Der lemniskatische Sinus (lateinisch Sinus lemniscatus) und der lemniskatische Kosinus (lateinisch Cosinus lemniscatus), abgekürzt mit
und
oder
und
, sind zwei spezielle, von Carl Friedrich Gauß eingeführte mathematische Funktionen. Sie haben für die Lemniskate von Bernoulli die entsprechende Bedeutung wie die Sinus- und die Kosinusfunktion für den Kreis.
Die Funktionen
und
lassen sich zu meromorphen Funktionen in
(Menge der komplexen Zahlen) fortsetzen. Sie erfüllen die Periodizitätseigenschaften

wobei
die lemniskatische Konstante ist, und gehören daher (als historisch erste Beispiele) zu den elliptischen Funktionen.
Der lemniskatische Kosinus kann direkt vom lemniskatischen Sinus abgeleitet werden. Verschiebt man nämlich den Graphen der Funktion
um
nach links, so entsteht der Graph von
.
Geschichte
Der 19-jährige Gauß beschäftigte sich 1796 (in erst nach seinem Tod veröffentlichten Notizen) mit der Frage, wie man aus einer gegebenen Bogenlänge
einer Lemniskate den Abstand
des entsprechenden Punktes auf der Kurve vom Koordinatenursprung
berechnen kann. Mathematisch führt das auf die Umkehrfunktion
des elliptischen Integrals

Beweis:
Für den ersten und dritten Quadranten kann die Lemniskate von Bernoulli auf folgende Weise parametrisiert werden:
x und y als Koordinaten eines Punktes auf der Kurve im Abstand r vom Ursprung (Pythagoras) erfüllen die Lemniskatengleichung. Aus diesen zwei Gleichungen ergeben sich
und 
Für die Berechnung der vom Ursprung ausgehenden Kurvenlänge s wird der Pythagoras der ersten Ableitungen von x und y gebildet und dieser integriert:
![{\displaystyle s(r)=\int _{0}^{r}{\sqrt {\left[{\frac {\mathrm {d} }{\mathrm {d} r}}x(r)(r=\rho )\right]^{2}+\left[{\frac {\mathrm {d} }{\mathrm {d} r}}y(r)(r=\rho )\right]^{2}}}\mathrm {d} \rho =}](./d5fb508aa089a8396fb189536ad6dcc9da9a033b.svg)
![{\displaystyle =\int _{0}^{r}{\sqrt {\left[{\frac {\mathrm {d} }{\mathrm {d} \rho }}\rho {\sqrt {1+\rho ^{2}}}/{\sqrt {2}}\right]^{2}+\left[{\frac {\mathrm {d} }{\mathrm {d} \rho }}\rho {\sqrt {1-\rho ^{2}}}/{\sqrt {2}}\right]^{2}}}\mathrm {d} \rho =}](./2fb86ceeaaba5299a69ab89a5d4b4d0ab8a21d4b.svg)

Gauß nannte diese Umkehrfunktion Sinus lemniscatus und bezeichnete sie mit
, also

Entsprechend definierte er den Cosinus lemniscatus
, wobei
die Länge des Halbbogens der Lemniskate ist, also
(Folge A062539 in OEIS)
Gauß ließ sich bei diesen Bezeichnungen von der Analogie zu den Kreisfunktionen leiten, denn der Sinus ist die Umkehrfunktion des Integrals

also
und
. Seine weitere entscheidende Idee war es nun, die Funktionen
und
nicht nur für reelle Zahlen zu definieren, sondern sie ins Komplexe fortzusetzen. Er bewies dann die Periodizitätsrelationen

Im Gegensatz zum Sinus hat also der lemniskatische Sinus
zwei Perioden
und
, ebenso die Funktion
. Die lemniskatischen Funktionen sind also elliptisch. Carl Gustav Jacobi führte um 1830 die jacobischen elliptischen Funktionen ein und verallgemeinerte damit die beiden lemniskatischen Funktionen. Diese lassen sich auf folgende Weise durch die Jacobi-Funktionen mit dem Modul λ*(1) = 1/sqrt(2) ausdrücken:
und 
Somit sind der lemniskatische Sinus und der lemniskatische Cosinus auch über die Thetafunktionen auf folgende Weise[1] definierbar:
und 
Definitionen
Die lemniskatischen Funktionen
und
können definiert werden als die Lösung des Anfangswertproblems

