Das Relativistische Additionstheorem für Geschwindigkeiten besagt, wie die Geschwindigkeit
eines Objekts in einem bestimmten Bezugssystem zu bestimmen ist, wenn sich das Objekt mit einer Geschwindigkeit
gegenüber einem zweiten Bezugssystem bewegt, das sich selbst gegenüber dem ersten mit einer Geschwindigkeit
bewegt. Das Theorem kann aus der Lorentztransformation für gegeneinander bewegte Inertialsysteme hergeleitet werden.
In der klassischen Mechanik werden Geschwindigkeiten vektoriell addiert (
) und haben daher keine obere Schranke. Da aber nach der speziellen Relativitätstheorie die Geschwindigkeit eines Objekts die Lichtgeschwindigkeit
nicht überschreiten kann, können die klassischen Gleichungen nur eine Näherung sein. Unterschiede machen sich bemerkbar, wenn eine oder beide der zu addierenden Geschwindigkeiten nicht mehr vernachlässigbar klein gegenüber der Lichtgeschwindigkeit sind.
Das Relativistische Additionstheorem für Geschwindigkeiten ist durch Messungen bestätigt worden.
Definition
Ein Beobachter
bewege sich gegenüber dem Beobachter
mit der Geschwindigkeit
in Richtung der
-Achse. Für den Beobachter
bewege sich ein Körper mit der Geschwindigkeit u'
Dann hat dieser Körper für den Beobachter
die Geschwindigkeit
mit den Komponenten



mit

Koordinatenfrei ausgedrückt: Die resultierende Geschwindigkeit
ergibt sich, ausgehend von der galileischen einfachen Addition
der Geschwindigkeiten
und
, mit den folgenden Modifikationen:
- Die Geschwindigkeit
ist um den Faktor
kleiner.
- Die Komponenten der Geschwindigkeit
senkrecht zu
sind zusätzlich um den Faktor
kleiner.
Interpretation
Sind die beteiligten Geschwindigkeiten sehr klein gegenüber der Lichtgeschwindigkeit

so unterscheidet sich der Nenner (und auch der Term unter der Wurzel im Zähler) kaum von 1

und es ergibt sich in guter Näherung die klassische nichtrelativistische Geschwindigkeitsaddition:

Beispiel: In einem mit
fahrenden Zug
läuft eine Person mit
relativ zum Zug in Fahrtrichtung. Die von einem am Bahndamm stehenden Beobachter
gemessene Geschwindigkeit
der Person ist gerade mal um 0,17 nm/h langsamer als die bei einfacher Addition erhaltenen
. Zum Vergleich: Der Durchmesser eines Atoms liegt in der Größenordnung von 0,1 nm. Das heißt, der „Zugläufer“ kommt in der Stunde knapp zwei Atomdurchmesser weniger weit, als man es bei nichtrelativistischer Rechnung erwarten würde. Dies ist bei einer zurückgelegten Strecke von 205 km in den meisten Fällen vernachlässigbar, zumal das häufig übersehene Gesetz der gültigen Ziffern die Zahl der signifikanten Stellen begrenzt.
Für Geschwindigkeiten nahe der Lichtgeschwindigkeit ergeben sich jedoch deutliche Abweichungen von der nichtrelativistischen Additionsregel, vgl. die folgenden Beispiele.
Folgerungen
Als Folge des Additionstheorems kann auch durch Überlagerung zweier Geschwindigkeiten die Lichtgeschwindigkeit nicht übertroffen werden.
1. Beispiel
Es seien
und 
Dann ist

und nicht etwa 1,5c.
2. Beispiel
Ist die Geschwindigkeit
für den Beobachter
gleich der Lichtgeschwindigkeit, dann ist sie es auch für den Beobachter
Sind zum Beispiel

dann ergeben sich

Damit folgt

Herleitung
Um das Formelbild zu vereinfachen, werden alle Geschwindigkeiten als Vielfache der Lichtgeschwindigkeit in natürlichen Einheiten angegeben. Dann haben Zeit und Länge dieselbe Maßeinheit und die dimensionslose Lichtgeschwindigkeit beträgt
Aus der inversen Lorentz-Transformation (Ersatz von
durch -
)

folgt für die Differentiale, da die Transformation linear ist,

Daher folgt für die Geschwindigkeiten, die der Beobachter
ermittelt,



Aufgelöst nach den gestrichenen Variablen ergeben sich folgende Beziehungen:

Weblinks