Arbeiterinnen der Senne


[5]

Arbeiterinnen der Senne.

Im kurzen Linnenkleide,
Das Haar zerzaust vom Wind,
Irrt baarfuß durch die Haide
Der Senne braunes Kind.

5
Halb los die blonden Flechten

Und Stirn und Arme bloß,
Den Korb in seiner Rechten –
Ein echter Haidesproß!

Indeß die dunklen Föhren

10
Der Morgenwind durchstreift,

Sucht’s emsiglich die Beeren,
Die der August gereift.

Die Beeren am Gesträuche,
Nicht für der Mutter Tisch;

15
Für Städter und für Reiche,

So ladend roth und frisch.

Und an derselben Stelle
Da sammelt auch zugleich
Das Bienlein, sein Geselle,

20
Im blühenden Gesträuch

[6]

Den Blüthenstaub, den schweren,
den süßen Honigseim;
Doch gleich des Mägdleins Beeren,
Nicht für das eigne Heim.

25
So ziehen sie von hinnen,

Ob lang der Tag und heiß,
Die beiden Sammlerinnen,
Mit unverdroßnem Fleiß.

Rings glänzt im Blüthenprangen

30
Die Senne weit und breit;

Braun wie des Mädchens Wangen
Ihr prächtig Sommerkleid.

Glühn dann im Abendlichte,
Bewegt von keinem Hauch,

35
Die schlanke Birk’ und Fichte

Und der Wachholderstrauch:

Dann heimwärts mit den Gaben
Der Haide ziehn beschwert,
Das Bienlein zu den Waben,

40
Das Mägdelein zum Heerd.