Der Kehrwert (auch der reziproke Wert oder das Reziproke) einer von
verschiedenen Zahl
ist in der Arithmetik diejenige Zahl, die mit
multipliziert die Zahl
ergibt; er wird als
oder
notiert.
Eigenschaften
Kernaussagen
Je näher eine Zahl bei
liegt, desto weiter ist ihr Kehrwert von
entfernt. Die Zahl
selbst hat keinen Kehrwert und ist auch kein Kehrwert. Die durch
beschriebene Kehrwertfunktion (siehe Abbildung) hat dort eine Polstelle. Der Kehrwert einer positiven Zahl ist positiv, der Kehrwert einer negativen Zahl ist negativ. Dies findet seinen geometrischen Ausdruck darin, dass der Graph in zwei Hyperbeläste zerfällt, die im ersten bzw. dritten Quadranten liegen. Die Kehrwertfunktion ist eine Involution, d. h., der Kehrwert des Kehrwerts von
ist wieder
Ist eine Größe
umgekehrt proportional zu einer Größe
dann ist sie proportional zum Kehrwert von
Den Kehrbruch eines Bruches, also den Kehrwert eines Quotienten
mit
erhält man, indem man Zähler und Nenner vertauscht:

Daraus folgt die Rechenregel für das Dividieren durch einen Bruch: Durch einen Bruch wird dividiert, indem man mit seinem Kehrwert multipliziert. Siehe auch Bruchrechnung.
Den Kehrwert
einer natürlichen Zahl
nennt man einen Stammbruch.
Auch zu jeder von
verschiedenen komplexen Zahl
mit reellen Zahlen
gibt es einen Kehrwert
Mit dem Absolutbetrag
von
und der zu
konjugiert komplexen Zahl
gilt:

Summe aus Zahl und Kehrwert
Die Summe aus einer positiven reellen Zahl und ihrem Kehrwert beträgt mindestens
[1][2]

Beweisvariante 1 (Figur 1):

Beweisvariante 2 (Figur 2):

Beweisvariante 3 (Figur 3):
(nach dem Satz des Pythagoras)

Beweisvariante 4 (Figur 4):
- Nach dem Strahlensatz sind die Dreiecke
und
ähnlich. Es gilt
. Ohne Beschränkung der Allgemeinheit wird hier
vorausgesetzt.

Grafische Veranschaulichung der Beweisvarianten
Figur 1
Figur 2
Figur 3
Figur 4
Summe zweier Kehrwerte
Die Summe der Kehrwerte zweier positiver reeller Zahlen
und
mit der Summe
beträgt mindestens
:
für
.
Beweis:
Gemäß Figur 5 gilt:

,
was zu beweisen war.[3]
Summe aufeinanderfolgender Kehrwerte
Für jede natürliche Zahl
gilt
.
Den Beweis liefert die Abschätzung
.[4]
Beispiele
- Der Kehrwert von
ist wiederum
.
- Der Kehrwert von
ist
.
- Der Kehrwert von
ist
.
- Der Kehrwert des Bruches
ist
.
- Der Kehrwert der komplexen Zahl
ist
.
Verallgemeinerung
Eine Verallgemeinerung des Kehrwerts ist das multiplikativ Inverse
zu einer Einheit
eines unitären Ringes. Es ist ebenfalls durch die Eigenschaft
definiert, wobei
das Einselement des Ringes bezeichnet.
Wenn es sich z. B. um einen Ring von Matrizen handelt, so ist das Einselement nicht die Zahl
sondern die Einheitsmatrix. Matrizen, zu denen keine inverse Matrix existiert, heißen singulär.
Verwandte Themen
Literatur
Hintergrundwissen für Lehramtsstudenten zur Arithmetik:
- Friedhelm Padberg: Didaktik der Arithmetik. Für Lehrerausbildung und Lehrerfortbildung. 3. erweiterte völlig überarbeitete Auflage, Nachdruck. Spektrum Akademischer Verlag, München 2009, ISBN 978-3-8274-0993-5.
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Roger B. Nelsen: Beweise ohne Worte, Deutschsprachige Ausgabe herausgegeben von Nicola Oswald, Springer Spektrum, Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2016, ISBN 978-3-662-50330-0, Seite 145
- ↑ Roger B. Nelsen: Proof without Words: The Sum of a Positive Number and Its Reciprocal Is at Least Two (four proofs) Mathematics Magazine, vol. 67, no. 5 (Dec. 1994), S. 374
- ↑ Claudi Alsina, Roger B. Nelsen: Perlen der Mathematik - 20 geometrische Figuren als Ausgangspunkte für mathematische Erkundungsreisen, Springer Spektrum, Springer-Verlag GmbH Berlin 2015, ISBN 978-3-662-45460-2, Seiten 237 und 301
- ↑ Ross Honsberger: Gitter - Reste - Würfel Friedrich Vieweg & Sohn Verlagsgesellschaft mbH, Braunschweig 1984, ISBN 978-3-528-08476-9, S. 155