Die Industrie-Anlagen

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Schmiedeisernes Oberlicht in der städt. Alterhümersammlung.


IV. DIE INDUSTRIE-ANLAGEN.
Eisengiessereien und Werkstätten für Metallbearbeitung.
Von H. Fauler.

Die Wasserkräfte der zahlreichen Schwarzwaldflüsse und Bäche haben schon früh dazu geführt, in Freiburg und dessen nächster Umgebung industrielle Niederlassungen zu schaffen.

Im Mittelalter waren dies hauptsächlich die sehr entwickelten Gewerbe der Granatschleiferei und Gerber, an welche sich später Blech- und Waffenschmieden, Seiden- und Baumwollspinnereien sowie in jüngster Zeit Papierfabrikation und die eigenartige grosse Porzellan-Knopf- und Perlenfabrikation sowie endlich ausgedehnte Cementwaarenfabriken anreihten. Zahlreiche mechanische Werkstätten, ursprünglich meist für den Bedarf der Umgegend arbeitend, befassen sich neuerdings mit der Anfertigung von Specialitäten und ergänzen das Bild gewerblicher Thätigkeit des badischen Oberlandes auf das Vortheilhafteste.

Die Gewinnung von Eisenerzen und der Betrieb des Eisenhüttengewerbes im badischen Oberlande reicht nachweisbar bis in das 9. Jahrhundert zurück. Hierzu boten die Thoneisenstein- und Bohnerzlager bei Kandern ein vortreffliches Rohmaterial, welches, mit Holzkohlen verhüttet, wegen seiner Vorzüglichkeiten sehr geschätzt war. Die Verarbeitung zu Schmied- und Walzeisen mittelst Frischfeuer erfolgte in Kollnau und im Höllenthal. Das gewonnene Material fand lohnenden Absatz im Lande selbst und in der Schweiz.

[064] Durch die Einführung des Puddlings-Betriebes trat unter dem Einflusse wachsenden Wettbewerbes durch stetiges Weichen der Eisenpreise bei gleichzeitig sich erhöhenden Kosten für Arbeitslöhne und Brennstoffe, ein rascher und bedeutender Rückgang ein. Im Jahre 1874 wurde den Hüttenbetrieb eingestellt, wodurch auch der Eisenbergbau sein Ende fand. Die Eisenindustrie beschränkt sich nunmehr lediglich auf Giesserei- und Hammerwerksbetrieb. Letzterer wird noch im Höllenthal (Falkensteig) zur Anfertigung von Achsen, Radringen, Pflugtheilen etc. ausgeübt, während in Freiburg selbst zwei grössere Eisengiessereien in Verbindung mit mechanischen Werkstätten eine ziemliche Ausdehnung besitzen.

Die älteste Firma Ph. Ant. Fauler, seit 60 Jahren im Höllenthal bestehend, errichtete 1864 in Freiburg i. B. die erste Eisengiesserei und vergrösserte sie seitdem mehrfach. Sie beschäftigt mit dem Hammerwerk im Höllenthal gegen 120 Personen und fertigt mit ihren Kupolöfen eigenen Systems Maschinenguss bis zu 7000 kg Stückgewicht, Bau- und Handelsguss; als Specialitäten werden hergestellt: Jauchepumpen Originalsystem Fauler (über 100,000 Stück gefertigt) sowie Jauchevertheiler und Werkstättenöfen eigenen Systems. Mit dieser Giesserei verbunden ist eine Brückenbauanstalt. Ferner werden Eisenconstructionen jeder Art ausgeführt. Die mechanische Werkstätte betreibt allgemeinen Maschinenbau nebst Herstellung von Transmissionen, Wasserrädern und Krahnen.

Das zweite Werk, Grether & Cie., besteht seit 25 Jahren und beschäftigt gegen 80 Arbeiter. Seine Besonderheit sind Feuerspritzen und Schlauchkupplungen eigenen Patentes, neuestens noch Petroleummotor-Feuerspritzen.

