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232. Lebenslust. (III. 78.)
| Munter.
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1. Al=les, was wir lie=ben, le=be! al=les,
was uns hoch er=freut! Wein und Frühling, Frucht und
Blü=te, fro=he Lau=ne, Her=zens=gü=te, Freundschaft
und Ge=sel=lig=keit, Freundschaft und Ge=sel=lig=keit!
2. Alles was wir lieben, lebe! Jede Blume sei gepflückt! Jede
Freude sei willkommen, die uns düstrer Sorg entnommen, |: die Gemüt
und Herz entzückt! :|
3. Alles, was wir lieben, lebe! bis das Leben uns entweicht.
Wer, wenn los die Luft sich kettet, sich sein reines Herz gerettet, den
deckt auch die Erde leicht.
Ritter.
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233. Hundert Semester. (I. 40.)
| Mäßig.
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Preiskomposition von Adolf Schlieben. 1885.
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1. Als ich schlummernd lag heut Nacht, lock=ten sü=ße
Träume, schimmernd in der Ju=gend Pracht mich in fer=ne Räume.
Krasses Füchslein saß ich schlank in der Kneipe
[211] wie=der, und in vol=lem Cho=re klang laut das Lied der
Lieder: Gau-de-a-mus i-gi-tur, iu-ve-
nes dum sumus! post iu-cun-dam iu-ven-tu-tem,
post mo-les-tam se-nec-tu-tem nos ha-be-bit hu-mus,
nos ha-be-bit hu-mus.
2. Tabakswolkenduft umkreist, bläulich, Rheinweinbecher; desto
heller flammt der Geist in dem Haupt der Zecher. Füchslein fühlt im
Weltenrund sich der Schöpfung Krone; und er singt mit keckem Mund
und mit keckem Tone: Ubi sunt qui ante nos in mundo fuere? Vadite
ad superos, transite ad inferos, |: ubi iam fuere. :|
3. Jäh erwacht ich. – Glockenklar tönt mir's in den Ohren: Heut
sind's runde siebzig Jahr, seit Du warst geboren. Heut schon liegen
hinter dir der Semester hundert! – Hell rieb ich die Augen mir,
summte still verwundert: Vita nostra brevis est, brevi finietur, venit
mors velociter, rapit nos atrociter, nemini parcetur.
4. Schnell vom Lager sprang ich auf, rief: Mir hat das Leben
viel in seinem kurzen Lauf, Leid und Lust, gegeben. Sei vergessen,
was gedrückt mich mit Sorg und Plage; heut ein Hoch dem, was be=
glückt meine jungen Tage: Vivat academia, vivant professores, vivat
membrum quodlibet, vivant membra quaelibet, semper sint in flore!
5. Goldne Burschenzeit entflog schnell – daß Gott erbarme! –
Ledern Philisterium zog mich in dürre Arme. Doch philistern lernt ich
nicht, hoch, auf goldnen Schwingen, trug mich lieb zum Himmelslicht,
jubelnd durft ich singen: Vivant omnes virgines, graciles, formosae!
vivant et mulieres, tenerae, amabiles, bonae, laboriosae!
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