Beschreibung des Oberamts Wangen/Kapitel A 6

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VI. Gesellschaftlicher Zustand.

1. Grundherrliche Verhältnisse.
A. Grundherren und deren Besitzungen.
Die Grundherrschaft im engeren Sinn ist zwischen der Krone, fünf standesherrlichen und einer ritterschaftlichen Familie getheilt. Vgl. oben A, 1, 5.| 1) Die unmittelbare Grundherrlichkeit hat die Krone über die ehemalige Reichsstadt Wangen und deren Gebiet, die ehemalige Herrschaft Neuravensburg, die ehemalige Herrschaft Amtzell, Theile der ehem. Österreichischen Landvogtei und der Kl. Weingartenschen Besitzungen, (29.6841/2 Morgen, 111/16 Q-Meilen, 5507 Einw.).

2) Der Fürst von Waldburg-Zeil und Trauchburg die Herrschaft Trauchburg (35.8111/8 M. 21/16 Q-M. 4882 E.).

3) Der Fürst von Waldburg-Wolfegg-Waldsee besitzt die Herrschaft Praßberg und Leupolz, und (getheilt mit dem Fürsten von W. Wurzach) die Herrschaft Kißlegg (17.5103/8 M. 1 Q-M. 2525 E.).

4) Der Fürst von Waldburg-Zeil-Wurzach Antheil an der Herrsch. Kißlegg (14.5661/4 M. 27/32 (od. nicht ganz 7/8) Q-M. 1417 E.).

5) Der Fürst von Windisch-Grätz die Herrschaften Eglofs und Siggen (10.794 M. 5/8 Q-M. 2016 E.).

6) Der Graf von Quadt-Isny die ehem. Reichsstadt Isny und die ehem. Reichsabtei Isny (53227/8 M. 5/16 Q-M. 2354 E.).

7) Der Graf von Beroldingen, Mitglied des Ritterschaftlichen Adels, die Herrschaft Ratzenried (43705/8) M. 1/4 Q-M. 646 E.).

Der Rittergutsbesitzer Werner von Kreit zu Mosisgreut besitzt den Weiler Moossing, Gem. Pfärrich. Außerdem sind Grundherren im weitern Sinn mit Lehens- und Gefällrechten über einzelne Güter viele Pfarreien, Kirchenpflegen und Stiftungen.

Nur der Fürst von Windisch-Grätz und der Graf von Quadt gehören mit ihren gesammten standesherrlichen Besitzungen dem diesseitigen Bezirk an; die staatsrechtlichen Verhältnisse des Letzteren sind durch die Königl. Deklaration vom 8. Mai 1827 festgesetzt.