Von den zahlreichen mechanischen Werkstätten seien noch gennant B. Raimann, Specialität: Holzbearbeitungsmaschinen; W. Lederle, Pumpenfabrik in grosser Ausdehnung; W. Kromer, Fassspundfabrik mit eigener Tempergisserei; Th. Kromer, Kassenschlossfabrik eigenen Systems; M. Bossert, mechanische Werkstätte verbunden mit Waffenschmiede; Osk. Bissier, Feilenfabrik und Schleiferei; A. Bühne & Cie., Specialität: Stahlspähnefabrikation; A. Beierle, Eisenconstructionen, Kunst- und Bauschlosserei; F. Brombach, Werkstätte für Eisenconstructionen, Specialität: Centralheizungs- und Ventilationsanlagen. Sodann verdient Erwähnung die aus der Firma O. Hettich hervorgegangene, seit 1807 in Betrieb getretene Actiengesellschaft Fahradwerke Freiburg, deren Erzeugnisse sich allseitiger Anerkennung erfreuen.

Eine grössere Anzahl von Betrieben befassen sich eigens mit der Anfertigung von Installationseinrichtungen; gennant seien hier die [065] Firmen F. Stockert Nachf., M. Stockmann, Lassen & Cie., J. N. Dorfmeister u. A.

Endlich sei hier der bedeutenden staatlichen Eisenbahnbetriebswerkstätten gedacht, welche etwa 136 Arbeiter beschäftigen.

Werkstätten für Cementarbeiten.
Von J. Brenzinger.

Pavillon auf dem Aquarium im Stadtgarten.

Die Cementindustrie begann in Freiburg mit dem Jahre 1860. Anfänglich wurden neben den gewöhnlichen Cementböden auch Cementfliesen für Bodenbelag in verschiedenen Farben und Mustern angefertigt.

Im Beginne der 70er Jahre trat die Herstellung von Cementröhren hinzu, die nach und nach einen grossen Aufschwung nahm und in den 80er Jahren, als die städtische Canalisation begann, den zwei hier ansässigen Firmen bedeutende Aufträge brachte.

Das Absatzgebiet erstreckt sich zur Zeit auf das badische Oberland, den Schwarzwald und zum Theil auf das Elsass.

Zugleich mit dem steigenden Bedarfe an Röhren entwickelte sich der Betonbau. Besonders zu erwähnen sind da die Gasometer des städtischen Gaswerks und der erst im Jahre 1896 fertig gestellte Hochbehälter der städtischen Wasserleitung, dessgleichen eine Anzahl grösserer und kleinerer Bauten auf dem Rieselfeld.

Die von der Grossh. Kulturinspection für Gemeinden fortgesetzt zur Ausführung gelangenden Wasserleitungen bieten zur Uebernahme von Hochbehälter-Bauten immer Gelegenheit.

Die Anfertigung von Cement-Dachplatten wird hier sein 20 Jahren durch das Haus A. Krems mit Erfolg betrieben.

[066] In Folge des Aufschwunges, den die Bauthätigkeit nach 1870 nahm, entwickelte sich auch die Kunststein-Fabrikation[1].

Durch die saubere Ausführung, und die täuschende Nachahmung des Natursteines in Gefüge und Farbe mehrt sich der Verbrauch fortwährend, so dass ganze Bauten aus Kremsstein erstellt werden.

Die im Cementfache eben beschäftigten Arbeiter erreichen, abgesehen von den Nebenbetrieben (Stuccatur und Asphalt), die Zahl von rund 300 Mann.

Holzbearbeitungsanlagen.
Von A. Krumeich.

Als Sägewerke von bedeutender Ausdehnung sind neben anderen die Freiburg-Haslacher Säge, die Kronensäge und diejenige von Philipp Stadler zu nennen, welche alljährlich ganz bedeutende Massen geschnittener Hölzer den einzelnen Industriezweigen zuführen.

Die zahlreichen Bau-, Parquett- und Möbelschreinereien, welche fast alle mit den neuesten Arbeitsmaschinen und Kraftbetrieben ausgerüstet sind, haben für ihre Erzeugnisse zum Theil in Freiburg selbst wegen der stetigen Zunahme besserer Bauten ein gutes Absatzgebiet, während ein anderer Theil in anderen Städten des In- und Auslandes verwendet wird.

