Seniorenweltmeisterschaft im Schach

Die Schachweltmeisterschaft der Senioren ist ein seit 1991 jährlich von der FIDE veranstaltetes Turnier. Es findet ein offenes Turnier (für beide Geschlechter) und ein Frauenturnier statt. Seit 2014 gibt es zwei Altersklassen. Der Seniorenweltmeister erhält den Titel „Großmeister“ bzw. „Weiblicher Großmeister“, sofern er ihn schon nicht hat.

Geschichte

Die ersten Schachweltmeisterschaft der Senioren fand 1991 in Bad Wörishofen statt.[1] Von den ersten neun Seniorenweltmeisterschaften fanden allein sieben in Deutschland statt und wurden von Reinhold Hoffmann (ChessOrg) organisiert. Er hatte den Wettbewerb ins Leben gerufen und ihm ist auch zu verdanken ist, dass der Seniorenweltmeister den Titel Großmeister bekommt.

Im Jahre 1997 erhielt Reinhold Hoffmann von Egon Ditt, dem damaligen Präsidenten des Deutschen Schachbundes, in Anerkennung seiner Verdienste um das Seniorenschach den Ehrenteller des Deutschen Schachbundes überreicht. 1998 wurde er mit der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes geehrt. Im Juli 2006 erlag er einer schweren Krankheit.[2]

Ältester Sieger (noch vor der Trennung in zwei Altersklassen) war Viktor Kortschnoi, der 2006 im Alter von 75 Jahren den Titel errang.

Modus

Wie bei anderen Titelwettbewerben im Schach (Schachweltmeisterschaft, Schacholympiade, …) gibt es ein offenes Turnier für beide Geschlechter (an dem fast nur Männer teilnehmen) und ein reines Frauenturnier. Wenn die Zahl der Anmeldungen für ein separates Frauenturnier nicht reicht (wie bei der ersten WM im Jahr 1991), wird diese Trennung nicht vorgenommen; die beste Frau im gemeinsamen Turnier wird dann Weltmeisterin der Frauen. Analog wird bei den beiden Altersgruppen vorgegangen: Wenn nicht genügend Teilnehmer für beide Gruppen gemeldet sind (was beim Frauenturnier vorgekommen ist), spielten alle Jahrgänge ein gemeinsames Turnier und die besten jeder Altersgruppe gewinnen den Titel.[3]

Bis zum Jahr 2013 war das Mindestalter 60 Jahre bei den Männern und 50 Jahre bei den Frauen (Stichtag 1. Januar des Spieljahres). Seit 2014 beträgt das Mindestalter 50 Jahre, außerdem wird eine weitere Weltmeisterschaft mit dem Mindestalter von 65 Jahren ausgetragen.[4] Die Senioren-Weltmeisterschaft wird als offenes Turnier mit 11 Runden nach Schweizer System ausgetragen. Mit dem Titelgewinn ist seit 1997 bei den Männern die Verleihung des Großmeistertitels verbunden.[5][6] Die Siegerin bei den Frauen erhält den Titel Woman Grand Master („Großmeisterin der Frauen“).[7]