B. Lehens- und Leibeigenschaftswesen.
Das Lehenssystem besteht in sämmtlichen standesherrlichen Gemeinden und in der ritterschaftlichen Gem. Ratzenried. Bei den Staats- und Stiftungslehen sind die Allodifikationen oder Eigenkaufungen vollzogen oder in Unterhandlung. Die meisten Stiftungslehen bestehen noch in der sogenannten Vogtei Kißlegg. Von den 17 Lehengütern des Hospitals in Kißlegg sind nur 4 zinseigen gemacht. Vermögliche Lehenbauern, die Familie haben, suchen hier die Allodifikation seltener nach. Häufiger sind schon die Eigenkaufungen unter den Lehensleuten des Hospitals Bärenweiler. Wangen hatte| in seinem Gebiet nur Unterthanen mit eigenem Grundbesitz, keine Lehensleute. Auch in den standesherrlichen Bezirken, namentlich in der Gem. Eglofs sind eigene Güter nicht selten. In der Hauptsache sind die Lehensformen dieselben, wie im übrigen Oberschwaben und wie sie namentlich in den Oberamts-Beschreibungen von Waldsee und Ravensburg beschrieben worden sind. Falllehen mit Belehnung auf beide Ehegatten sind allgemein, Erblehen höchst selten,[1] wiewohl das Lehen in der Regel auf der Familie bleibt und dem Erstgeborenen verliehen wird. Auch Belehnungen der Nachgeborenen, selbst der Adoptivsöhne, kommen vor. Immer haben die Nachgeborenen auf dem Hof ihre unangefochtene Heimath. Die Frohnen – die Jagdfrohnen ausgenommen – und die Leibeigenschaftsabgaben (Mortuarien und Manumissionen) waren größtentheils schon seit früherer Zeit fixirt und normirt. Ihre Ablösung wird von dem Pflichtigen gerne angenommen und ist fast durchgängig vollzogen. Übrigens gehört der Oberamtsbezirk hinsichtlich der Grundlasten unter den Oberämtern des Donaukreises zu den am wenigsten beschwerten; dieselben übersteigen um Weniges den Durchschnitt der Grundlasten im ganzen Lande. Nach der Tabelle IV. betragen die Grundlasten des Oberamts, mit Ausschluß des grundherrlichen Katasters, 20.094 fl. 38 kr. und mit Beirechnung des im Kataster abgezogenen Fünftheils 25.118 fl. 17 kr. Die Frohn- und Lehenlasten sind theilweise nicht gering, wiewohl auch hier die Dienste des Bauern immer wieder durch ansehnliche Gegenleistungen des Lehensherrn, namentlich an Brenn-, Bauholz und Torf erleichtert werden. Eigenthümliche Titel gab es mehrere, z. B. das Kälbergeld im Wurzachschen Antheil am Kißleggschen und im ehem. Stift Isny, wo die Lehensleute die Kälber, welche sie nicht zum Nachziehen anbinden wollten, dem Lehensherrn anzeigen und um einen geringen Preis ihm überlassen oder gegen eine Abgabe an Geld für den freien Verkauf auslösen | mußten. Eigenthümlich war ferner die Verbindlichkeit von 7 Lehenhöfen in der Herrschaft Praßberg, gemeinschaftlich einige Reitklepper (von St. Gallen her Mönchsklepper genannt) für herrschaftliche Dienste zu halten, daher jene Höfe die Klepperhöfe hießen. Drei Höfe zu Röthsee entrichteten ein sogenanntes Seefahrtgeld für die Verbindlichkeit, den herrschaftl. Weinbedarf von den Bodenseegegenden zu holen. Hier ist auch einer in der Grafschaft Trauchburg unter dem Namen Großwochensteuer bestandene Kammersteuer zu erwähnen; es mußte nämlich jeder Trauchburgische Unterthan jährlich in der Weihnachtswoche von jedem 100 fl. Vermögen (an Fahrniß, Aktivkapitalien und liegenden Gütern, daher auch Vermögenssteuer genannt) 20 kr. Steuer entrichten. Der Ursprung dieser Abgabe verliert sich im Dunkel der Vorzeit. Sie ist jetzt größtentheils auf Kosten des Staats (der jährlich 1275 fl. an den Fürsten von Waldburg-Zeil bezahlt) erlassen, theils auf Grund und Boden als Grundzins vertheilt. Es folgt hier eine Übersicht der ständigen Grundlasten nach der Aufnahme des provisorischen Katasters im Jahr 1823, mit Berücksichtigung der inzwischen vorgekommenen Ablösungen. Dabei mußte aber die frühere Gemeinde-Eintheilung, wie sie im Jahr 1823 bestand, angenommen werden, da bei den späteren Veränderungen der Gemeindebezirke nur eine summarische Ausgleichung statt hatte. (S. die folg. Seite.) Den Zehenten haben zum kleineren Theil der Staat und die Grundherrn, zum größeren Theil aber die Pfarrstellen und Kirchenpflegen zu beziehen. Der Naturalbezug ist zwar überall noch zulässig; allein fast sämmtliche Zehentherrn haben Akkorde geschlossen, und manche derselben bestehen schon seit Menschenaltern. Im Ganzen sind diese Ansätze sehr gemäßigt und Klagen über zu hohe Zehentabgaben sind noch nie vorgekommen. In den Kißleggschen Gemeinden wird der meiste Zehenten jährlich verliehen; in Natura beziehen ihn hauptsächlich die beiden Hospitäler Kißlegg und Bärenweiler, und auch diese nur theilweise.|
Gefäll-Berechtigte. Geld. N a t u r a l i e n.
Dinkel. Haber. Glatte Frucht.
fl. kr. Schfl. Sri. Schfl. Sri. Schfl. Sri.
Wangen.
Bayerische Pfarrei Wohnbrechts – 12
Meßnerei daselbst – 4
Kirchenpflege Amtzell 2 51
Sattelpflege Wangen 2 56
Seelhauspflege daselbst 6 33
St. Martinipflege 6 32
St. Sebastianspflege 4 34
St. Eulogipflege 4 36
Gottesacker-Kappellenpflege 3 17
St. Wolfgangspflege – 32
Meßpfründe Deuchelried – 17
Andreaspflege – 48
St. Mangipflege – 34
Kirchenpflege Wohnbrechts 1 43
Stadtpflege Wangen 131 37 – – 1 61/2
Schmiedezunft daselbst – 27
Spitalpflege Wangen 277 19
444 52 – – 1 61/2
Amtzell.
Kameralamt Wangen 341 15 – – 5 –
Kirchenpflege Amtzell 10 14
351 29 – – 5 –
Beuren.
Kameralamt Wangen 3 23
Graf von Quadt-Isny 167 23
Fürst von Waldburg-Zeil 166 36 – – 14 4
Pfarrei Beuren 1 7
Hospital Bärenweiler 6 –
Kirchenpflege Beuren 7 –
Rosenkranz-Bruderschaftspflege Beuren 5 30
Kirchenpflege Christatzhofen – 51
Kirchenpflege Isny – 201/2 – – 7 –
Hospital Isny 8 21/2 – – 26 6
Kirchenpflege Kleinweiler 15 –
Kirchenpflege Ratzenried 1 43
382 56 – – 48 2
Bolsternang.
Graf von Quadt-Isny 25 19 – – 17 4
Fürst von Waldburg-Zeil 126 53 – – 7 61/2
Pfarrei Bolsternang – – – – 2 4
Kirchenpflege Isny 6 28 – – 4 –
St. Leonhardipflege Isny 2 39 – – 2 6
Spitalpflege Isny 3 31 – – 2 7
Kirchenpflege Kleinweiler 19 9
Kirchenfabrik Wangen – 28
Widdumgut der Pfarrei 141 11 – – – – 1 2
325 38 – – 37 31/2 1 2
Christatzhofen.
Kameralamt Wangen 8 8
Fürst von Windisch–Grätz – – – – 6 7
Graf von Quadt–Isny 76 56 – – 66 1
Fürst von Waldburg–Zeil 161 14 – – 7 4
Hospital Bärenweiler 16 20
Kirchenpflege Christatzhofen 24 2
286 40 – – 80 4
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Gefäll-Berechtigte. Geld. N a t u r a l i e n.
Dinkel. Haber. Glatte Frucht.
fl. kr. Schfl. Sri. Schfl. Sri. Schfl. Sri.
Christatzhofen.
Kirchenpflege Eisenharz 2 17
Kirchenpflege Isny 2 38 – – 5 6
St. Leonhardipflege Isny – 51 7 –
