Auf dem Eise (Die Gartenlaube 1885/5)

[76–77]

Auf dem Eise.
Nach dem Oelgemälde von Friedrich Bodenmüller.

[87] Auf dem Eise. (Mit Illustration S. 76 und 77.) Parkettboden und Eisbahn sind wahlverwandte Dinge und – identische Begriffe, wenigstens in den Augen eines gewissen Alters. Beide sind der fröhlichen Jugend unentbehrlich in einem regelrecht genießbaren Winter, denn wie sollten sich wohl all die jungen, ungestüm pochenden Herzen zusammenfinden, wenn nicht auf jenem glatten blanken Boden, auf dem es sich so graziös gleiten und tändeln läßt, und wo die Blicke und Herzen so leichtbeschwingt sind wie Schmetterlinge über dem Blumenbeete. Sei’s „koloniale“ Hitze, sei’s Nordpolkälte, auf diesem Boden gedeiht das Pflänzlein Liebe stets wohlgemuth und entfaltet sich zu stattlicher Blüthe. Und welch herrliche Schnippchen werden nicht all den argwöhnischen „Eismüttern“ geschlagen, diesen beklagenswerthesten aller Mütter! Hier maskirt die Schlittschuhbefestigung den Fußfall des liebeglühenden Jünglings, dort befördert die anscheinende Furcht vor einer „Carambolage“ die zündenden Blicke der Verliebten, hier verbirgt das „helfende“ Führen der Unsicheren den beredten Händedruck und dort gar fällt man plötzlich nieder, um sich von zärtlichen Armen wieder aufrichten zu lassen. – Doch verrathen wir nicht zu viel, um den glatten Boden nicht in Mißkredit zu bringen und Jenen keine Verlegenheiten zu bereiten, die in heiterer Lust sich darauf bewegen. Man soll nicht „aus der Schule plaudern“, und es thut nicht gut, der Jugend das Spiel zu verderben! – r.