Bebenhausen im Winter
_b_789.jpg)
Bebenhausen im Winter.
Nach einer photographischen Aufnahme von P. Sinner in Tübingen.
[804] Bebenhausen im Winter. (Zu dem Bilde S. 789.) Nicht weit von der Universitätsstadt Tübingen liegt in schönem Waldrevier, am südlichen Ende des alten „Reichsforstes Schönbuch“ das Kloster Bebenhausen, von den alten kunstgeschichtlich berühmten württembergischen Klöstern neben Hirsau und Maulbronn das bedeutendste. Gegründet von den Pfalzgrafen von Tübingen zu Ende des 13. Jahrhunderts, erlebte es seine erste Blütezeit im 14. Jahrhundert unter den Aebten Wilhelm von Lustnau und Peter von Gomaringen, eine weitere kurz vor der Reformation, als es von den Pfalzgrafen, die an dem mächtig aufstrebenden Kloster arm geworden waren, an die Herzöge von Württemberg fiel. Der Glanz künstlerischer Bauthätigkeit Schwabens ist in jenen Zeiten vielfach an den Namen des Cisterzienserordens geknüpft, wie dieser in Maulbronn den Uebergangsstil von der Spätromanik zur Gotik zur edelsten Blüte entfaltet hat, so in Bebenhausen die mittlere Romanik und hernach die Gotik und die Spätgotik. Als klassisch in seiner Art ist aus der ersten Blütezeit Bebenhausens das Sommerrefektorium in der Kunstgeschichte anerkannt, nicht minder als der spätgotischen der Glockenturm, der auch auf unserem Bilde am Horizont sich hervorhebt.
Aber nicht die Kunst allein macht das altersgraue Kloster zu einer entzückenden Stätte, herrlicher noch ist die umgebende Natur, in deren Waldesfrische es eingebettet liegt. Am Fuße der höchsten Erhebung des Schönbuchs, des Brombergs, liegt es in einem reizenden Thalgrund, wo der Goldersbach und der Seebach zusammenfließen. Der Wanderer, der, von Tübingen oder von Stuttgart her kommend, das Kloster in der stillen Waldlichtung vor sich auftauchen sieht, ist wie von einem Wunder überrascht, ob es ihm im Glanze der Mittagssonne erscheint oder im verklärenden Licht einer Mondnacht. Und gleich groß sind die Reize dieser Natur im lachenden Sommer, wie in der Winterpracht. Gerade in der kälteren Jahreszeit aber erlebt das Kloster jetzt seine glänzenden Tage. Denn nach der langen Reihe von Aebten – auch evangelische Aebte hat Bebenhausen als Klosterschule (d. h. Vorschule des berühmten Tübinger Stifts), bis zum Beginn dieses Jahrhunderts gehabt – ist es jetzt unter königlichen Herren zu einem prächtigen Jagdschloß geworden. Schon König Friedrich von Württemberg hat es 1810 zu einem solchen gemacht, sein Enkel, der 1891 verstorbene König Karl, hat es vom Ulmer Dombaumeister Beyer mit ausgesuchtem Geschmack restaurieren lassen, und jetzt ist es ein Lieblingsaufenthalt des jagdliebenden Königs Wilhelm, der dort alljährlich einigemal mit seinen Gästen dem edlen Weidwerk obliegt. A. F.