Villarceau-Kreise sind in der Geometrie Kreispaare auf einem Torus, die durch den Schnitt mit geeigneten Ebenen entstehen. Sie sind benannt nach dem französischen Astronomen Yvon Villarceau.
Dass auf einem Torus zwei Scharen von Kreisen liegen, ist offensichtlich: 1) Eine Schar (Meridiane) entsteht durch die Rotation eines Kreises bei der Erzeugung des Torus. 2) die zweite Schar (Parallel-Kreise) entsteht durch Schneiden des Torus mit Ebenen, die senkrecht zur Rotationsachse verlaufen. 3)+4) Zwei weitere weniger offensichtliche Scharen bestehen aus Villarceau-Kreisen. Villarceau-Kreise entstehen paarweise durch Schneiden des Torus mit doppeltberührenden Ebenen (s. Bild).
Beschreibung des Torus
Ein Torus kann durch geeignete Einführung von Koordinaten immer so dargestellt werden, dass die Rotationsachse die z-Achse und der Mittelpunkt der Nullpunkt ist. Hat ein Meridian (Kreis) den Radius
und haben die Mittelpunkte der Meridiankreise den Abstand
von der Rotationsachse, so lässt sich der Torus durch die Gleichung

beschreiben.
Doppeltberührende Ebene des Torus
Die Ebene
, die die x-Achse enthält und die beiden Meridiane in der y-z-Ebene berührt (s. Bild), berührt (aus Symmetriegründen) auch die Parallelkreise durch die beiden Toruspunkte und ist deshalb eine Tangentialebene des Torus. Da
den Torus in zwei Punkten berührt, heißt
eine doppeltberührende Tangentialebene. Für den Neigungswinkel
der Ebene (s. Bild) gilt
. Lässt man
um die z-Achse rotieren, entstehen alle doppeltberührenden Tangentialebenen des Torus.
Erzeugung der Villarceau-Kreise
- Behauptung
- Der Schnitt der Ebene
(s. o.) mit dem Torus (s. o.) besteht aus den beiden Kreisen mit den Mittelpunkten
und dem Radius
.
Beweis
Für den Beweis dreht man das Koordinatensystem um die x-Achse um den Winkel
und setzt anschließend die neue 3. Koordinate
Null.
- Drehung
und
liefert
.
Setzt man dies in die Torusgleichung ein, ergibt sich die Gleichung der Schnittkurve:

Löst man die Klammern auf und vergleicht die Auflösung mit der Auflösung der Gleichung
,
so erkennt man: Beide Gleichungen beschreiben dieselbe Kurve, d. h. die Schnittfigur besteht aus den beiden Kreisen mit den Gleichungen
und
.
Parameterdarstellungen der Villarceau-Kreise
Mit den Ortsvektoren
der Mittelpunkte und der Orthonormalbasis
der Schnittebene
lassen sich die beiden Schnittkreise durch

beschreiben (siehe Ellipse). Die Gleichung der Schnittebene ist
oder, wegen
Ein beliebiges Paar von Villsarceau-Kreisen erhält man durch Rotation der obigen Kreise um die z-Achse um einen Winkel
:


Die Schnittebene besitzt die Gleichung
Bestimmung der Villarceau-Kreise durch einen Toruspunkt
Ist ein Toruspunkt
vorgegeben und man sucht die beiden Villarceau-Kreise durch
, so muss man die Schnittebene aus der obigen Schnittebenen-Schar bestimmen, die
enthält, d. h. man muss
so bestimmen, dass

Dieses Problem lässt sich durch die Substitution
in der
-
-Ebene als das Schnittproblem der Gerade
mit dem Einheitskreis
auffassen und lösen
(siehe Schnittpunkt einer Gerade mit einem Kreis). Im Allgemeinen erhält man so zwei Ebenen und insgesamt vier Villarceau-Kreise, von denen nur zwei den vorgegebenen Punkt
enthalten. Im Sonderfall, dass die beiden Ebenen gleich sind, ist
einer der beiden Schnittpunkte der beiden Villarceau-Kreise.
Siehe auch
Literatur
- Ulrich Graf, Martin Barner: Darstellende Geometrie. Quelle & Meyer, Heidelberg 1961, ISBN 3-494-00488-9, S. 209.
- Georg Glaeser: Geometrie und ihre Anwendungen in Kunst, Natur und Technik, Springer-Verlag, 2014, ISBN 9783642418525, S. 216.
- Hellmuth Stachel: Remarks on A. Hirsch's Paper concerning Villarceau Sections. In: Journal for Geometry and Graphics 6 (2002), Nr. 2, S. 133–139.
- Yvon Villarceau: Théorème sur le tore. In: Nouvelles annales de mathématiques. Journal des candidats aux écoles polytechnique et normale 7 (1848), S. 345–347.
Weblinks