Äquivalent dazu ist die Definition als Umkehrfunktion zu einem elliptischen Integral:

Eine weitere Möglichkeit ist die Definition als Schwarz-Christoffel-Transformation von der Einheitskreisscheibe der komplexen Zahlenebene auf das Quadrat mit den Ecken
.[2] Die Funktionen können durch analytische Fortsetzung bzw. wiederholte Spiegelungen auf die gesamte Zahlenebene fortgesetzt werden.
Zum Vergleich die entsprechenden Definitionsmöglichkeiten für die Sinus- und die Kosinusfunktion:


- Schwarz-Christoffel-Transformation der oberen Halbebene auf den Streifen mit Realteil zwischen
und
und positivem Imaginärteil
Nullstellen, Pole und Symmetrieeigenschaften
Die lemniskatische Funktion
ist eine gerade Funktion, dagegen ist
eine ungerade Funktion.

Bei einer Translation um
werden
und
vertauscht. Eine Translation um
entspricht einer Vertauschung der Funktionen, verbunden mit einer Rotation um
und dem Übergang zum Kehrwert.

Durch zweifache Anwendung einer solchen Translation, also durch eine Translation um
bzw.
, erhält man jeweils die negierte Funktion. Es handelt sich also um Involutionen.

Insgesamt sind die beiden Funktionen invariant unter einer Translation um das Produkt einer geraden gaußschen Zahl mit
. Bei einer Verschiebung um
mit
für ganze Zahlen
,
und
bleiben die Funktionswerte also unverändert.

Dies macht die beiden Funktionen zu elliptischen Funktionen (doppelt periodisch und meromorph in der komplexen Zahlenebene) mit einem diagonal quadratischen Periodengitter, dessen Perioden
und
sind. Elliptische Funktionen mit einem quadratischen Periodengitter weisen ein höheres Maß an Symmetrie auf als beliebige elliptische Funktionen, entsprechend den Symmetrieeigenschaften des Quadrats.
Für Spiegelungen und Vierteldrehungen der Argumente einer lemniskatischen Funktion gibt es einfache Rechenausdrücke:

Die Funktion
hat einfache Nullstellen bei den Produkten von gaußschen Zahlen mit
, also bei komplexen Zahlen der Form
mit ganzzahligem
und
. Sie hat einfache Pole bei komplexen Zahlen der Form
. Die zugehörigen Residuen sind
. Die Funktion
ergibt sich durch Spiegelung und Verschiebung aus der Funktion
, denn es gilt
. Die
-Funktion hat Nullstellen für die Argumente
und Pole für die Argumente
mit den Residuen
Die Aussage
trifft genau dann zu, wenn
für geeignete
gilt.
Algebraische Beziehungen
Folgende algebraische Beziehung gilt für die lemniskatischen Funktionen:
![{\displaystyle [1+\operatorname {sl} (x)^{2}]\cdot [1+\operatorname {cl} (x)^{2}]=2}](./25bedbe8bc3cb82798417e7475131c227316f184.svg)
Die Additionstheoreme für die lemniskatischen Funktionen lauten wie folgt:


Alternative Darstellungen für die Additionstheoreme:


Dabei ist die Ableitungsfunktion
(siehe unten) gegeben durch
.
Darstellung über den Arkustangens:
![{\displaystyle \arctan[\operatorname {sl} (a+b)]=\arctan[\operatorname {sl} (a)\cdot \operatorname {cl} (b)]+\arctan[\operatorname {cl} (a)\cdot \operatorname {sl} (b)]}](./611b127f1a23968766906a7dc8c14da85f2d5d80.svg)
![{\displaystyle \arctan[\operatorname {cl} (a+b)]=\arctan[\operatorname {cl} (a)\cdot \operatorname {cl} (b)]-\arctan[\operatorname {sl} (a)\cdot \operatorname {sl} (b)]}](./ff480ed1b05a16f17884dc9627a976d670417978.svg)
Für die Verdopplung gelten diese Formeln:


Dementsprechend gelten folgende Formeln für die Halbierung:


Für die Verdreifachung gilt Folgendes:

Diese alternativen Darstellungen ermöglichen eine Umkehrung durch Lösen kubischer Gleichungen:
![{\displaystyle \operatorname {sl} (3x)={\frac {{\sqrt[{4}]{27}}({\sqrt {3}}+1)y-{\sqrt {2}}y^{3}}{{\sqrt {2}}+{\sqrt[{4}]{27}}({\sqrt {3}}+1)y^{2}}}\left[y={\frac {{\sqrt[{4}]{3}}({\sqrt {3}}-1)\operatorname {sl} (x)+{\sqrt {2}}\operatorname {sl} (x)^{3}}{{\sqrt {2}}-{\sqrt[{4}]{3}}({\sqrt {3}}-1)\operatorname {sl} (x)^{2}}}\right]}](./b691fe9318c20d68d6a99a3294c57e5d77ac492d.svg)
![{\displaystyle \operatorname {sl} (3x)={\frac {{\sqrt[{4}]{27}}({\sqrt {3}}+1)z+{\sqrt {2}}z^{3}}{{\sqrt {2}}-{\sqrt[{4}]{27}}({\sqrt {3}}+1)z^{2}}}\left[z={\frac {{\sqrt[{4}]{3}}({\sqrt {3}}-1)\operatorname {sl} (x)-{\sqrt {2}}\operatorname {sl} (x)^{3}}{{\sqrt {2}}+{\sqrt[{4}]{3}}({\sqrt {3}}-1)\operatorname {sl} (x)^{2}}}\right]}](./be4ade87163d1495f8510f49237e9b7f07702c88.svg)
Der Cosinus Lemniscatus ergibt sich als negatives Analogon zum Sinus Lemniscatus:

Ableitungen
Die lemniskatischen Funktionen haben folgende Ableitungen:
![{\displaystyle {\frac {\mathrm {d} }{\mathrm {d} x}}\operatorname {sl} (x)=\operatorname {cl} (x)\cdot [1+\operatorname {sl} (x)^{2}]}](./d67993f8ba30769274bd9f2f73cdc1d5e2aef90c.svg)
![{\displaystyle {\frac {\mathrm {d} }{\mathrm {d} x}}\operatorname {cl} (x)=-\operatorname {sl} (x)\cdot [1+\operatorname {cl} (x)^{2}]}](./23833447f1b08c929192c159ead2b7fb3289aa14.svg)
Daraus folgt die Tatsache, dass die zweite Ableitung das negative doppelte vom Kubus ist.


Über die Formeln der Ableitungen lassen sich ebenso die Stammfunktionen von Sinus Lemniscatus und Cosinus lemniscatus ermitteln.
![{\displaystyle \operatorname {cl} (x)={\frac {\mathrm {d} }{\mathrm {d} x}}\arctan[\operatorname {sl} (x)]}](./12bfb1cc6596f3e2f46410b59c1a76de6896fe9f.svg)
![{\displaystyle \operatorname {sl} (x)=-{\frac {\mathrm {d} }{\mathrm {d} x}}\arctan[\operatorname {cl} (x)]}](./c1a3563e776a88cce215f9b6c311b4c0dc9bac4e.svg)
Spezielle Werte
Einzelne Funktionswerte für die lemniskatischen Funktionen:



