Album der Poesien/Der Goldschmiedsgesell
Album der Poesien.
Der Goldschmiedsgesell.
Es ist doch meine Nachbarin
Ein allerliebstes Mädchen.
Wie früh ich in der Werkstatt bin,
Blick’ ich nach ihrem Lädchen.
Die feinen goldnen Drähtchen.
Ach, denk’ ich, wann, und wieder wann
Ist solch ein Ring für Käthchen?
Und thut sie erst die Schaltern auf,
Und feilscht[WS 1] und wirbt mit hellem Hauf
Um’s Allerlei im Lädchen.
Ich feile; wohl zerfeil’ ich dann
Auch manches goldne Drähtchen.
Er merkt, es war das Lädchen.
Und flugs, wie nur der Handel still,
Gleich greift sie nach dem Rädchen.
Ich weiß wohl, was sie spinnen will:
Und nach den Lippen führt der Schatz
Das allerfeinste Fädchen.
O, wär’ ich doch an seinem Platz,
Wie küßt’ ich mir das Mädchen!
Goethe.
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Der Goldschmiedsgesell.
Originalzeichnung von H. Effenberger.
Anmerkungen (Wikisource)
- ↑ Vorlage: feilt, vergl. Berichtigung in Heft 21