Spitalpflege Isny 4 25 – – 12 2
Kirchenpflege Kleinweiler 17 30
Kirchenpflege Ratzenried 1 81/2 – – 2 –
Kirchenpflege Siggen 1 81/2 – – 2 5
Pfarrei Christatzhofen 111 6 – – 20 6
141 4 – – 50 3
286 40 – – 80 4
427 44 – – 130 7
Deuchelried.
Kameralamt Wangen 108 521/2 – – 82 2 – 23/4
Graf von Beroldingen 3 45
Kirchenpflege Deuchelried 59 181/2 – – 17 2
Frauenpflege daselbst 54 521/2 – – 11 2
Kirchenpflege Pfärrich 1 30
Spitalpflege Wangen 25 101/2 – – 13 7 – 3
Sattelpflege Wangen – 341/2
Kirchenpflege daselbst 1 11
Rosenkranzpflege daselbst 1 81/2
Gottesackerpflege daselbst 1 251/2
Kapelle Bach 2 –
Kirchenpflege Ratzenried 2 51
Stadtpflege Wangen 24 281/2 – – 6 1/2
287 8 – – 130 51/2 – 53/4
Eggenreute.
Kameralamt Wangen 154 9 54 3 185 4
Kameralamt Weingarten 26 471/2
Pfarrei Leupolz – 35
Kirchenpflege Amtzell – 31/2
Kirchenpflege Pfärrich – 341/2
182 91/2 54 3 185 4
Eglofs.
Kameralamt Wangen 1 421/2 – – 4 11/4
Fürst von Windisch-Grätz 316 241/2 – – 36 2
Graf von Beroldingen 51 441/2 – – 37 4 4 –
Baron von Weinbach in Bayern 103 41 – – 27 6
Baron von Syrgenstein in Bayern 62 46
Graf von Quadt-Isny 446 11 – – 21 2
Baron von Horben – 44 – – 4 –
Manualkaplanei Gestraz in Bayern – – – – – 31/8
Kathol. Pfarr-Geistlichkeits-Präsenz
zu Ravensburg
15 4 – – 12 6
Hospitalpflege Wangen 753 81/2 – – 17 41/2
Sattelpflege daselbst 4 341/2 – – 9 15/8
St. Martinipflege Wangen 2 – – – 6 –
Wolfgangspflege daselbst 1 151/2
Frauen-Meßpfründe Deuchelried – – – – 2 55/8
St. Nikolai-Kirchenpflege Isny 4 – – – 13 5
St. Leonhardipflege Isny 26 26 – – 13 7
Hospital Isny 9 8 – – 18 4
Kirchenpflege Eglofs 7 291/2
Armenpflege daselbst 17 –
Lokalschulfonds zu Ravensburg – 26 – – 2 1/2
1823 451/2 – – 227 45/8 4 –
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Gefäll-Berechtigte. Geld. N a t u r a l i e n.
Dinkel. Haber. Glatte Frucht.
fl. kr. Schfl. Sri. Schfl. Sri. Schfl. Sri.
Kirchenpflege Ratzenried 4 271/2
Kirchenpflege Eschau 8 –
Stadtpflege Wangen 189 10 – – 21 4
Gemeindepflege Eglofs 2 –
Gemeinde-Angehörige zu Eglofsthal 1 20
Gemeinde Reute – 30
Gemeinde Gestraz in Bayern 2 –
Oberjäger Fisch zu Eglofs – – – – – 3
207 271/2 – – 21 7
1823 451/2 – – 227 45/8 4 –
2031 13 – – 249 35/8 4 –
Eisenharz.
Kameralamt Wangen 5 14
Graf von Quadt-Isny 45 45 – – 15 6 –
Fürst von Waldburg-Zeil 319 201/2 – – 32 2 –
Graf von Beroldingen 12 55 – – 16 – –
Kathol. Pfarr-Geistlichkeits-Präsenz
zu Ravensburg
28 22 – – 4 3 –
Hospital Bärenweiler 25 –
Kirchenpflege Eisenharz 25 51 – – 1 –
Kirchenpflege Deuchelried 1 81/2
St. Martini-Kirchenpflege Wangen – 101/2 – – 2 –
Kirchenpflege Isny 1 43
St. Leonhardipflege Isny 4 211/2 – – 8 4
Hospital Isny 1 541/2 – – 9 4
Kirchenpflege Ratzenried 3 251/2 – – 1 1
Kirchenpflege Siggen 3 571/2 – – 4 –
Landschaft Neutrauchburg 32 –
Pfarrei Eisenharz 83 30 – – 17 7
594 381/2 – – 112 3
Emmelhofen.
Fürst von Waldburg-Wolfegg 202 6 41 16/8 118 41/2
Fürst von Waldburg-Wurzach 209 2 39 37/8 113 65/8
Schullehrer zu Leutkirch – 35
Pfarrei Merazhofen – 7 – – 1 11/2
Spital Bärenweiler 8 44 1 – 1 –
Kirchenpflege Gebrazhofen – 34 – – 1 4
Kirchenpflege Immenried 1 9
Hospital zum heil. Geist in Kißlegg 23 37 7 71/4 19 47/8
Kirchenpflege St. Galli zu Kißlegg 10 27 – – 4 2
St. Ulrichspflege daselbst – – – – 6 –
Willerazhofer Kirchenpflege zu Kißlegg – – – – 1 –
Kirchenpflege Merazhofen – 7 – – 1 11/2
Kirchenpflege Röthsee – 3 – – – 6
St. Katharinen-Kaplanei zu Kißlegg 2 15 – – 2 31/4
458 46 89 47/8 271 21/4
Enkenhofen.
Kameralamt Wangen 10 26
Fürst von Waldburg-Zeil 211 – – – 6 2
Fürst von Windisch-Grätz – 15 – – 3 1
Graf von Quadt-Isny 8 17 – – 3 6
Kirchenpflege Enkenhofen – – – – 3 –
Leonhardipflege Isny – – – – 2 –
Hospitalpflege daselbst 13 261/2 – – 31 –
Kirchenpflege Kleinweiler 35 –
Kirchenpflege Siggen – 47
279 111/2 – – 49 1
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Gefäll-Berechtigte. Geld. N a t u r a l i e n.
Dinkel. Haber. Glatte Frucht.
fl. kr. Schfl. Sri. Schfl. Sri. Schfl. Sri.
Friesenhofen.
Graf von Quadt-Isny 28 8 39 2 37 4 16 4
Fürst von Waldburg-Zeil 283 38 – – 33 2
Pfarrei Friesenhofen 196 45
Winklerisches Beneficiat Leutkirch – 23
Pfarrei Urlau – 21 – – 2 3
Kirchenpflege Isny – – 1 – 4 –
Hospital daselbst – – – – 1 6
St. Leonhardipflege Rimpach 3 12
512 27 40 2 78 7 16 4
Göttlishofen.
Kameralamt Wangen 5 42
Fürst von Windisch-Grätz 132 – – – 23 –
Graf von Quadt-Isny 87 7
Fürst von Waldburg-Zeil 1 – – – 6 4
Graf von Beroldingen 1 26 – – 13 3
Baron von Syrgenstein 43 –
Pfarrei Christatzhofen 10 47 – – – 41/2
Kathol. Pfarr-Geistlichkeits-Präsenz
zu Ravensburg
1 4
Pfarrei Siggen 66 24
Kirchenpflege Christatzhofen 10 30
Frauen-Meßpfründe Deuchelried 4 34
Armenpflege Eglofs 29 –
Kirchenpflege Eisenharz 6 55
Kirchenpflege Enkenhofen – – – – 1 –
Kirchenpflege Isny – – – – 1 –
Kirchenpflege Merazhofen 2 42 – – 3 4
Kirchenpflege Ratzenried 2 1
Kirchenpflege Siggen 7 7 – – – 5
Kirchenpflege Waltershofen – 40
St. Martinipflege Wangen 5 43
Sattelpflege Wangen – 17
Stadt Wangen 1 9
Gemeinde Willatz 3 22
422 30 – – 49 41/2
Großholzleute.
Kameralamt Wangen – 37
Graf von Quadt-Isny 281 2 – – 129 –
Fürst von Waldburg-Zeil 192 12 – – 25 5
Baron von Horben 2 29 – – 12 4
Hospital Bärenweiler 30 –
Kirchenpflege Bolsternang 1 43 – – 1 2
Kapellenpflege Großholzleute 1 9
Kirchenpflege Isny 2 – – – 1 –
St. Leonhardipflege Isny 5 47 – – 14 4
Hospital Isny 81 53 – – 25 –
Kirchenpflege Kleinweiler 23 21
Kirchenpflege Rohrdorf 2 49
Landschaft Neutrauchburg 76 30
Jakob Felix v. Eberz’sche Erben zu Isny 4 19 – – 10 4
705 51 – – 219 3
Immenried.
Fürst von Waldburg-Wolfegg 176 11/2 45 – 120 3
Fürst von Waldburg-Wurzach – 8 – – – 1
Pfarrei Immenried 16 22 2 51/2 7 11/4
St. Katharinen Kaplanei Kißlegg – 19 – – 7 1/4
Kirchenpflege Arnach 1 53 – – – 21/4
194 431/2 47 51/2 134 73/4
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Gefäll-Berechtigte. Geld. N a t u r a l i e n.
Dinkel. Haber. Glatte Frucht.
fl. kr. Schfl. Sri. Schfl. Sri. Schfl. Sri.
Hospital Bärenweiler 4 – 1 4 6 –
Kirchenpflege Einthürnenberg 17 – – 6 3 7
Kirchenpflege Immenried 2 4 – – 4 61/2
Hospital zum heil. Geist in Kißlegg 40 9 1 3
Kirchenpflege St. Ulrich in Kißlegg 4 49 3 1 8 1/4
Armenverwaltung Waldsee 1 43 – – 7 –
69 45 6 6 29 53/4
194 431/2 47 51/2 134 73/4
264 281/2 54 31/2 164 51/2
Isny, Stadt.
Fürst von Waldburg-Zeil 1 401/2
1 401/2
Isny, Vorstadt.
Graf von Quadt-Isny 1665 56 – – 82 2
1665 56 – – 82 2
Kißlegg.
Fürst von Waldburg-Wolfegg 115 47 7 51/4 18 3/8
Fürst von Waldburg-Wurzach 101 54 6 1 32 2