Das bedeutendste Unternehmen der letzgenannten Art, welches wohl auch den grössten Antheil an dieser Ausfuhr hat, ist die Hofmöbelfabrik von Adolf Dietler in Freiburg. Sie wurde gegründet im Jahre 1857 in der Salzstrasse Nr. 10 und später durch Ankauf verschiedener Häuser in der Salz- und Grünwälderstrasse entsprechend erweitert und vergrössert. In den 80er Jahren wurde ein dreistöckiges Fabrikgebäude errichtet, in welchem insbesondere die Holzmöbel-Fabrikation und die Herstellung von feineren Bauschreinereien, wie Holzplafonds, Täfelung und Treppen betrieben werden.

Im Jahre 1896 erwies sich eine weitere Vergrösserung als nothwendig, welche durch Hinzuziehung eines beträchtlichen Grundstückes in der Gerberau erreicht wurde. Es ist dort ein sehr stattlicher Bau in modern gothischem Styl aufgeführt worden, welches theils zur Ausstellung, theils zu Arbeitszwecken verwendet wird.

Der Maschinenbetrieb erfolgt mittelst Dampfkraft. Gleichzeitig werden auch die Fabrikräume und die Trockenanlagen durch Dampf geheizt. – Die Holzlager befinden sich theilweise in unmittelbarer Nähe der Fabrik, zumeist jedoch auf dem in der Nähe des Waldsees gelegenen grossen Platze.

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Geschäftshaus Adolf Dietler in der Gerberau.

Die Fabrik beschäftigt gegenwärtig ungefähr 100 Arbeiter. Sie ist durch ihr Atelier für architectonische Entwürfe, Holzbildhauerei, Decoration, Polsterei und durch die Verwendung der besten Kräfte in Bau- und Möbelschreinerei in der Lage, allen Anforderungen der Innendecoration zu entsprechen. Die von ihr ausgeführten Einrichtungen für das grossherzogliche Schloss in Luxemburg, das fürstlich Schaumburg-Lippe’sche Schloss in Bückeburg, das fürstlich Hohenzollern’sche Schloss in Sigmaringen, sowie die Lieferungen für die königlichen Schlösser in Stockholm und Bukarest, ferner die vielen Villenausstattungen im In- und Auslande geben Zeugniss von der hervorragenden Leistungsfähigkeit des Hauses.

Ferner sind es die Rollladen- und Kehlleistenfabrik Mayer; die [068] Holzdreherei, Rahmen- und Möbelfabrik Rombach & Hettler; die Bürstenhölzerfabrik Bosenmeier und die Schuhleist- und Stiefelhölzerfabrik Fischer, welche, mit den besten Maschinen und Kraftbetrieben versehen, ihre Erzeugnisse nach den verschiedensten Gegenden verschicken.

Einen hervorragenden Platz in der Holzindustrie nimmt die Orchestrion-Fabrik M. Welte & Söhne ein. Sie wurde im Jahre 1833 zu Vöhrenbach im Schwarzwalde gegründet und im Jahre 1873 nach Freiburg verlegt. Als Specialität wählte sie die Spieluhrenfabrikation, einen Industriezweig, der um die Mitte des vorigen Jahrhunderts im Schwarzwalde sich entwickelt hatte. Anfänglich erschienen die Spieluhren als einfache Uhren mit Glockenspiel oder tanzenden Figuren; diese wurde vorzugsweise nach Holland ausgeführt. Gegen Ende des vorigen Jahrhunderts wurden an Stelle der Glocken Pfeifen gesetzt, die Tonleiter wurde etwas erweitert und zwar im Umfange der menschlichen Stimme, und es entstanden sogenannte Flötenuhren, welche einfache kurze Arien spielen konnten. Sodann erfolgte die Einführung weiterer Pfeifen, um eine Begleitung zu der leitenden Stimme zu gewinnen. Es kam ferner die Vergrösserung durch ein zweites Register hinzu, so dass auch Piano und Forte markirt werden konnte. Um die Vervollkommnung der Spieluhren nun hat sich neben andern Meistern Michael Welte, der Gründer der heute weltbekannten Firma M. Welte & Söhne, die grössten Verdienste erworben. Ihm gelang es nach vielen Bemühungen und rastlosen Versuchen, die Instrumente durch eine immer grössere Präcision der Mechanik, Mannigfaltigkeit der Klangfarbe und Schönheit der Töne zum selbstthätigen Musikwerke, dem nunmehringen Orchestrion, umzugestalten.

