In der Mathematik ist die Weyl-Kammer (benannt nach Hermann Weyl) ein Begriff aus der Theorie der Lie-Gruppen. Weyl-Kammern werden bei der Definition positiver und einfacher Wurzeln benötigt, außerdem spielen sie eine zentrale Rolle in der Theorie der Gebäude.
Definition
Sei
eine endlichdimensionale halbeinfache Lie-Algebra,
eine Cartan-Unteralgebra und
das zugehörige Wurzelsystem.
Für eine Wurzel
bezeichne

die zugehörige Hyperebene in
.
Dann heißen die Zusammenhangskomponenten von

die Weyl-Kammern des Wurzelsystems.
Wirkung der Weyl-Gruppe
Die Weyl-Gruppe von
wirkt auf
und permutiert die Menge der Weyl-Kammern, d. h., die Wirkung der Weyl-Gruppe auf der Menge der Weyl-Kammern ist einfach transitiv und die Anzahl der Weyl-Kammern ist die Kardinalität der Weyl-Gruppe.
Der Abschluss einer Weyl-Kammer ist ein Fundamentalbereich für die Wirkung der Weyl-Gruppe auf
.
Weyl-Kammern in symmetrischen Räumen
Es sei
ein symmetrischer Raum von nichtkompaktem Typ.
Dann sind alle
enthaltenden Flachs
von der Form

für eine abelsche Unteralgebra
. (Hier ist
die Exponentialabbildung in
und
die Cartan-Zerlegung.)
Insbesondere lässt sich der Begriff der Weyl-Kammern auf Flachs in symmetrischen Räumen übertragen: Weyl-Kammern in
sind (per Definition) die Bilder der Weyl-Kammern in
unter der Exponentialabbildung.
Beispiel
Es sei

und
.
Das zugehörige Wurzelsystem besteht aus den sechs Wurzeln





,
entsprechend





.
Die
sind drei Geraden im zweidimensionalen Vektorraum
, sie zerlegen
in sechs Weyl-Kammern.
Die Weyl-Gruppe ist in diesem Fall die symmetrische Gruppe
, sie permutiert die sechs Weyl-Kammern.
Literatur
- Armand Borel: Linear algebraic groups. W. A. Benjamin, New York / Amsterdam 1969
- Alexander Kirillov Jr.: An introduction to Lie groups and Lie algebras. In: Cambridge Studies in Advanced Mathematics, 113. Cambridge University Press, Cambridge 2008, ISBN 978-0-521-88969-8
- Ira Gessel, Doron Zeilberger: Random walk in a Weyl chamber. JSTOR:2159560
Weblinks