Pfarrei Kißlegg – – – – – 52/8
St. Katharinen-Kaplanei daselbst 1 59
Hospital zum heil. Geist in Kißlegg 2 17
Kirchenpflege St. Galli daselbst – – – – 1 21/8
Kirchenpflege St. Ulrich daselbst – 10 – – 1 25/8
222 7 13 61/4 53 43/8
Menelzhofen.
Graf von Quadt-Isny 277 14 – – 169 6
Fürst von Waldburg-Zeil 133 57 – – 6 2
Kaplanei zum heil. Georg in Altdorf – 48 – – 4 –
Pfarrei Beuren 2 24 – – – 4
Hospital Bärenweiler 9 6 – – 4 –
Kirchenpflege Beuren – – – – 1 4
Kirchenpflege Christatzhofen – 341/2
Kirchenpflege Isny 2 – – – 5 –
Hospital Isny 2 27 – – 2 –
428 301/2 – – 193 –
Neuravensburg.
Kameralamt Wangen 496 23 – – 245 21/4
Pfarrei Roggenzell – 32
Pfarrei Schwarzenbach – 49 – – 2 51/2
Kirchenpflege Amtzell – 23
Sattelpflege Wangen 1 15
St. Martinipflege daselbst 3 25
Spital Lindau – 51 – – 1 1
Kirchenpflege Primisweiler – 35
Kirchenpflege Roggenzell 1 39
Kirchenpflege Schwarzenbach 4 191/2
510 111/2 – – 249 3/4
Neutrauchburg.
Graf von Quadt-Isny 86 4 – – 138 6
Fürst von Waldburg-Zeil 116 7 – – 41 5
Hospital Bärenweiler 100 49
Kirchenpflege Isny 2 –
305 – – – 180 3
|
Gefäll-Berechtigte. Geld. N a t u r a l i e n.
Dinkel. Haber. Glatte Frucht.
fl. kr. Schfl. Sri. Schfl. Sri. Schfl. Sri.
Neutrauchburg.
St. Leonhardipflege Isny 2 17 – – 1 –
Hospitalpflege Isny 44 29 – – 5 –
Kirchenpflege Rohrdorf – – – – 1 –
46 46 – – 7 –
305 – – – 180 3
351 46 – – 187 3
Niederwangen.
Kameralamt Wangen 312 20 – – 84 11/4
Kaplanei Haslach 2 1
Pfarrei Niederwangen 12 541/2
Kathol. Pfarrgeistlichkeits-Präsenz zu
Ravensburg
– – – – 2 55/8
Pfarrei Schwarzenbach – 14
Pfarrei Thann 1 13
Stadtpfarrei Wangen – 44
Pfarrei Wohnbrechts – 23
Baron von Deuring 78 14
Kirchenpflege Amtzell 4 –
Hospital Wangen 18 9 – – 30 21/4
Sattelpflege Wangen 22 – – – 2 55/8
Seelhauspflege Wangen 7 251/2
Kirchenpflege daselbst 4 44 – – 2 6/8
Sebastianspflege daselbst 1 43
St. Eulogipflege daselbst 2 41
St. Wolfgangspflege daselbst 1 81/2
Kirchenpflege Deuchelried 2 17
Frauenpflege daselbst 128 56
Kapellenpflege Hiltensweiler 1 26
Kirchenpflege Niederwangen 18 7
St. Mangipflege daselbst 9 61/2
Kirchenpflege Pfärrich 11 58 – – 7 31/2
Kirchenpflege Ratzenried 4 34
Kirchenpflege Schwarzenbach – 45
Stadtpflege Wangen 20 2 – – 28 1
667 11 – – 157 4
Pfärrich.
Kameralamt Wangen 374 35 87 41/2 293 1/4 1 1/4
Fürst von Hohenzollern-Sigmaringen 2 28
Fürst von Fürstenberg – – – – 13 31/2
Freiherr Werner von Kreit 8 16 – – 21 61/8
Baron von Hundbiß 32 –
St. Gregor-Kaplanei Altdorf – 38
Pfarrei Leupolz – 42
Kathol. Pfarr-Geistlichkeits-Präsenz
zu Ravensburg
2 551/2
Kirchenpflege Altdorf 1 – – – 2 2
Kirchenpflege Amtzell 58 39 – – 6 2
Kirchenpflege Pfärrich 201 52 – – 26 61/8
St. Eulogipflege Wangen – 7
Andreaspflege Niederwangen – 34
Kirchenpflege Haslach – 14
Stadtpflege Wangen 52 30
736 301/2 87 41/2 363 4 1 1/4
Praßberg.
Kameralamt Wangen 3 30 – – 2 5 – 31/4
Fürst von Waldburg-Wolfegg 1359 22 24 – 315 4 18 53/4
Baron von Hundbiß – – – – 5 31/4
1362 52 24 – 323 41/4 19 1
|
Gefäll-Berechtigte. Geld. Naturalien:
Dinkel. Haber. Glatte Frucht.
fl. kr. Schfl. Sri. Schfl. Sri. Schfl. Sri.
Pfarrei Leupolz 12 3
FürstL. Sigmaringisches Amt Achberg – – – – 1 –
Hospital Bärenweiler 8 26 2 6 4 6
Kapellenpflege Herfatz 9 32
Kirchenpflege Leupolz 70 49 – – 23 6⅝
Kirchenpflege Pfärrich 30 34½
Kirchenpflege Karsee – 24½
Stadtpflege Wangen 2 17
134 6 2 6 29 4⅝
1362 52 24 – 323 4¼ 19 1
1496 58 26 6 353 ⅞ 19 1
Ratzenried.
Graf von Beroldingen 865 33 – – 327 – 13 2
Kaplanei Ratzenried – – – – 3 1¾
Kathol. Pfarr-Geistlichkeits-Präsenz
zu Ravensburg
– 35
Hospital Wangen – 34
Pfarrkirchenpflege St. Petri zu Deuchelried – 34 – – 3 5½
St. Martinipflege Wangen – – – – – 4
Hospitalpflege Isny – 34 – – 5 2
Kirchenpflege Merazhofen 1 10 – – – 4
Kirchenpflege Ratzenried 16 50 – – 7 3
Kirchenpflege Siggen 2 17
Kirchenpflege Waltershofen – 34 – – 5 2¾
Pfarrei Ratzenried 60 4 8 3 22 – 3 –
948 45 8 3 374 7 16 1
Rohrdorf.
Graf von Quadt-Isny 149 37 – – 240 3
Fürst von Waldburg-Zeil 74 23 – – 8 1
Kirchenpflege Isny – 41
Hospitalpflege Isny 1 26 – – 10 –
Kirchenpflege Rohrdorf – – – – 2 4
Landschaft Neutrauchburg 25 –
Leonhardi-Kaplanei zu Leutkirch 1 8
252 15 – – 261 –
Sammisweiler.
Fürst von Waldburg-Wolfegg 346 41 35 4⅓ 123 4¾
Fürst von Waldburg-Wurzach 229 18 35 – 87 6⅜
Fürst von Waldburg-Zeil 1 42
Pfarrei Kißlegg 4 – 6 – 6 6
Katharinen-Kaplanei Kißlegg 4 40 – – 25 2¼
Pfarrei Leupolz 2 –
Hospital Bärenweiler 78 57 7 1 30 3
Kirchenpflege Leupolz 20 –
Hospital zum heil. Geist in Kißlegg 66 24 9 4 17 6
St. Gallipflege zu Kißlegg 43 14
St. Ulrichspflege daselbst 1 21 – – 9 ¾
Stadtpflege Wangen 35 8
833 25 93 1⅓ 300 5⅛
Schweinebach.
Graf von Quadt-Isny 30 56 – – 56 5
Fürst von Waldburg-Zeil 18 40
St. Leonhardipflege Isny 116 4
Hospitalpflege daselbst 1 53 – – 5 4
167 33 – – 62 1
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Gefäll-Berechtigte. Geld. N a t u r a l i e n.
Dinkel. Haber. Glatte Frucht.
fl. kr. Schfl. Sri. Schfl. Sri. Schfl. Sri.
Siggen.
Fürst von Windisch-Grätz 288 28
Pfarrei Siggen 135 41/2
Kirchenpflege daselbst 6 451/2 – – – 3
430 18 – – – 3
Sommersried.
Fürst von Waldburg-Wolfegg 171 38 26 – 68 23/4
Fürst von Waldburg-Wurzach 293 17 54 5 107 21/4 1 –
Graf von Beroldingen 1 8 – – 5 3
Baron von Hundbiß – 34 – – 5 31/4
Frauenkloster Kißlegg – – – – 2 51/2
St. Katharinen-Kaplanei in Kißlegg 5 32 – – 20 6
Hospital Bärenweiler 117 24 8 6 15 6
Hospital Wangen 6 20
St. Nikolaipflege Sattel 6 34
Kirchenpflege Einthürnenberg 2 30
Kirchenpflege Immenried – – – – – 63/4
Spital zum heil. Geist in Kißlegg 9 10 4 37/8 7 71/4
Kirchenpflege St. Galli in Kißlegg 11 43 – – 5 11/8
Kirchenpflege St. Ulrich daselbst 2 11 – – 5 41/2
Kirchenpflege Waltershofen 14 8 – – 2 21/4
Stadtpflege Wangen 5 44 – – 21 4
647 53 93 67/8 268 65/8 1 –
Wiggenreute.
Fürst von Waldburg-Wolfegg 127 18 32 31/2 66 4
Fürst von Waldburg-Wurzach 148 11 45 41/4 91 4
St. Katharinen-Kaplanei in Kißlegg 1 8
Hospital Bärenweiler 8 34 – – 11 –
Kirchenpflege Einthürnenberg 4 39
Kirchenpflege Immenried 4 23
Hospital zum heil. Geist in Kißlegg 10 – 5 11/4 6 7
Kirchenpflege St. Galli daselbst 1 39 – – 5 73/8
Kirchenpflege St. Ulrich daselbst 1 40 – – 5 27/8
307 32 83 1 187 12/8
Winterstetten.
Fürst von Waldburg-Zeil 191 35
Graf von Quadt-Isny 4 34 10 – 11 7
Pfarrei Friesenhofen 21 –
Winklerisches Beneficiat zu Leutkirch – 11
Pfarrkirchenpflege Isny – 34
Spitalpflege daselbst 8 58 – – 41 –
Kirchenpflege Muthmannshofen 1 16
228 8 10 – 52 7
Hauptsumme     17.567 41 655 23/8 4881 43/8 59 7