Schon im Jahre 1849 erging unter anderen Anerkennungsschreiben ein solches von Grossherzog Leopold von Baden an den Fabrikanten Welte, und auch in der weiteren Fortentwickelung des Orchestrions bis zu seiner heutigen Vollkommenheit hat die genannte Firma die Führung behalten. Die Fabrik ist mit allen Maschinen zur Holz- und Metallbearbeitung versehen. Eine 36pferdige Dampfkraft besorgt den Antrieb der einzelnen Maschinen und des Dynamos, welcher dem ganzen Gebäude das elektrische Licht beschafft.

Die Heizung der Räume und der Trockenanlagen erfolgt mittels Dampf.

Umfangreiche Lager in einheimischen und fremden Holzarten liefern das nöthige Rohmaterial in bester Beschaffenheit.

Eine gutgeschulte Arbeiterschaft von etwa 80 Mann ist bei der Herstellung der Kunstwerke betheiligt.

[069] Die Billardfabrik und Parquetterie von B. & J. Hegner Söhne wurde im Jahre 1857 durch den jetzt verstorbenen Zimmermeister Bernhard Hegner gegründet, welcher in der Hauptsache Parquettbodenfabrikation und Bauschreinerei betrieb, jedoch sich auch bald mit der Herstellung von Billards befasste. Durch die rührige Geschäftsleitung des Gründers und seiner Nachfolger wurden beide Industriezweige stetig gefördert, so dass die Fabrik heute in die erste Reihe dieses Faches gerückt ist.

Eine 40pferdige Dampfmaschine liefert die Kraft. In zwei geräumigen Trockenkammern wird das zur Verwendung kommende Holz getrocknet. Die Fabrik ist mit elektrischer Beleuchtung versehen. Die Leistungsfähigkeit beträgt jährlich gegen 14,000 Quadratmeter Parquettboden.

Einer besonderen Beliebtheit jedoch erfreuen sich die Hegner’schen Billards, welche mit peinlichster Genauigkeit ausgeführt sind und auf Wunsch mit einer Stellvorrichtung versehen werden, so dass das Billard, in Wohnräumen aufgestellt, das Angenehme mit dem Nützlichen verbindend, als Spiel- und Esstisch Verwendung finden kann.

Die Arbeiterzahl schwankt zwischen 50 und 60 Mann.

Die Fournirfabrik von Ludwig Jaeger trat als Sägemühle mit Fournirsägerei im Jahre 1834 in das Leben. Sie stellte im Jahre 1861 als erste in Deutschland eine Fournir-Messermaschine auf. Heute sind etwa 25 Arbeiter und 18 Arbeiterinnen beschäftigt. Das Werk wird mit Wasser- und Dampfkraft betrieben. Haupterzeugnisse sind Messerfournire aus einheimischen und ausländischen Hölzern, sowie feine Sägwaaren aus Harthölzern.

Textilindustrie.
Von A. Krumeich und F. Sachs.

Die Textilindustrie ist in unserer Stadt durch folgende Etablissements vertreten:

1. J. B. Krumeich, Baumwoll-Spinnerei, -Zwirnerei und -Färberei. Die Fabrik wurde gegründet als Färberei im Jahre 1837. Gegenwärtig beschäftigt sie 30 Arbeiter und 75 Arbeiterinnen, welche zum Theil in den der Fabrik gehörigen Arbeiterwohnungen untergebracht sind. Der Betrieb geschieht durch Wasser- und Dampfkraft. Die Haupterzeugnisse sind baumwollene, rohweisse und gefärbte Web- und Strickgarne.