![{\displaystyle \operatorname {sl} \left({\frac {\varpi }{6}}\right)={\frac {1}{2}}\cdot \left({\sqrt {3}}+1-{\sqrt[{4}]{12}}\right)=\operatorname {cl} \left({\frac {\varpi }{3}}\right)}](./e4567e492022fcf047833fe6277d72d13296bcdb.svg)
![{\displaystyle \operatorname {sl} \left({\frac {\varpi }{3}}\right)={\frac {\sqrt[{8}]{3}}{\sqrt[{4}]{2}}}\cdot {\sqrt {{\sqrt {3}}-1}}=\operatorname {cl} \left({\frac {\varpi }{6}}\right)}](./c75e22fbb228f468a3e09f2bad5de2cf37b23457.svg)
![{\displaystyle \operatorname {sl} \left({\frac {\varpi }{8}}\right)={\sqrt {\left({\sqrt[{4}]{2}}-1\right)\cdot \left({\sqrt {2}}+1-{\sqrt {2+{\sqrt {2}}}}\right)}}=\operatorname {cl} \left({\frac {3\cdot \varpi }{8}}\right)}](./8a0d34e79706a402b6b0e40feed9629a43f1ae86.svg)
![{\displaystyle \operatorname {sl} \left({\frac {3\cdot \varpi }{8}}\right)={\sqrt {\left({\sqrt[{4}]{2}}-1\right)\cdot \left({\sqrt {2}}+1+{\sqrt {2+{\sqrt {2}}}}\right)}}=\operatorname {cl} \left({\frac {\varpi }{8}}\right)}](./07c211e5e6713e243e9ed1366386d0d8b9e06b5b.svg)
![{\displaystyle \operatorname {sl} \left({\frac {\varpi }{5}}\right)={\frac {1}{2\cdot {\sqrt[{4}]{2}}}}\cdot ({\sqrt {5}}-1)\cdot {\sqrt {{\sqrt[{4}]{20}}-{\sqrt {{\sqrt {5}}-1}}}}=\operatorname {cl} \left({\frac {3\cdot \varpi }{10}}\right)}](./86657cb32824b96e71cbed628455658ed04f4a7d.svg)
![{\displaystyle \operatorname {sl} \left({\frac {2\cdot \varpi }{5}}\right)={\frac {1}{2\cdot {\sqrt[{4}]{2}}}}\cdot ({\sqrt {5}}-1)\cdot {\sqrt {{\sqrt[{4}]{20}}+{\sqrt {{\sqrt {5}}-1}}}}=\operatorname {cl} \left({\frac {\varpi }{10}}\right)}](./350ae080f58713ac7beb65c26a17cec253cb713c.svg)
![{\displaystyle \operatorname {sl} \left({\frac {\varpi }{10}}\right)={\frac {1}{2}}\cdot \left({\sqrt[{4}]{5}}-1\right)\cdot \left({\sqrt {{\sqrt {5}}+2}}-1\right)=\operatorname {cl} \left({\frac {2\cdot \varpi }{5}}\right)}](./0b5d827ddb42c56eb51d6b0b93dd558fd96e3725.svg)
![{\displaystyle \operatorname {sl} \left({\frac {3\cdot \varpi }{10}}\right)={\frac {1}{2}}\cdot \left({\sqrt[{4}]{5}}-1\right)\cdot \left({\sqrt {{\sqrt {5}}+2}}+1\right)=\operatorname {cl} \left({\frac {\varpi }{5}}\right)}](./27bf6584ff8e8df753e156ecb8d6d068adcddc86.svg)
Weitere lemniskatische Funktionswerte in trigonometrischer Darstellung:
![{\displaystyle \operatorname {sl} {\bigl (}{\tfrac {1}{12}}\varpi {\bigr )}={\tfrac {1}{2}}{\sqrt[{4}]{8}}\left[\sin \left({\tfrac {5}{24}}\pi \right)-{\sqrt[{4}]{3}}\sin \left({\tfrac {1}{24}}\pi \right)\right]\left({\sqrt[{4}]{2{\sqrt {3}}+3}}-1\right)=\operatorname {cl} {\bigl (}{\tfrac {5}{12}}\varpi {\bigr )}}](./9657d3fe04afc2b531958a8a8adb756471d857ff.svg)