Darunter sind die ständigen Frohnen in ihrem Geldanschlag begriffen, auch sind die Gegenleistungen der Grundherren und das im Kataster abgerechnete Fünftheil hier nicht abgezogen.

Durch den Vollzug der neueren Ablösungsgesetze wird übrigens ein Theil dieser Gefälle und Leistungen, besonders Frohnen, wegfallen.

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2. Staats- und kirchliche Einrichtung.
A. Eintheilung und Ämter.
a. Weltliche.
Der Oberamtsbezirk Wangen ist ein Bestandtheil des Donaukreises und wird von den gewöhnlichen Bezirksbehörden verwaltet, welche ihren Sitz in der Stadt Wangen haben. Nur das Forstamt befindet sich außerhalb des Bezirks, indem das diesseitige Revier Amtzell dem Forstamt Altdorf zugetheilt ist. In Isny befindet sich ein Amtsnotar und ein Unteramtsarzt. In Hoch- und Straßenbau-Sachen ressortirt der Bezirk von den Inspektionen in Ravensburg. Mit Ausnahme der Fürsten von Waldburg-Wolfegg und Waldburg-Wurzach haben die Grundherren auf die Ausübung der Gerichtsbarkeit und Polizei verzichtet. Die genannten Fürsten üben zwar ebenfalls keine Gerichtsbarkeit, haben aber für die Beaufsichtigung der Polizei- und Kommunalverwaltung in der sogenannten Vogtei Kißlegg (d. h. den Gemeinden Emmelhofen, Immenried, Kißlegg, Praßberg, Sommersried und Wiggenreute) eine gemeinschaftliche Bezirks-Polizeibehörde in dem K. Fürstl. Amt Wolfegg.[2] In forstlicher Beziehung sind die Gemeindebezirke Wolfegg’schen Antheils mit Ausnahme einzelner Parzellen der Forst-Verwaltung Wolfegg, die Waldburg-Zeil-Trauchburg’schen Gemeinden Beuren, Christatzhofen, Eisenharz, Friesenhofen, Großholzleute, Neutrauchburg, Rohrdorf und Winterstetten mit unbedeutenden Ausnahmen der Forstverwaltung Zeil zugetheilt. Bürgerliche Gemeinden zählt das Oberamt 26, wovon 6 in die zweite, die übrigen in die dritte Klasse fallen. Isny Stadt und Kißlegg sind die einzigen Gemeinden, welche gar keine Parzellen haben; aus den meisten kleinen Theilen zusammengesetzt sind: Deuchelried, Eglofs, Eisenharz, Praßberg, Sommersried und Pfärrich. Letztere ist die parzellirteste Gemeinde im ganzen Königreich; sie besteht aus 107 Weilern,| Höfen und einzelnen Wohnsitzen. – Standes- und grundherrschaftliche Rentämter befinden sich in Kißlegg, Neutrauchburg, Isny, Eglofsthal und Ratzenried.[3]