2. Joh. Bapt. Adler, Wollspinnerei und Wattfabrik. Die Fabrik besteht seit dem Jahre 1858. Sie wird mit Wasserkraft betrieben und [070] beschäftigt durchschnittlich 12 Arbeiter. Ihre Erzeugnisse sind vorwiegend Woll- und Baumwollenwatte.

In diese Gruppe gehört ferner noch 3. die Kunstwollfabrik von Wertheim & Pollock in Haslach-Freiburg.

Seidenindustrie betreiben die Firmen:

4. Carl Mez & Söhne, Seiden-Zwirnerei und -Färberei. Die Fabrik ist gegründet im Jahre 1834; die verwendeten Wasser- und Dampfkräfte betragen zusammen ca. 80 Pferdekräfte. Die Zahl der Arbeiter beläuft sich auf etrwa 400, welche zum Theil in den der Fabrik gehörigen Häusern wohnen.

Mit der Fabrik verbunden ist eine eigene Färberei. Hergestellt werden: Nähseide, Maschinenseide, Stickseide, Stickbaumwolle und poröse Unterkleider.

Zweigniederlassungen bestehen in Christophthal bei Freudenstadt, Münsterthal bei Staufen und Hasel bei Schopfheim.

5. Mez Vater & Söhne (Gustav Mez), Nähseidefabrik, gegründet 1834. Die Fabrik arbeitet mit Wasser- und Dampfkraft von ca. 40 Pferden, sie beschäftigt z. Zt. etwa 200 Arbeiter. Die Haupterzeugnisse sind Seidenzwirne, sowohl roh als in eigener Färberei gefärbt.

Ausser dem Hauptgeschäft besitzt die Firma mehrere Filialen auf dem Schwarzwalde.

Im Anschlusse an die Textilindustrie möge die grosse Porzellanknopf-Fabrik von Risler & Co. hier Erwähnung finden, obgleich sie eigentlich den keramischen Betrieben beizuzählen ist. Sie trat Ende 1847 in’s Leben und beschäftigt jetzt gegen 400 Arbeiter. Im Hauptgeschäfte wird mit Dampfkraft gearbeitet, während die Erdenmühlen der Firma in Neuershausen und an der Dreisam bei Freiburg mit Wasserkraft betrieben werden. Erzeugt werden Knöpfe und Perlen aus Porzellan.

Die Fabrik besitzt Arbeiterwohnungen für 100 Familien, damit ist ein Mädchenheim, eine Kinderbewahranstalt und eine Arbeiterspeiseanstalt verbunden; auch besteht für die Arbeiter ein Consumverein.

Bierbrauereien.
Von A. Zimmermann.

Der Uebergang des in dem kurzen Zeitraume von fünfzig Jahren völlig umgestalteten Braugewerbes zum fabrikationsweisen Betriebe fand erst in dem zweiten Drittel unseres Jahrhunderts statt. – Bevor dieser Umschwung eintrat, den Deutschland dem wachsenden Wohlstande nach Beendigung der Napoleonischen Kriege und der Gründung [071] des Zollvereins zu verdanken hatte, war der Absatz des Bieres und auch dessen Beschaffenheit, besonders in unserem weinreichen Freiburg, gering. Leider ist aus Freiburgs Vergangenheit keine Aufzeichnung bekannt, welche näheren Aufschluss über das Braugewerbe gäbe, das doch im 16. Jahrhundert schon an vielen Orten Deutschlands auf einer sehr hohen Stufe der Entwicklung stand.

