Die Herz-Jesu-Kirche im Stühlinger

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DIE HERZ-JESU-KIRCHE IM STÜHLINGER.
Von M. Meckel.


Südöstliche Ansicht.

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Grundriss.

[388] Die Herz-Jesu-Kirche, ein Werk des Opfersinnes der Freiburger Katholiken, wurde nur aus Vermächtnissen und milden Beiträgen erbaut. Schon seit geraumer Zeit hatte die starke Zunahme der Bevölkerung, verbunden mit der Erweiterung des westlichen Stadttheiles, das Bedürfniss nach einer neuen katholischen Pfarrkirche in diesem Bezirke wachgerufen, da die Martinskirche für die Bewohnerzahl der ausgedehnten Pfarrei längst zu klein geworden war und die grosse Entfernung des Stühlinger von dieser Kirche, die ihm als Pfarrkirche zugetheilt war, nicht minder als ein Missstand empfunden wurde.

Der erste Schritt zur Einleitung ein Neubaues geschah im Jahre 1884, als am Feste der Stadtpatrone Lambertus und Alexander ein provisorisches Comitee zur Förderung der Kirchenbaufrage zusammentrat, nachdem vier Jahre vorher der Domcustos Ludwig Wanner ein Legat von 93,000 Mk. für eine neue Kirche im Westen der Stadt letztwillig vermacht hatte. Dieses erste Grundkapital wurde im Jahre 1886 durch das Vermächtniss des Erzbischofs Johannes Baptista Orbin um den Betrag von 110,000 Mk. erhöht. In Erinnerung an die beiden Stifter erhielt der Kirchenbauverein, der zur Erstellung der neuen Stühlinger Pfarrkirche inzwischen gebildet war und diese in der Folge durchgeführt hat, den Namen »St. Johann-Ludwig-Verein«.

Der jenseits der Bahn, im Westen der Stadt, frei gelegene Kirchenplatz wurde im Jahre 1890 von der Stadtgemeinde Freiburg durch Tausch erworben, welche dafür den bereits im Jahre 1886 für die Weststadtkirche angekauften, in der Folge aber wieder fallen gelassenen Bauplatz an der Ecke der Rhein- und Bismarckstrasse erhielt, auf dem jetzt die Hildaschule steht.

Der erste Spatenstich zu dem Bau, der nach dem Plane und unter der Leitung des erzbischöflichen Baudirectors Max Meckel ausgeführt wurde, erfolgte am 10. Juni 1892, die Einweihung der Kirche am 2. Mai 1897.

Die Kosten des Rohbaues betrugen 547,000 Mk.; hierzu kommen als Kosten der Altarmensen, des Gestühls und der sonstigen, vorläufig auf das Nothwendigste beschränkten inneren Einrichtung 17,000 Mk., ferner diejenigen der Glasmalereien der Fenster, welche alle durch Wohlthäter gestiftet wurden, mit 36,000 Mk., so dass die Gesammtkosten der Kirche, wie sie jetzt dasteht, 600,000 Mk. betragen. Die Rohbaukosten vertheilen sich auf die Kirche (ohne Thürme) mit 352,000 Mk., auf das Thurmpaar und den dazwischen liegenden Theil des Mittelschiffes mit dem Hauptgiebel mit 195,000 Mk.; das ergibt für den Kubikmeter umbauten Raumes (vom Kirchenboden bis Oberkante Dachgesims [389] der betreffenden Bautheile gerechnet), ohne Inbau und Glasmalereien, 16,20 Mk., des Thurmpaares mit der Giebelfaçade 31,00 Mk. Die bebaute Grundfläche der Kirche einschliesslich Umfassungen und Strebepfeiler beträgt 1643 qm, die innere Bodenfläche, ohne Orgelempore, 1100 qm; die Orgelempore hat mit den oberen Thurmhallen 123 qm, die Sakristei mit den Nebenräumen 64 qm Bodenfläche. Die Sakristei enthält ausserdem im Oberstocke einen Katechisationssaal von 40 qm Bodenfläche.

Die Thurmfaçade misst 24 m in der Länge, jeder Thurm 8 m im Geviert. Das Mittelschiff hat eine lichte Weite von 9 m bei einer Höhe von 20 m vom Fussboden bis Dachgesims; die Seitenschiffe messen 4,50 m im Lichten bei 8 m Höhe. Die ganze Lichtweite der Kirche beträgt in den Schiffen 21 m, im Querschiffe 31,30 m, die Gesammtlänge von der Vorderfaçade bis zum Chorschluss im Innern 58,50 m, im Aeusseren 61 m. Die Höhe vom Boden bis zu den Thurmgiebeln ist 40 m, bis zu den Knäufen 60 m; der Dachreiter trägt sein Kreuz 42,5 m über dem Kirchenboden.