b. Kirchliche.

Sämmtliche katholische Kirchenstellen (24 Pfarreien mit 10 Kaplaneien) sind dem Dekanatamt Wangen untergeordnet. Einzelne Filialien auswärtiger Kirchen, die in der Ortsbeschreibung namhaft gemacht werden, gehören in die Dekanate Leutkirch, Ravensburg, Tettnang und Waldsee. Ebenso stehen einige Parzellen der Oberämter Leutkirch, Waldsee und Ravensburg als Filialien diesseitiger Pfarreien unter dem Dekanatamt Wangen.

Die einzige evangelische Gemeinde, Isny Stadt (mit zwei Pfarrern) gehört mit den Filialisten in der Stadt Wangen und in der Parzelle Blitzer zum Dekanat Ravensburg. Die evangelischen Einwohner in Amtzell und Krottenthal sind der Pfarrei Ravensburg ohnedieß zugetheilt.


B. Anstalten.
a. Schulen.
Eine lateinische Schule mit Einem Lehrer besteht in Wangen. Elementar- und Volksschulen katholischer Konfession finden sich 27 mit 29 Lehrern, darunter drei Filialschulen.| Die evangelische Schule in Isny hat 4 Lehrer. Industrieschulen bestehen überall, wo eine deutsche Schule ist. Auf dem Lande aber werden sie nur im Winterhalbjahr gehalten und nur von den Mädchen besucht. Wegen der Vereinödung ist jedoch der Besuch im Ganzen mangelhaft. Einer Unterstützung von dem Wohlthätigkeits-Verein erfreut sich keine der Industrieschulen. Handwerker-Sonntagsschulen wurden in Wangen und Isny gehalten. An ersterem Orte befinden sich auch eine Zeichnungs- und Musikschule. Die katholischen Schulen beaufsichtigt ein Schulinspektor, derzeit der Pfarrer in Rohrdorf, die evangelische Schule in Isny der Dekan in Ravensburg. Unverkennbar sind die Fortschritte, welche das Streben nach Verbesserung des Volksunterrichts in den letzten Jahrzehnten hervorgebracht hat.
b. Wohlthätige Anstalten.

Der Hospital nebst dem Armen- und Seelhaus in Wangen und der Hospital mit den Almosenpflegen in Isny dienen zur Unterstützung und Verpflegung armer und gebrechlicher Leute dieser beiden Gemeinden. Außerdem besteht in Isny eine Stiftung für arme Waisen. Für arme Wolfegg’sche Unterthanen sorgt ein Hospital in Kißlegg, für Wurzach’sche ein solcher in Bärenweiler. Auf dem Lande hat fast jede Gemeinde ihre besondere Armenpflege. Bei dem ziemlich gleichmäßig verbreiteten mittleren Wohlstand genügt jedoch oft schon der Wohlthätigkeitssinn Einzelner, die wenigen Nothleidenden zu unterstützen, s. oben S. 52.

c. Landwirthschaftliche Anstalten.

Des landwirthschaftlichen Vereines für das Allgäu, der sich jedoch nicht bloß auf den Oberamtsbezirk beschränkt, ist oben S. 57 Erwähnung geschehen.

d. Anstalten für Handel und Verkehr.
Postämter befinden sich in Wangen und Isny; an letzterem Orte ist der Poststall von der Expedition getrennt. Ein auf den Ravensburger Eilwagen influirender Wagen| verbindet Wangen und den ganzen Bezirk mit der Hauptstadt Stuttgart. Durch Wangen passiren auch die K. bayerischen Eilwagen von Lindau nach Augsburg und München. Außer den gewöhnlichen Amtsboten gehen Landboten durch den Bezirk, und zwar einer von Wangen nach Ravensburg und nach Isny, einer von Leutkirch nach Isny, und von da nach Kempten. Auch passirt die Oberamtsstadt der Lindauer Bote nach Memmingen und Augsburg.