![{\displaystyle \operatorname {sl} {\bigl (}{\tfrac {5}{12}}\varpi {\bigr )}={\tfrac {1}{2}}{\sqrt[{4}]{8}}\left[\sin \left({\tfrac {5}{24}}\pi \right)-{\sqrt[{4}]{3}}\sin \left({\tfrac {1}{24}}\pi \right)\right]\left({\sqrt[{4}]{2{\sqrt {3}}+3}}+1\right)=\operatorname {cl} {\bigl (}{\tfrac {1}{12}}\varpi {\bigr )}}](./7a656c9dfd0f204677aea8f3cd6668ef1b069fe4.svg)
![{\displaystyle \operatorname {sl} {\bigl (}{\tfrac {1}{14}}\varpi {\bigr )}=\tanh {\bigl \{}{\tfrac {1}{2}}\operatorname {arcoth} {\bigl [}{\tfrac {1}{2}}{\sqrt {2\cos({\tfrac {3}{14}}\pi )\cot({\tfrac {1}{28}}\pi )}}+\cos({\tfrac {1}{7}}\pi ){\bigr ]}{\bigr \}}=\operatorname {cl} {\bigl (}{\tfrac {3}{7}}\varpi {\bigr )}}](./29750d5d5b02c43a92f9f11906016353d0f981b3.svg)
![{\displaystyle \operatorname {sl} {\bigl (}{\tfrac {3}{14}}\varpi {\bigr )}=\tanh {\bigl \{}{\tfrac {1}{2}}\operatorname {arcoth} {\bigl [}{\tfrac {1}{2}}{\sqrt {2\cos({\tfrac {1}{14}}\pi )\tan({\tfrac {5}{28}}\pi )}}+\sin({\tfrac {3}{14}}\pi ){\bigr ]}{\bigr \}}=\operatorname {cl} {\bigl (}{\tfrac {2}{7}}\varpi {\bigr )}}](./d0cf31de1efc5ae59e952900560e134b97bcfa1a.svg)
![{\displaystyle \operatorname {sl} {\bigl (}{\tfrac {5}{14}}\varpi {\bigr )}=\tanh {\bigl \{}{\tfrac {1}{2}}\operatorname {arcoth} {\bigl [}{\tfrac {1}{2}}{\sqrt {2\sin({\tfrac {1}{7}}\pi )\cot({\tfrac {3}{28}}\pi )}}+\sin({\tfrac {1}{14}}\pi ){\bigr ]}{\bigr \}}=\operatorname {cl} {\bigl (}{\tfrac {1}{7}}\varpi {\bigr )}}](./80f6d75d10360b413779018571943e624276dfa0.svg)
Reihenentwicklungen
Produktreihen nach Whittaker und Watson
Folgende Produktreihen für die lemniskatischen Funktionen konvergieren schnell:
![{\displaystyle \operatorname {sl} (x)=2\exp \left(-{\tfrac {1}{4}}\pi \right)\sin(\pi x/\varpi )\prod _{k=1}^{\infty }{\frac {1-2\cos(2\pi x/\varpi )\exp(-2k\pi )+\exp(-4k\pi )}{1+2\cos(2\pi x/\varpi )\exp[-(2k-1)\pi ]+\exp[-(4k-2)\pi ]}}}](./a897cb10453fcf68d44c7115541aa1304a265d26.svg)
![{\displaystyle \operatorname {cl} (x)=2\exp \left(-{\tfrac {1}{4}}\pi \right)\cos(\pi x/\varpi )\prod _{k=1}^{\infty }{\frac {1+2\cos(2\pi x/\varpi )\exp(-2k\pi )+\exp(-4k\pi )}{1-2\cos(2\pi x/\varpi )\exp[-(2k-1)\pi ]+\exp[-(4k-2)\pi ]}}}](./edbce9c95b4012cd7789d749bff8f841e101b737.svg)
Auf den Forschungsresultaten Edmund Taylor Whittaker und George Neville Watson[4][5][6] basieren die nun genannten Produktreihen.
Trigonometrisch Hyperbolische Summenreihen
Diese Summen stellen schnell konvergierende Reihen zur numerischen Berechnung des lemniskatischen Sinus und Cosinus dar:[7]
![{\displaystyle \operatorname {sl} (x)={\frac {4\pi }{\varpi }}\sin \left({\frac {\pi x}{\varpi }}\right)\sum _{k=0}^{\infty }{\frac {(-1)^{k}\sinh[(k+1/2)\pi ]}{\cosh[(2k+1)\pi ]+\cos \left(2\pi x/\varpi \right)}},}](./59eac2fa576e6c2c92661ab3e9f09756e0dfb202.svg)