Siegerliste

Jahr Spielort Weltmeister Weltmeisterin
1991 Deutschland Bad Wörishofen Russland 1991 Wassili Smyslow Ungarn Éva Karakas
1992 Deutschland Bad Wörishofen Russland 1991 Efim Geller Ungarn Éva Karakas
1993 Deutschland Bad Wildbad Russland 1991 Mark Taimanow Russland 1991 Tatjana Satulowskaja
1994 Schweiz Biel/Bienne Russland Mark Taimanow Ungarn Éva Karakas
1995 Deutschland Bad Liebenzell Russland Jewgeni Wassjukow Georgien 1990 Nona Gaprindaschwili
1996 Deutschland Bad Liebenzell Russland Alexei Suetin Russland Walentina Koslowskaja
1997 Deutschland Bad Wildbad Lettland Jānis Klovāns Russland Tatjana Satulowskaja
1998 Osterreich Grieskirchen Lettland Wladimir Bagirow Georgien 1990 Tamar Chmiadaschwili
1999 Deutschland Gladenbach Lettland Jānis Klovāns Georgien 1990 Tamar Chmiadaschwili
2000 Polen Rowy Russland Oleg Tschernikow Russland Jelena Fatalibekowa
2001 Italien Arco Lettland Jānis Klovāns Russland Jelena Fatalibekowa
2002 Deutschland Naumburg (Saale) Lettland Juzefs Petkēvičs Ukraine Marta Litinskaja
2003 Deutschland Bad Zwischenahn Russland Juri Schabanow Georgien 1990 Tamar Chmiadaschwili
2004 Deutschland Halle (Saale) Russland Juri Schabanow Russland Jelena Fatalibekowa
2005 Italien Lignano Sabbiadoro Bulgarien Ljuben Spassow Russland Ljudmila Saunina
2006 Italien Arvier Schweiz Viktor Kortschnoi Russland Ljudmila Saunina
2007 Osterreich Gmunden Litauen Algimantas Butnorius Polen Hanna Ereńska-Barlo
2008 Deutschland Bad Zwischenahn Vereinigte Staaten Larry Kaufman und
Rumänien Mihai Șubă
Lettland Tamāra Vilerte
2009 Italien Condino Kroatien Mišo Cebalo Georgien Nona Gaprindaschwili
2010 Italien Arco Frankreich Anatoli Waisser Georgien Tamar Chmiadaschwili
2011 Kroatien Rijeka Frankreich Vladimir Okhotnik Russland Galina Strutinskaja
2012 Griechenland Kamena Vourla Danemark Jens Kristiansen Russland Galina Strutinskaja
2013 Kroatien Opatija Frankreich Anatoli Waisser Kasachstan Jelena Ankudinowa
2014 Griechenland Katerini Georgien Surab Sturua (50+)
Frankreich Anatoli Waisser (65+)
Russland Swetlana Mednikowa (50+)
Georgien Nona Gaprindaschwili (65+)
2015 Italien Acqui Terme Bosnien und Herzegowina Predrag Nikolić (50+)
Frankreich Vladimir Okhotnik (65+)
Russland Galina Strutinskaja (50+)
Georgien Nona Gaprindaschwili (65+)
2016 Tschechien Marienbad Georgien Giorgi Bagaturow (50+)
Frankreich Anatoli Waisser (65+)
Russland Tatjana Bogumil (50+)
Georgien Nona Gaprindaschwili (65+)
2017 Italien Acqui Terme Peru Julio Ernesto Granda Zúñiga (50+)
Russland Jewgeni Sweschnikow (65+)
Luxemburg Elvira Berend (50+)
Georgien Tamar Chmiadaschwili (65+)
2018 Slowenien Bled Armenien Karen Movsesjan (50+)
Tschechien Vlastimil Jansa (65+)
Luxemburg Elvira Berend (50+)
Georgien Nona Gaprindaschwili (65+)
2019 Rumänien Bukarest Ukraine Wadym Schyschkin (50+)
Armenien Rafael Vaganian (65+)
Luxemburg Elvira Berend (50+)
Georgien Nona Gaprindaschwili (65+)
2022 Italien Assisi Georgien Surab Sturua (50+)
England John Nunn (65+)
Luxemburg Elvira Berend (50+)
Georgien Nona Gaprindaschwili (65+)
2023 Italien Terrasini England Michael Adams (50+)
England John Nunn (65+)
Spanien Mónica Calzetta Ruiz (50+)
FIDE Galina Strutinskaja (65+)
2024 Portugal Porto Santo Vereinigte Staaten Alexander Shabalov (50+)
Deutschland Rainer Knaak (65+)
Israel Masha Klinova (50+)
Deutschland Brigitte Burchardt (65+)

Siehe auch

Commons: Seniorenweltmeisterschaft im Schach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen

Einzelnachweise

  1. Start der Einzel-Seniorenweltmeisterschaft, chessbase, 25. Oktober 2023, Zugriff am 4. Februar 2025
  2. Reinhold Hoffmann ist tot, 26. Juli 2006 ein Nachruf von Herbert Bastian
  3. Rainer Knaak und Brigitte Burchardt sind Seniorenweltmeister, chessbase, 29. November 2024, Zugriff am 4. Februar 2025
  4. Ausschreibung der Seniorenweltmeisterschaft 2014 bei der FIDE (englisch, PDF-Datei; 295 kB)
  5. Seniorenweltmeisterschaft 1997 auf TeleSchach
  6. Bericht von Egon Ditt (DSB-Präsident) zum 68. FIDE Kongress (2.–10. September 1997 in Kischinjow).
  7. D.VIII.01. World Senior (Women) Championship aus FIDE handbook (englisch).