Der alte Dessauer (Fontane)


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Der alte Dessauer.


     Ich will ein Lied euch singen!
Mein Held ist eigner Art:
Ein Zopf vor allen Dingen,
Dreimaster, Knebelbart,

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Blitzblank der Rock vom Bürsten

Und jeder Knopf wie Gold, –
Ihr merkt, es gilt dem Fürsten,
Dem alten Leopold.[1]

     All’ Wissenschaft und Dichtung

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Sein Lebtag er vermied,

Und sprach er je von „Richtung“,
Meint’ er in Reih’ und Glied;
Statt Opern aller Arten
Hatt’ er nur einen Marsch,

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Und selbst mit Schriftgelahrten

Verfuhr er etwas barsch.

     Nicht mocht’ er Phrasen thürmen
Von Fortschritt, glatt und schön,
Er wußte nur zu stürmen

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Die Kesselsdorfer Höh’n;

Er hielt nicht viel vom Zweifel,
Und wen’ger noch vom Spott,
Er war ein dummer Teufel,
Und glaubte noch an Gott.

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     Ja, ja, er war im Leben

Beschränkt, wie man’s so heißt,
Und soll ich Antwort geben,
Warum mein Lied ihn preist?
Nun denn, weil nie mit Worten

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Er seine Feinde fraß,

Und weil ihm rechter Orten
So Herz wie Galle saß.

     Wir haben viel von Nöthen
Trotz allem guten Rath,

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Und sollten schier erröthen

Vor solchem Mann der That;
Verschnittnes Haar im Schopfe
Macht nicht allein den Mann, –
Ich halt’ es mit dem Zopfe,

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Wenn solche Männer dran.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Leopold I. (1676–1747), genannt der Alte Dessauer.