Die erste Erwähnung in Freiburger Acten geschieht im Jahre 1778. Tritt in unserer Zeit das Münchener und Pilsener Bier mit dem einheimischen in einen lebhaften Wettbewerb, so bestand ein solcher auch schon in jener Zeit; nur kam das eingeführte Bier damals von Waldkirch, Donaueschingen und Strassburg. — Die der Küferzunft zum »Oftinger« untergeordnete »Braumeisterschaft« beklagt sich in obengenanntem Jahre beim Rathe der Stadt über diese Einfuhr fremder Biere, durch welche sie sich sehr geschädigt sähe. Die Brauer beziehen sich auf ihre Berufsgenossen in »Donauöschingen, die dem Bierbrewer von Bräunlingen, als selber Bräunlinger Bier zur Verfailung nacher Donauöschingen brachte, das Bier an der Stelle auslaufen lassen und die Fässer in Stücke haben zerschlagen dürfen«. — Jedoch der Rath unterstützt diesen Concurrenzneid nicht, sondern empfiehlt den Brauern, durch Erzeugung eines guten Bieres, »dessen innerliche Güte dahiessige Bürgerschaft und das gesammte Publicum satisfazieren möchte«, die Einfuhr zu verhindern und das Braugewerbe zu heben. – Dies gelingt den Biersiedern jedoch anscheinend nicht; denn 18 Jahre später wehren sie sich energisch gegen die Uebertragung der Brauereigerechtsame auf eine neuzuerstellende Braustätte, welche der Zunftmeister Fähndrich, der Gründer der nachmaligen Mühlberger’schen Brauerei, seinem Sohne Sebastian in dem gräfl. Kageneck’schen Hause am Lehener Thörle, »Haus zum Stuhl« geheissen — dem heutigen »Sinnergarten« – errichten lassen will. Sie begründen ihren Einspruch damit: »dass bey der gegenwärtigen Wohlfeilheit des Weines bereits niemand Bier trinkt und dass zwey bis drey von unseren Bräustätten meistentheils leer stehen müssen, da die Anzahl von gangbaren Bräumeisterschaften für unseren kleinen Ort wirklich schon zu übersetzt ist, als dass mehrere als zwey bis drey ihr Brod dabey finden könnten«. — Ganz nach und nach, mit dem Wiederaufblühen der Stadt, entwickelt sich das Braugewerbe, bis es schliesslich den heute behaupteten Rang als bedeutender Industriezweig in unserer Stadt einnimmt.

Anziehend ist es, die Entwicklung der Freiburger Brauereien zu verfolgen.

Den Ursprung der heutigen Löwenbrauerei Sinner, die heute drei [072] Hauptbrauereien des alten Freiburg in sich vereinigt, finden wir in der Löwengasse.

Grundriss der Löwenbrauerei L. Sinner (Kellergeschoss).

Martin Kuenzer ersucht im Jahre 1792 den Magistrat um Abgabe von Bauholz, »zur Reparation« seines vom Zunftmeister Wagner gekauften, »und bei näherem Untersuch gar sehr verwahrlosten Bierhauses hinter dem Römischen Kayser«. Das Haus hiess »Zur Veste«, heute Löwenstrasse No. 8. – Im Jahre 1817 kauft er das Nachbarhaus »zum Hammel« dazu, welches dem Biersieder Spinnhirn gehört, und betreibt in beiden Geschäften das Braugewerbe. – Im Jahre 1841 ging dieses Brauhaus in den Besitz des J. Buck über, wechselte Anfangs der [073] 80er Jahre mehrmals den Besitzer, bis es endlich im Jahre 1887 von Louis Sinner erworben wurde.

Grundriss der Löwenbrauerei L. Sinner (Erdgeschoss).

Das bereits oben erwähnte, vom Zunftmeister Fähndrich errichtete Brauhaus in der Jesuitengasse – heute Bertholdstrasse 44 – das sechs Jahre einem von Dettenbach am Neckar zugezogenen Biersieder Namens Schmeckambecher gehörte, ging im Jahre 1814 in den Besitz eines Joseph Kuenzer über, blieb 68 Jahre Eigenthum der Kuenzerschen [074] Familie und wurde im Jahre 1885 gleichfalls von Louis Sinner erworben.

Nachdem die ehemals Kuenzer’sche Brauerei und diejenige in der Löwenstrasse, welch’ letztere im Stühlinger ihren Keller hatte, in einer Hand vereinigt waren, mussten die Betriebe zusammengelegt werden. Der Besitzer entschloss sich desshalb, da der Bau einer Brauerei in der Stadt der werthvollen Grundstücke wegen nicht räthlich erschien – auch schwerlich die Genehmigung der Stadtverwaltung erhalten haben würde – weiteres Gelände in der Nähe des schon vorhandenen Kellers im Stühlinger zu erwerben, um auf diesem Platze nach den neuesten Erfahrungen der Technik eine grosse Brauerei zu erstellen.

