkszählung 1910 Bevölkerung Deutsch Masurisch Polnisch Zweisprachig
Regierungsbezirk Allenstein 543.469 274.320 50,48% 175.016 32,20% 73.154 13,46% 19.532 3,59%
Allenstein Stadt 33.077 29.344 88,71% 99 0,30% 2.249 6,80% 1.325 4,01%
Allenstein Land 57.919 22.825 39,41% 520 0,90% 32.766 56,57% 1.782 3,08%
Johannisburg 51.399 16.379 31,87% 29.141 56,70% 4.203 8,18% 1.620 3,15%
Lötzen 41.209 26.352 63,95% 11.412 27,69% 1.595 3,87% 1.802 4,37%
Lyck 55.579 27.138 48,83% 19.407 34,92% 6.348 11,42% 2.590 4,66%
Neidenburg 59.416 20.871 35,13% 25.150 42,33% 10.462 17,61% 2.645 4,45%
Ortelsburg 69.935 20.218 28,91% 43.513 62,22% 3.390 4,85% 2.463 3,52%
Osterode 74.666 43.508 58,27% 26.695 35,75% 2.130 2,85% 2.279 3,05%
Rössel 50.472 43.189 85,57% 48 0,10% 6.512 12,90% 1,42 % 1,42%
Sensburg 50.097 24.496 48,90% 19.031 37,99% 3.499 6,98% 2.310 4,61%

Literatur

Commons: Regierungsbezirk Allenstein – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Germania, Zeitung für das deutsche Volk. 22. Juli 1884 (digitale-sammlungen.de [abgerufen am 6. Oktober 2024]).
  2. Statistisches Jahrbuch für das Deutsche Reich. Hg. vom Statistischen Reichsamt. Berlin 1928. S. 20.
  3. Etwa 7.000 Personen gaben an, nur Masurisch und 3.000 nur Polnisch zu sprechen.
  4. Statistische Jahrbücher für das Deutsche Reich. In: DigiZeitschriften. Abgerufen am 7. Dezember 2019.
  5. Heimatatlas für die Provinz Ostpreußen. Verlagsgruppe Weltbild, Augsburg 2007, ISBN 978-3-8289-0832-1.
  6. s. Abstimmungsgebiet Allenstein
  7. Jakob Spett: Nationalitätenkarte der östlichen Provinzen des Deutschen Reiches nach dem Ergebnissen der amtlichen Volkszählung vom Jahre 1910 entworfen von Ing. Jakob Spett. Justus Perthes, 1. Januar 1910 (bibliotekacyfrowa.pl [abgerufen am 14. März 2017]).