Das Faß des Hasses


[94]
LXXV
DAS FASS DES HASSES


Der hass ist bleicher Danaïden fass ·
Die rache mag mit händen rauhen roten
Ins leere dunkel schütten ohne lass
Aus grossen kübeln schweiss und blut der toten.

5
Geheim durchlöchert böse hand die schlünde ·

Sie gösse tausendjähriger fleiss nicht voll
Und wenn auch jedes opfer neu erstünde
Und neu verblutete vor seinem groll.

Der hass ist wie der trinker in der schänke:

10
Er fühlt wie durst entsteht aus dem getränke

Und gleich der Hydra sich verhundertfältigt.

Doch weiss der trinker wer ihn bald bewältigt –
Und für den hass bestimmt die schwere strafe
Dass niemals unterm tische er entschlafe.