Antwort an Madame Karschinn


[68]

Antwort an Madame Karschinn.


Schwarz und dunkel, wie der Nacht Gefieder,
Sank auf meine feuchten Augenlieder
Melancholisch sich der Schlaf herab:
Und da träumte mir von einem schönen Feste;

5
Du und ich, wir waren auch als Gäste

Bey der Tafel, die ein König gab. –
Sage doch, was mag der Traum bedeuten?
Soll ich das versprochne Glück erbeuten? [1]
Doch ich aß ja bey der Tafel nicht;

10
Alles war für mich nur Schaugericht. –

Dieß ist schmerzlich. – Aber diese Schmerzen

[69]

Sind die kleinsten, nagen nicht am Herzen.
Du, Geliebte, willst sie von der Stirn mir scherzen:
Und schon ists zur Hälfte dir geglückt.

15
Denn das Röschen, das dein Herz erquickt,

Das die Freundschaft für mich abgepflückt,
Hat in deinem Liede mich entzückt.

  1. ↑ Dieses bezieht sich auf ein Haus, welches der König der Verfasserinn zu bauen versprach, und welches durch den Krieg verhindert wurde.