Der Grundriss der Kirche zeigt eine dreischiffige Kreuzanlage mit weit vorspringenden Querschiffen, einem mit sieben Seiten des Zehnecks zeltartig abschliessenden Hauptchor und vier halbrunden Nebenchor-Absiden. Die letzeren liegen je eine in den Achsen der Seitenschiffe und in den Westwänden der Querschiffflügel. Die Kirche hat also ausser dem Hauptaltar noch einen Seitenaltar. Wegen ihrer Lage konnte die Ostung des Chores nicht eingehalten werden, derselbe ist vielmehr nach Westen und die Thurmfaçade nach Osten, der Stadt zu, gerichtet.

Die sieben Gewölbejoche des Mittel- und Querschiffes sind quadratischen Grundrisses und mit einfachen Kreuzgewölben überspannt; auf je ein Mittelschiffjoch entfallen zwei Joche der Seitenschiffe, welche zwischen den Hauptpfeilern durch je eine schlanke gekuppelte Säule getheilt, ebenfalls quadratisch und mit Kreuzgewölben geschlossen sind. Die Seitenschiffe setzen sich westlich von der Vierung in zwei Jochen bis zu den Nebenabsiden fort. Das Thurmpaar steht in der Achse der Seitenschiffe, wie denn überhaupt die Achsentheilung beim Grundriss strenge durchgeführt ist. Die Thurmhallen, wie die mittlere Vorhalle, in deren Querachse südlich die mit einer Concha geschlossene Taufkapelle liegt, sind durch weite Bogenöffnungen mit dem Kircheninnern verbunden. Eine den Nordthurm flankirende Spindeltreppe von 2 m Lichtweite bildet den Aufgang zur Orgelbühne, zum Dachboden und den oberen Thurmstockwerken.

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Thurmfaçade in geometrischer Zeichnung.

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Querschnitt.

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Südwestliche Ansicht.

Die Sakristei ist auf der Südwestseite der Kirche dem dort liegenden Nebenchor freiliegend angebaut und mit ihm durch eine geräumige Vorhalle verbunden. Sie ist im Hauptraum 8 m lang und 5 m breit und hat auf der Westseite ebenfalls eine Concha mit Altar; eine Spindeltreppe führt von Innen, wie unmittelbar von der Strasse, in den Oberstock.

Die Kirche fasst bei voller Besetzung etwa 2400 Plätze, davon in den Bänken 850 Sitz- und Knieplätze, der Rest sind Stehplätze. Sie [393] hat ausser dem Sakristeieingang fünf Eingänge (drei an der Ostfaçade) mit zusammen 9,20 m Lichtweite. Auf jeden Meter Lichtweite entfallen daher bei voller Besetzung 260 Personen.

Nordwestliche Ansicht.

Der Querschnitt zeigt die basilikale Hochschiffanlage. Die Mittelschiffhöhe ist das Zweieinhalbfache der Seitenschiffhöhe, der [394] Lichtgaden konnte daher mit hohen und breiten Hochschiffsfenstern versehen werden. Der Boden der Orgelempore liegt 8 m über dem Kirchenboden. Das Hochschiffsgewölbe wird durch eine doppelte Strebebogenanlage, eine unter und eine über dem Seitenschiffdach, gegen die äusseren Pfeiler abgestützt. Das Dach ist im Bindersystem mit doppeltem Hängewerk construirt.

Die Thurmfaçade zeigt bei genauer Beobachtung der oberen Thurmstockwerke, vom Dachgesims des Hochschiffes aufwärts, Abwechselungen in der architectonischen Ausbildung der jeweiligen Stockwerke. Diese Abwechselung ist bei allen Thurmseiten so durchgebildet, dass man stets zwei oder drei der verschieden gebildeten Seiten zugleich sieht. Auch bei anderen Bautheilen, wie bei den Querschiffgiebelseiten u. dergl. ist diese Abwechselung in der architectonischen Ausbildung durchgeführt, nicht minder allenthalben im Detail und Ornament, wie man das bei mittelalterlichen Kirchen, namentlich bei solchen aus der Uebergangszeit, bekanntermassen fast ausnahmslos antrifft.

Der Stil der Kirche ist der rheinischen Uebergangszeit entnommen mit einem starken Schritt einzelner Bautheile, namentlich des Hochchores, in die entwickeltere Gothik. Man hat mit zweifelhaftem Rechte geglaubt, des nahen Münsterthurmes halber für diese Kirche den romanischen oder spätromanischen Stil wählen und dem Architecten vorschreiben zu müssen, dessen Handschrift die gothische ist, die er denn in der Detailausbildung des Bauwerkes selbstverständlich auch nicht verleugnen konnte.