![{\displaystyle \operatorname {cl} (x)={\frac {4\pi }{\varpi }}\cos \left({\frac {\pi x}{\varpi }}\right)\sum _{k=0}^{\infty }{\frac {(-1)^{k}\sinh[(k+1/2)\pi ]}{\cosh[(2k+1)\pi ]-\cos(2\pi x/\varpi )}},}](./fc4e0f9abe55943ff9b80b09323654b7c4fa58c9.svg)
Hierbei verläuft die Präzision der Annäherung mit endlichem oberen Index
wie
und somit linear.
Beide Reihen zeigen deutlich den Zusammenhang mit den Kreisfunktionen, indem die nach der lemniskatischen Form ausgestreckten Kreisfunktionen als Summanden in den genannten Differenzen gezeigt werden.
Basierend auf der Summendefinition der Jacobischen Zetafunktion können diese nicht alternierenden Summen aufgestellt werden:
![{\displaystyle \tan \left\{{\frac {1}{2}}\arctan {\bigl [}\operatorname {sl} (x){\bigr ]}\right\}={\frac {4\pi }{\varpi }}\sin(\pi x/\varpi )\sum _{k=1}^{\infty }{\frac {\cosh[(2k-1)\pi ]}{\cosh[(2k-1)\pi ]^{2}-\cos(\pi x/\varpi )^{2}}}}](./fe62df0f57e4d6a3d839f6496abbf709605c3dd2.svg)
![{\displaystyle \tan \left\{{\frac {1}{2}}\arctan {\bigl [}\operatorname {cl} (x){\bigr ]}\right\}={\frac {4\pi }{\varpi }}\cos(\pi x/\varpi )\sum _{k=1}^{\infty }{\frac {\cosh[(2k-1)\pi ]}{\cosh[(2k-1)\pi ]^{2}-\sin(\pi x/\varpi )^{2}}}}](./de3ea53c3c97f4abebf74abfdc25763b11f3ba3b.svg)
Zusatzinformation:
Die Tangenshalbierungen von Sinus lemniscatus und Cosinus lemniscatus führen zu den Jacobi-Funktionen mit dem Modul λ*(4):
![{\displaystyle \tan \left\{{\frac {1}{2}}\arctan {\bigl [}\operatorname {sl} (x){\bigr ]}\right\}=({\sqrt {2}}-1)\operatorname {sn} \left[{\tfrac {1}{2}}({\sqrt {2}}+1)x;({\sqrt {2}}-1)^{2}\right]}](./40d225e69b31192041d9249156b8fc780474f6bf.svg)
![{\displaystyle \tan \left\{{\frac {1}{2}}\arctan {\bigl [}\operatorname {cl} (x){\bigr ]}\right\}=({\sqrt {2}}-1)\operatorname {cd} \left[{\tfrac {1}{2}}({\sqrt {2}}+1)x;({\sqrt {2}}-1)^{2}\right]}](./0c779b4fce5f7b84fe7d82780bef94d5ecccd690.svg)
Rein Hyperbolische Summenreihen
Weitere Reihendarstellungen über alternierende Summen des Secans hyperbolicus lauten so:
![{\displaystyle {\frac {\varpi }{\pi }}\operatorname {cl} (\varpi x)=\sum _{k=-\infty }^{\infty }(-1)^{k}\operatorname {sech} [\pi (k+x)]}](./31d9023c0cf7edeffdc9e5e077751b022dd02d07.svg)
![{\displaystyle {\frac {\varpi }{\pi }}\operatorname {sl} (\varpi x)=\sum _{k=-\infty }^{\infty }(-1)^{k}\operatorname {sech} [\pi (k-{\frac {1}{2}}+x)]}](./924341f927e4bc7ab354814eff730a7e449d3c75.svg)
Definition mit der Ramanujanschen Thetafunktion
Die Ramanujansche Thetafunktion hat diese Definition:

