Der botanische Garten der Universität

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II. DER BOTANISCHE GARTEN DER UNIVERSITÄT.
Von E. Eibel.


Bei der Neuanlage des Gartens im Jahre 1879 wurde in erster Reihe darauf ausgegangen, eine Sammlung richtig benannter, in gutem Kulturzustande befindlicher, technisch und wissenschaftlich wichtiger Pflanzen so anzuordnen, dass sie einmal dem Botaniker leicht übersichtlich erscheinen, dann aber auch den Garten- und Blumenfreund erfreuen. Mit Rücksicht hierauf und auf den geringen Raum von nur etwa 4 Morgen sind die meisten Bäume und Sträucher an die äussersten Grenzen des Gartens verwiesen; nur wenige, welche sich der nahen Verwandtschaft wegen nicht anderswo anbringen liessen, haben zwischen den einjährigen und ausdauernden Pflanzen ihren Platz gefunden. Dem wissenschaftlichen Zwecke des Gartens entsprechend, sind die einzelnen Gruppen nach Familien angeordnet; und ebenso hat man nahe verwandte kleinere Familien, der bequemen Bewirthschaftung wegen, zu Gruppen vereinigt. Nur so weit ausgedehnte und zahlreiche Verwandtschaften wie Compositen und Gramineen sind für sich allein zusammengefasst. Einzelne Pflanzen, welche tiefen Schatten oder sonstige Vorbedingungen zu ihrem Gedeihen beanspruchen, wurden ohne Rücksicht auf ihre artliche Zusammengehörigkeit unter andere Pflanzen vertheilt. Desshalb sind auch die Alpenpflanzen im Freien zum Theil in der südwestlichen Ecke des Gartens auf mehreren unregelmässigen Steinhügeln angebaut, während andere, in Töpfe gesetzt, sich am Südende [184] des Gartens in einem besondere Beete mit dem nöthigen Schatten von einer die Grenze bildenden Tannenhecke befinden. Die einheimischen oder doch hier ausdauernden Wasserpflanzen haben in einem grossen runden Wasserbecken vor den Gewächshäusern ihre Stelle gefunden; ein anderer Theil gedeiht in ähnlichen Wasserbehältern an verschiedenen Stellen des Gartens. Aus diesen Becken wird auch das Wasser zum Begiessen der Topfpflanzen entnommen, während das Besprengen mittelst Schläuchen aus fünf Hydranten der städtischen Wasserleitung erfolgt. Die Nordseite des Gartens nehmen mehrere Anzucht- und Ueberwinterungskästen ein, sowie einige Reservequartiere für verschiedene Kulturen. Seit 1895 wurde der Garten durch Ueberweisung eines dreieckigen Geländestreifens jenseits des durchfliessenden Gewerbebaches und der Johanniterstrasse erweitert. Auf diesem Stücke werden ausser einjährigen Pflanzen, Stauden und Gehölzen diejenigen Gewächse gebaut, welche zu Versuchszwecken dienen, während die äusserste Spitze eine grössere Anzahl Sumpf- und Wasserpflanzen beherbergt.


II. STOCK

I. STOCK
Grundriss des botanischen Gartens.


Die südlich des Institutsgebäudes aus Stein und Eisen sehr massiv erbauten Gewächshäuser sind in zwei Theile getheilt. Während die östlich gelegene, mit doppelter Verglasung versehene Hälfte die Pflanzen der warmen Zone enthält, beherbergt die einfach verglaste westliche [185] Seite die Pflanzen der subtropischen Gegenden. Die Beheizung erfolgt durch eine Warmwasser-Niederdruckanlage und zwar ist für die warme und kalte Abtheilung je ein besonderer Kessel aufgestellt. Das in der Mitte befindliche, von Norden nach Süden gerichtete Gewächshaus wird im Sommer zur Zucht von tropischen Wasserpflanzen verwendet, während im Winter verschiedene Gewächsarten hier Aufnahme finden. Zwei kleine Häuser dienen zu Versuchen und Vermehrungen.

Die Lüftung der grossen Gewächshäuser geschieht von der nördlichen Gallerie aus, wo die Fenster des kleineren nördlichen Sattels beweglich sind, diejenige der in der Mitte liegenden höheren Abtheilung durch Transmissionen auf dem Speicher des Institutsgebäudes. Die kleinen Sattelhäuser werden ebenfalls durch eigens dazu eingerichtete Transmissionen ventilirt. Die Bedeckung gegen Kälte und feuchten Niederschlag geschieht bei den niedrigen Häusern durch Deckläden von geöltem Segeltuch, doch werden neuerdings auch imprägnirte Stoffe dazu verwendet.

Botanisches Institut der Universität.

Das in deutscher Renaissance errichtete Institutsgebäude[WS 1] enthält in seinen unteren Räumen die Wohnung und das Bureau des Gärtners, [186] während die im zweiten Stock gelegenen Räume den Zwecken des botanischen Unterrichts dienen. Hier befindet sich das Zimmer des Directors, das Laboratorium mit den Sammlungen und Präparaten und endlich der Hörsaal, welcher Raum für etwa 70 Hörer bietet. Er ist nach Motiven der Kornhalle zu Endingen in altdeutschem Stil ausgeführt; heute jedoch erinnern nur noch die beiden Säulen an den ursprünglichen Schmuck, da der frühere bunte und dunkele Anstrichschon längst aus practischen Gründen hat beseitigt werden müssen. Erbauer des Institutes und der Gewächshäuser sind der verstorbene Fürstlich Fürstenbergische Baurath Kerler und der jetzige Zeichenlehrer-Inspector Architect Otto Hasslinger in Karlsruhe. Die äusseren gärtnerischen Anlagen und die inneren Einrichtungen der Gewächshäuser sind nach Plänen des derzeitigen Directors Geh. Hofrath Hildebrand durch den Verfasser dieses Aufsatzes ausgeführt worden.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Institusgebäude