Das Material ist Sandbruchstein für das Mauerwerk, Wertheimer Mainsandstein für die Hausteinarbeit, Backstein, zum Theil rheinische Tuffsteine, für die Gewölbe und rothe Flachziegel, zum Theil farbig glasirt, für die Dachdeckung, welche in Doppeldeckung auf hölzerner Dachconstruction aufliegen. Der innere Bodenbelag besteht aus reliefirten Thonfliesen nach mittelalterlichen Mustern, wie solche von einigen Thonwaarenfabriken neuerdings angefertigt worden.

Die Behandlung der Façaden ist Hellputz auf den Wandflächen mit rother Sandsteineinfassung; in gleicher Weise ist vorläufig bis zur farbigen Ausmalung auch das Innere behandelt, dem die schönen Glasfenster jedoch schon jetzt einen wirksamen Schmuck verleihen.

Die Fenster des Lichtgadens und der Sakristei sind mit musivischer Bleiverglasung in Antikglas, alle übrigen mit Glasmalereien versehen, von denen die grossen Chorfenster mit den fünfzehn Rosenkranzgeheimnissen, die Rosen der Querschiffe und des Hauptgiebels der Ostfront mit den Darstellungen der Apostelbilder, der sieben Sakramente [395] und der Werke der Barmherzigkeit, ferner die Lichtgadenfenster im Chorjoche mit der Herz-Jesu-Figur und der Himmelskönigin mit dem Schutzmantel inmitten von Heiligenfiguren – die Diöcesanpatrone und Patrone der Hauptstifter – Arbeiten von Professor Fritz Geiges, die Fenster der Nebenchöre, Seitenschiffe, Vorhalle und Taufkapelle mit Heiligenfiguren und legendarischen Darstellungen aus der Glasmalerei von Helmle & Merzweiler dahier hervorgegangen sind.

Die Herz-Jesu-Figur im Hauptgiebel, sowie die Evangelisten-Symbole in der äusseren Umrahmung der südlichen Querschiffrose und der Christuskopf des grossen Schlusssteins des Chorgewölbes sind von Bildhauer Julius Seitz dahier, während Bildhauer Hermann Jehs in Frankfurt a. M. die ornamentalen Bildhauerarbeiten der Kapitelle, Friese u. s. w. modellirt und ausgeführt hat.

Im Bogenfelde des Hauptportales fehlt noch die dahin als Mosaikbild geplante Majestas Domini und auf der Console des Mittelpfeilers die Muttergottesstatue, für welche Stifter noch nicht gefunden wurden. Ebenso ermangelt die Kirche noch der Glocken, der Orgel und des Inbaues, mit Ausnahme der Bänke und Altarmensen. Für Hochaltaraufsatz und Kanzel dienen zunächst Provisorien, während von den vier bereits gestifteten Seitenaltären zwei im Laufe dieses Jahres noch aufgestellt werden. Auch mit der inneren Ausmalung soll in diesem Sommer, zunächst im Johannes- und Marienchörle, ein Anfang gemacht werden. Die Entwürfe hierzu wurden von Historienmaler Martin in Kiederich gefertigt.

Für das Geläute sind ausser der im Vierungs-Dachreiter bereits hängenden Signaturglocke sechs Glocken mit einem Gesammtgewicht von etwa 250 Centner in Aussicht genommen, wovon die grösste, 80 Centner schwere, sowie die kleinste bereits gestiftet sind. Die Glocken werden voraussichtlich im nächsten Jahre beschafft werden können.

Der Kirchenplatz harrt noch der Fertigstellung und einer dem Bauwerke entsprechenden architectonischen Ausbildung, wie sie auf dem Grundriss angegeben ist, die Kirche selbst aber noch des Ausbaues der sie umgebenden Strassen und Quartiere, damit der Beschauer an den näherliegenden Gebäuden einen Maasstab für sie finde, den er bei ihrer jetzigen Lage vermisst.

So ist die Herz-Jesu-Kirche noch kein fertig abgeschlossenes Werk und es fehlt noch Manches zu ihrer Vollendung. Das mag aber zukünftigen Zeiten überlassen bleiben, denn auch diese haben ein Anrecht darauf, zu der Ausstattung eines Gotteshauses beizutragen, welches bestimmt ist, Generationen zu dienen. Nur so ist es bei [396] beschränkten Mitteln möglich, Mittelmässiges oder gar Unwerthes, vor Allem aber die Fabrikwaare, aus unseren Kirchen fern zu halten und höhere Ziele bei ihrer Ausstattung zu gewinnen.