Über die Jahr - und Wochenmärkte s. oben und Näheres in der Beschreibung der betreffenden Gemeinden.

Straßen und Brücken.
a. Landstraßen.

1) Die Straße von Leutkirch nach Wangen.

2) Die Straße von Wangen nach Lindau. Diese beiden sind bei weitem die frequentesten, besonders wegen des Getreidehandels an den Bodensee, der aus dem Bayerischen diesen Weg zieht.

3) Die Straße von Ravensburg nach Wangen und gegen Bregenz.

4) Die Straße von Wangen nach Isny. Diese Straße tritt eine halbe Stunde oberhalb der Stadt ins Bayerische, und erst bei Eglofsthal wieder ins Württembergische ein.

5) Die Straße von Tettnang nach Wangen.

6) Die Straße von Leutkirch nach Isny und gegen Kempten.

Diese sämmtlichen Straßen werden vom Staate unterhalten und sind, wenn auch theilweise etwas schmal, im Ganzen in einem befriedigenden Zustande. Die wenigsten Unebenheiten hat die Leutkirch-Isnyer Straße. Das Material ist das gewöhnliche Gerölle der Gegend. Die Ruthenzahl der durch das Oberamt ziehenden Straßen beträgt 21.171,2. Hierin ist der Etter-Betrag mit 1542,3 mitbegriffen.

b. Vicinalstraßen.
Amts-Korporations-Straßen bestehen keine; desto zahlreicher sind die den ganzen Bezirk nach allen Richtungen durchkreuzenden Verbindungssträßchen, welche von den Gemeinden oder auch einzelnen Parzellen unterhalten, zwar gewöhnlich sehr schmal, doch für leichtes Fuhrwerk vollkommen genügend und meistens ganz bequem zu befahren sind. Als die wichtigsten nennen wir:|
1) Die Wangen-Kißlegger Straße, über Praßberg an Sommersried vorüber.
2) Die Straße von Kißlegg über Immenried und Einthürnen nach Waldsee.
3) Die Straße von Kißlegg über Wiggenreute nach Wolfegg.
4) Die Straße von Kißlegg über Emmelhofen nach Zeil.
5) Die Straße von Kißlegg nach Gebratzhofen und Leutkirch.
6) Die Straße von Kißlegg nach Christatzhofen, Neutrauchburg und Isny.
7) Die Verbindungsstraße zwischen Friesenhofen und Großholzleute über Rohrdorf.
8) Die Verbindungsstraße zwischen Isny, Beuren, Enkenhofen, Göttlishofen, Ratzenried und Deuchelried.
9) Die Verbindungsstraße zwischen Ratzenried und Isny über Siggen, welche in Nr. 6 einmündet.
10) Die Verbindungsstraße zwischen Wangen, Deuchelried und Eisenharz.
11) Die Wangen-Wolfegger Straße über Leupolz.
12) Die Straße durch das Eschach- und Kreuzthal.

Das Areal sämmtlicher Straßen und Wege des Oberamts beträgt 21016/8 Morgen.

c. Brücken.

Brücken und Stege hat das Oberamt in genügender Anzahl. Die Staatsstraßen führen über zwanzig größere und kleinere Brücken, darunter sind die bedeutendsten die über die untere Argen bei Großholzleute, bei Rengers (Gem. Rohrdorf), bei Dürren auf der Straße nach Leutkirch, und bei Herfatz (Gem. Praßberg), über die obere Argen bei Eglofs und bei Wangen, über die Eschach bei Friesenhofen. Sämmtliche Brücken sind von Holz, die meisten, auch die der Vicinalstraßen, bedacht; offen sind die von Großholzleute und Eglofs.

Weggelder werden nirgends mehr erhoben. Pflastergeld beziehen die beiden Städte. Brückengeld bezahlt man in Wangen, Eglofs, Großholzleute und Rengers.

e. Sonstige Anstalten.
Eine Viehversicherungsanstalt hat in den Jahren 1829–31 bestanden, konnte aber wegen unzureichender Theilnahme nicht länger erhalten werden.| Seit 1827 ist eine Sparkasse für den Oberamtsbezirk errichtet; sie nimmt Anlehen von 5 fl. bis 400 fl. an von Dienstboten, Handwerksgehülfen, Kindern unter 15 Jahren, minderjährigen Pfleglingen, auch von sonstigen älteren oder gebrechlichen Personen, welche nicht über 1000 fl. Vermögen besitzen und entweder Oberamtsangehörige sind, oder im Oberamtsbezirk wohnen. Sie leiht die Gelder zu 41/2 pCt. gegen Versicherung wieder aus und zahlt von den bei ihr angelegten Kapitalien 4 pCt. Ihr Aktivbestand betrug
am Schluß des Rechnungsjahres 1838–39:   173.685 fl.

Ihre Passiven standen auf   161.573 fl.
Somit blieb ihr ein Reservefonds von   12.112 fl.
welchen die Oberamtskorporation, so lange er nicht 20.000 fl. beträgt, bis auf diese Summe verbürgt hat und der den Gläubigern zur Sicherheit dient.

3. Oberamts- und Gemeinde-Haushalt.
A. Oberamtspflege.
Seit dem Jahr 1828 bis 30. Juni 1840 ist das Vermögen der Oberamtskorporation von 1484 fl. auf 13.500 fl. gestiegen, wovon 11.700 fl. in Kapitalien angelegt sind. Liegenschaft besitzt die Korporation nicht; Schulden eben so wenig. Steuerrückstände von den Gemeinden an die Oberamtspflege, oder von dieser an die Staatskasse sind nicht vorhanden; auch sonstige Ausstände hat die Oberamtspflege nicht. Die jährlichen Ausgaben betragen nahe an 4000 fl., mit welchen die Besoldungen der Korporations-Beamten und Diener, die Rekrutirungkosten, ein Beitrag zu dem landwirthschaftlichen Verein (200 fl. vorerst auf 3 Jahre) und andere, kleinere, im Interesse der Bezirksverwaltung zu machende Ausgaben bestritten werden. Zu Deckung der Ausgaben werden als sogenannter Amtsschaden in der Regel 3500 fl. nach dem Verhältniß der Staatssteuer umgelegt; etwaige Überschüsse fallen dem Reservefonds oder dem Vermögen der Oberamtskorporation anheim. Die Amtsvergleichungskosten sind, außer den Feuerschaukosten, sehr| unbedeutend; sie betragen mit diesen kaum etwas über 250 fl. und werden besonders umgelegt. – Die der Korporation gesetzlich überlassenen Scortationsstrafen werden auf Unterstützung unehelicher Kinder verwendet, mit je 20 fl. für einen Knaben und 10 fl. für ein Mädchen. – Von der Garantie, welche die Oberamtspflege für die Sparkasse leistet, s. oben.
B. Gemeinde- und Stiftungs-Pflegen.
1. Vermögen der Gemeinden.
a. Verzinsliche Kapitalien 18.905 fl.
b. Sonstige Forderungen 647 fl.
Summe: 19.552 fl.
2. Schulden der Gemeinden.
a. Verzinsliche Kapitalien 23.608 fl.
b. Sonstige Forderungen 39 fl.
Summe: 23.719 fl.