Der korrespondierende Ausdruck aus einer Summe mit dem Index Eins lautet demnach so:

So können darauf basierend folgende Identitäten hervorgebracht werden:
![{\displaystyle 1+\tan {\biggl \{}{\frac {1}{8}}\pi -{\frac {1}{2}}\arctan {\bigl [}\mathrm {sl} (x){\bigr ]}{\biggr \}}={\sqrt {2}}\exp {\bigl (}-{\frac {x}{G}}{\bigr )}\,{\frac {\vartheta _{R}{\bigl [}\exp(x\div G-{\tfrac {1}{2}}\pi );\exp(-x\div G-{\tfrac {3}{2}}\pi ){\bigr ]}^{2}}{\vartheta _{R}{\bigl [}\exp(x\div G-{\tfrac {3}{2}}\pi );\exp(-x\div G-{\tfrac {1}{2}}\pi ){\bigr ]}^{2}}}}](./254d3ea11bff41778397bdd632574190a1614b7a.svg)
![{\displaystyle 1+\tan {\biggl \{}{\frac {1}{8}}\pi -{\frac {1}{2}}\arctan {\bigl [}\mathrm {cl} (x){\bigr ]}{\biggr \}}={\sqrt {2}}\exp {\bigl (}{\frac {x}{G}}-{\frac {\pi }{2}}{\bigr )}\,{\frac {\vartheta _{R}{\bigl [}\exp(-x\div G);\exp(x\div G-2\pi ){\bigr ]}^{2}}{\vartheta _{R}{\bigl [}\exp(-x\div G-\pi );\exp(x\div G-\pi ){\bigr ]}^{2}}}}](./ea48b4dbbba88a86f79781d152b87df400b0df3a.svg)
Noch viel schneller als die Reihen der vorherigen Abschnitte konvergieren somit folgende zwei Reihen für die lemniskatischen Funktionen, welche sich direkt aus den Formeln mit der Ramanujanschen Thetafunktion herleiten lassen:
![{\displaystyle 1+\tan \left\{{\frac {1}{8}}\pi -{\frac {1}{2}}\arctan {\bigl [}\operatorname {sl} (x){\bigr ]}\right\}={\sqrt {2}}\,\left\{\sum _{k=-\infty }^{\infty }\exp \left[-\pi \left(k+{\frac {1}{4}}+{\frac {x}{2\varpi }}\right)^{2}\right]\right\}^{2}\left\{\sum _{k=-\infty }^{\infty }\exp \left[-\pi \left(k-{\frac {1}{4}}+{\frac {x}{2\varpi }}\right)^{2}\right]\right\}^{-2}}](./830801a2e6fff14e8c2eda81311eaa1b6e838ac2.svg)
![{\displaystyle 1+\tan \left\{{\frac {1}{8}}\pi -{\frac {1}{2}}\arctan {\bigl [}\operatorname {cl} (x){\bigr ]}\right\}={\sqrt {2}}\,\left\{\sum _{k=-\infty }^{\infty }\exp \left[-\pi \left(k+{\frac {1}{2}}+{\frac {x}{2\varpi }}\right)^{2}\right]\right\}^{2}\left\{\sum _{k=-\infty }^{\infty }\exp \left[-\pi \left(k+{\frac {x}{2\varpi }}\right)^{2}\right]\right\}^{-2}}](./20fd40b6c87955f8318ac0309308ee56f83c4cfb.svg)
Elliptische Lambdafunktion
Diejenigen elliptischen Module, welche die Lambda-Stern-Funktionswerte von den Doppelten der ungeraden natürlichen Zahlen[8] sind, können vereinfacht mit dem Halbierungstheorem als Sinus-Lemniscatus-Quadrat dargestellt werden:
Weitere Werte:
![{\displaystyle \lambda ^{*}(14)=\operatorname {sl} \left\{{\tfrac {1}{2}}\operatorname {arcsl} \left[(8{\sqrt {2}}+11)^{-1/2}\right]\right\}^{2}}](./a6a6a983f1e806472fd3648ea88d191f685f930e.svg)
![{\displaystyle \lambda ^{*}(26)=\operatorname {sl} \left\{{\tfrac {1}{2}}\operatorname {arcsl} \left[{\tfrac {1}{33}}\left(2{\sqrt[{3}]{132{\sqrt {78}}+837}}-2{\sqrt[{3}]{132{\sqrt {78}}-837}}-9\right)\right]\right\}^{2}}](./d413f6ce2d19183c3737311a7997d8ef1ee80099.svg)
![{\displaystyle \lambda ^{*}(38)=\operatorname {sl} \left\{{\tfrac {1}{2}}\operatorname {arcsl} \left[{\tfrac {1}{627}}{\sqrt {19}}\left(2{\sqrt[{3}]{3300{\sqrt {114}}+27323}}-2{\sqrt[{3}]{3300{\sqrt {114}}-27323}}-35\right)\right]\right\}^{2}}](./32a029bc66735723d996002c370544ee5d0f07eb.svg)
![{\displaystyle \lambda ^{*}(46)=\operatorname {sl} \left\{{\tfrac {1}{2}}\operatorname {arcsl} \left[{\tfrac {1}{3}}(104{\sqrt {2}}+147)^{-1/2}\right]\right\}^{2}}](./71764dd984587472c6b073530e0f541ce53ac3f1.svg)
![{\displaystyle \lambda ^{*}(66)=\operatorname {sl} \left\{{\tfrac {1}{2}}\operatorname {arcsl} \left[\left({\tfrac {75}{2}}+{\tfrac {13}{2}}{\sqrt {33}}+{\tfrac {1}{2}}{\sqrt {1842{\sqrt {33}}+10578}}\right)^{-1}\right]\right\}^{2}}](./0946fea179a483cbf4ff327800e91931c5c19dc6.svg)
Zusammenhang mit anderen Funktionen
Die lemniskatischen Funktionen sind eng verwandt mit der weierstraßschen ℘-Funktion
(„lemniskatischer Fall“), mit den Invarianten
und
. Das zugehörige Gitter hat die Perioden
und
. Die entsprechenden Halbwerte sind
,
,
Der verwandte Fall einer weierstraßschen ℘-Funktion mit
,
kann mit einer skalierenden Transformation behandelt werden, wobei auch komplexe Zahlen auftreten können. Falls man im Bereich der reellen Zahlen bleiben möchte, sind zwei Fälle zu betrachten,
und
. Das Periodenparallelogramm ist entweder ein Quadrat oder eine Raute. Bei der weierstraßschen ℘-Funktion
spricht man vom „pseudolemniskatischen Fall“.
Das Quadrat des lemniskatischen Sinus kann ausgedrückt werden durch

