Der Schuft

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 Der Schuft
 VON LILY GRÜN

Jede Frau, die im Leben gefällt
Und die was auf ihre Vergangenheit hält,
Hat irgendwann mal einen Schuft gehabt.
Ich spreche hier nicht so überhaupt und allgemein,

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Daß jeder einzelne von ihnen ein Schwein ist — nein,

Ich meine den, der ausgerechnet damals kam,
Als man sich zum erstenmal das Leben nahm,
Als man eben aufhören wollte zu existieren,
Und gerade dabei war zu konstatieren,

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Daß auf dieser Welt alles dumm und verkehrt ist

Und kein einziger Mensch etwas wert ist.
Da kam er und war einfach unwiderstehlich
Und wir mußten langsam und allmählich
Und trotz enormem Widerstreben

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Wieder gerne leben!


Das dauerte so ein Jahr oder zwei
Und dann war eines Tages alles vorbei.
Eines Morgens hatte er einfach genug,
Ganz ohne Grund. Wir wurden niemals daraus klug.

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Bedenken Sie doch, Frauen wie wir es sind,

Halb rührendes Weib, halb dämonisches Kind,
Mit männlichem Geist und Ehrgefühl
Und dazu noch wandelndes sex appeal,
Konnte, durfte einer verlassen! —

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So einen Kerl kann man nur hassen!

Aber selbst wenn wir mit Geist und Psychologie
Dies alles verstehn,
Eins verstehn wir ja nie:
Warum in wenigen Tagen, Wochen und Stunden

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Alles, was nett und lieb war, verschwunden

Und was übrig blieb, war einzig und allein
Ein ganz brutales, gemeines Schwein. —
Das haben wir uns furchtbar zu Herzen genommen
Und sind dann darüber hinweggekommen.

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Sehen Sie, meine Herrschaften, das ist ein Schuft.

Und eine Frau, die bereits dreißig vorbei,
Wer, wo oder was sie auch sei,
Und die sagt, sie habe niemals nie den leisesten Anflug von einem Schuft gehabt,
Von dieser Frau behaupte ich glatt,

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Egal, wie sie aussieht, lacht oder spricht:

Mit dieser Frau stimmt etwas nicht!