Die Einkünfte ohne die Gemeinde-Umlagen betrugen im Jahr 1839–40: 19.867 fl., die Ausgaben: 39.349 fl., die Gemeinde-Umlagen: 20.124 fl.

Die Stadt Wangen ist die wohlhabendste Gemeinde. Von den 26 Gemeinden des Oberamts sind 18 ganz schuldenfrei, und die Schulden der übrigen 8 sind auch nur von geringem Belang. Im Jahr 1823 hatten die Gemeinden des Oberamts noch 156.327 fl. verzinsliche Schulden, die Steuerreste bei den einzelnen Pflichtigen waren 17.812 fl. Gegenwärtig betragen die letzteren nur einige hundert Gulden.

Das Vermögen der Stiftungen beträgt nach dem Stande des Jahres 1840 an baarem Geld und Kapitalien 498.650 fl., mit Einschluß des Kapitalwerths der Gefälle beiläufig 650.000 fl.; die Schulden derselben belaufen sich auf 2560 fl., die Einkünfte auf 43.346 fl., die Ausgaben auf 38.829 fl. Die reichsten Stiftungen besitzt die Stadt Isny, dann Wangen, Kißlegg, Pfärrich und Friesenhofen.

4. Kataster und Steuern.
Das Kataster des Oberamts beträgt mit Einschluß der Grundherrschaften von|
Grundeigenthum                         293.226 fl. 59 kr.
Gefällen 17.417 fl. 31 kr.
Gebäuden 2.038.575 fl.
Gewerben 4.810 fl. 26 kr.
2.354.029 fl. 56 kr.

Die direkte Steuer für das Jahr 1840–41 war an 2.000.000 fl.

Grundsteuer                               23.212 fl. 50 kr.
Gefällsteuer 1.480 fl. 15 kr.
Gebäudesteuer 4.313 fl.   2 kr.
Gewerbesteuer 3.270 fl. 52 kr.
32.276 fl. 59 kr.
Auf eine Quadratmeile kommen somit an Steuern 4747 fl. und auf eine Person 1 fl. 40 kr.|
Kataster der Grund- und Gefällherren,
das nicht unter dem Gemeinde-Kataster begriffen ist.
Grund- und Gefällherren Grund-
Kataster.
Gefäll-
Kataster.
Gebäude-
Kataster.
Gewerbe-
Kataster.
Grund-
Steuer.
Gefäll-
Steuer.
Gebäude-
Steuer.
Gewerbe-
Steuer.
fl. kr. fl. kr. fl. kr. fl. kr. fl. kr. fl. kr. fl. kr. fl. kr.
Fürst v. Waldburg-Wolfegg 2500 1 3622 – 11.100 – – – 212 30 307 52 22 9 – –
Fürst v. Waldburg-Wurzach 1072 56 1905 38 900 – – – 91 12 161 58 2 4 – –
Fürst v. Waldburg-Zeil 1257 7 2529 42 5975 – 50 8 106 51 215 – 16 30 34 6
Fürst v. Windisch-Grätz 1343 5 718 8 4000 – – – 114 9 61 2 14 19 – –
Fürst v. Fürstenberg – – 7 48 – – – – – – – 40 – – – –
Graf v. Quadt-Isny 2214 30 3144 51 12.175 – 202 42 188 14 267 19 30 40 137 50
Graf v. Beroldingen 1029 25 701 58 10.525 – 55 3 87 30 59 40 20 20 37 26
Freiherr v. Pappus – – 72 – – – – – – – 6 7 – – – –
Summe:     9417 4 12.702 5 44.675 – 307 53 800 26 1079 38 106 2 209 22


  1. ↑ In der ganzen Vogtei Kißlegg z. B. finden sich nur zwei Erblehen, eines in Reipertshofen (Gem. Emmelhofen), das andere in Kißlegg.
  2. ↑ Das Nähere s. in der Ortsbeschreibung von Kißlegg.
  3. ↑ Vom Jahr 1806 an, nachdem der jetzige Oberamtsbezirk, mit Ausnahme der ehemaligen Reichsstadt Wangen und ihres Gebietes und der Herrschaft Ratzenried, an Württemberg angefallen war, bildeten diese sämmtlichen Territorien einen Theil des Oberamtes Altdorf und mit diesem des Kreises Altdorf, und zwar gehörten die unmittelbaren (ehemals landvogteilichen und Weingartenschen) Theile zu den Unterämtern Pfärrich und Karsee, die mittelbaren zu dem Patrimonialamt Amtzell, den Patrimonial-Obervogteiämtern Eglofs, Isny, Kißlegg-Wolfegg mit Praßberg, Kißlegg-Wurzach, Neuravensburg und Waldburg-Zeil-Trauchburg. Bald aber wurden die Patrimonialämter aufgehoben, die mittelbaren Territorien vom Oberamt Altdorf getrennt und in einem eigenen Oberamt Isny vereinigt. Endlich wurde (1810) nach der Acquisition von Wangen (nebst dem größten Theil seines Gebiets) und Ratzenried der Oberamtsbezirk in seiner jetzigen Gestalt gebildet, der Landvogtei am Bodensee einverleibt, und in den unmittelbaren Oberamtsbezirk mit 12, und das Unteramt Isny mit 13 Schultheißereien eingetheilt. Nach manchem Wechsel wurde endlich ums Jahr 1830 die jetzige Eintheilung in 26 Gemeinden festgesetzt.