wobei das zweite und dritte Argument von
wieder die Invarianten
und
bezeichnen. Der lemniskatische Sinus selbst ist eine rationale Funktion bezüglich der weierstraßschen ℘-Funktion und deren Ableitung:[9]

Die lemniskatischen Funktionen lassen sich auch durch jacobische elliptische Funktionen ausdrücken. Die jacobischen elliptischen Funktionen
und
mit positiv reellem elliptischem Modul haben ein „aufrechtes“ (also achsenparalleles) Rechtecksgitter. Alternativ dazu haben die Funktionen
und
mit dem Modul
(beziehungsweise
und
mit dem Modul
) ein quadratisches Periodengitter, das gegenüber den Achsen um
gedreht ist.[10][11]


wobei das zweite Argument jeweils den elliptischen Modul
angibt.
Siehe auch
Literatur
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Derivative of the Jacobi theta function: Introduction to the Jacobi theta functions. Abgerufen am 1. August 2021.
- ↑ H. A. Schwarz: Über einige Abbildungsaufgaben. Abgerufen am 2. August 2025.
- ↑ Die Nullstellen sind schwarz gezeichnet, die Polstellen weiß. Wenn das Argument von
von
(ausschließlich) bis
variiert, ändern sich die Farben von cyan über blau
, magenta, rot
, orange, gelb
, grün bis zurück zu cyan
.
- ↑ Eric W. Weisstein: Jacobi Theta Functions. In: MathWorld (englisch).
- ↑ http://wayback.cecm.sfu.ca/~pborwein/TEMP_PROTECTED/pi-agm.pdf
- ↑ DLMF: 20.5 Infinite Products and Related Results. Abgerufen am 13. August 2022.
- ↑ https://www.mdpi.com/2073-8994/12/6/1040
- ↑ Eric W. Weisstein: Elliptic Lambda Function. In: MathWorld (englisch).
- ↑ Pierre Eymard, Jean-Pierre Lafon: The Number Pi. American Mathematical Society, 2004, ISBN 0-8218-3246-8, S. 234 (englisch).
- ↑ J. V. Armitage, W. F. Eberlein: Elliptic Functions. Cambridge University Press, 2006, ISBN 0-521-78563-4, S. 49 (englisch).
- ↑ Die Identität
findet man in Alfred George Greenhill: The Applications of Elliptic Functions. MacMillan (englisch, archive.org [abgerufen am 10. August 2025]).