Der Abschied (1799)


[232]
Der Abschied.

Den 20ten Juny 98.


Dicht wob der Linde säuselnd Dach
     Den Schatten um mich her,
Es schäumte silberklar der Bach
     Vom schilfumrankten Wehr,

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Mit dunklem Purpurlicht umgoß

     Das Abendroth den Hayn,
Und rosig in der Quelle floß
     Der zarte Widerschein.

Und wie die Welle sank und schwoll

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     So hob mir unbewußt

Sich schmerzlich jetzt und ahnungsvoll
     Die tiefbewegte Brust.
Vom lieblich duftenden Gesträuch
     Vom buntbeblümten Moos

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Pflückt ich die Blüthe, brach den Zweig

     Sie sammelnd mir im Schoos.

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Und weil ich träumte schlang die Hand
     Ein blühendes Gewind’,
Es schien der Freude lächelnd Pfand

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     Und war der Wehmuth Kind,

So gieng ich schweigend durch den Gang
     Der still und einsam war,
Das grünende Gewinde schlang
     Ich um den Felsaltar.

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Den zarten Wesen war der Kranz

     Mit frommem Dank geweiht
Die nächtlich hier der luft’ge Tanz
     Im Abendthau erfreut.
Ihr Nimpfen, die ihr diesen Quell

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     Wie Frühlingsblüthen leicht

Und wie des Mondes Strahlen hell
     Im Dämmerlicht entsteigt,

Wenn ihr gehüllt in süßen Duft
     Um diese Pappeln schwebt,

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So gönnt mir daß die laue Luft

     Mein Name leis durchbebt.

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So sprach ich und die Welle schwoll
     Am Ufer hoch empor,
Es stieg aus ihr so anmuthsvoll

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     Die Nimpfe mir hervor.


Der Zephyr küßt ihr goldnes Haar
     Ihr bläuliches Gewand,
Sie schwebte leicht zu dem Altar
     An dem ich bebend stand.

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Sanft strahlt ihr glänzend Angesicht,

     Ihr feuchtes Auge winkt
Gewährung, doch sie redet nicht
     Sie seufzet und – versinkt.

F ***