Um den schräg zur Clarastrasse auf freiem Felde liegenden alten Keller herum, der auch heute noch seiner Bestimmung dient, wurden nun weitere Keller und Gebäude der neuen Löwenbrauerei ausgeführt.

Theilansicht des Mälzereigebäudes.

Im Erdgeschoss dieser modernen »Biersiederei« liegt, wenn wir den Hof durch die Einfahrten an der Clarastrasse betreten, im rechten Flügel das Sudhaus, daran nach hinten anstossend ein geräumiger Vorplatz mit den Malzaufzügen und Treppen. Weiter nach hinten befindet sich das Dampfkesselhaus und die grosse Maschinenhalle. Hier sind zwei Dampfmaschinen aufgestellt mit zusammen 200 Pferdekräften; die Linde’schen Eismaschinen sind direct an die Dampfmaschinen angekuppelt. – Neben dieser Halle ist der Raum für die Condensatoren und die sog. Süsswasserkühler, daneben für die Generatoren zur Eiserzeugung. Hieran anstossend und bis zur Rennerstrasse gehend liegt der geräumige Pferdestall mit den nöthigen darüber befindlichen Speichern. Auf der anderen Seite des Hofes – gegenüber dem Sudhaus – sehen wir längs der Clarastrasse zunächst die verschiedenen Bureaux und dann den grossen Ausschank. Im zweiten Stockwerk ist der grosse Saal für festliche Gelegenheiten und die Wohnung für den Braumeister [075] und den Zäpfler untergebracht. Gegen den Hof zu befinden sich, im Hochparterre gelegen, die Schwenkhalle für Transportfässer, die Abfüllerei und Verladerei; auf den im Hofe befindlichen Verladerampen werden nicht nur diejenigen Wagen beladen, welche die einheimische Kundschaft bedienen, sondern auch die Eisenbahnwagen für die Ausfuhr, da das Bahngeleise, welches die Brauerei mit der Staatsbahn verbindet, bis hierher sich erstreckt.

Schnitt durch den Hof der Löwenbrauerei mit Ansicht nach der Stühlingerstrasse.

Unter den obengenannten Räumlichkeiten liegen die Speicher für die Hopfenvorräthe und für die Brauutensilien. In der südwestlichen Ecke der Liegenschaft steht die grosse Mälzerei. Hier wird aus der Gerste, welche von Lastfuhrwerken oder von den Eisenbahnwagen unmittelbar mit Aufzügen oder mit Becherwerken auf die Gerstenreinigungs- und Sortirmaschine gebracht wird, der neben dem Wasser wichtigste Stoff des Bieres, das Malz erzeugt. – Die Mälzerei ist eine sogenannte pneumatische, nach dem System Galland. Beinahe ohne Menschenkräfte wird hier mit genau regulirbaren Maschinen und Apparaten das Malz hergestellt, welches nach dem letzten Prozess, der Röstung, in den grossen Silos oder auf den Speichern bis zur Verwendung lagert. – Den Abschluss des Hofes gegen die Rennerstrasse bildet die sogenannte Picherei, in der die Transportgebinde gepicht, d. h. mit einem dünnen Pechüberzug im Innern versehen werde. Unter all’ diesen Räumlichkeiten und fast unter dem ganzen Hofe befinden sich die Gähr- und Lagerkeller. Letzere, welche 25,000 Hectoliter durchschnittlich bergen, werden jahraus, jahrein mit der Kühlmaschine auf 1° Reaumur, erstere – um die Gährung nicht zu sehr zu verlangsamen – auf 4° R. gehalten. – Wenn im Allgemeinen der Satz gilt: »Stillstand ist Rückgang«, so [076] ist das auch im Brauwesen der Fall, und bei jeder Anlage wird von vornherein eine etwaige spätere Vergrösserung berücksichtigt. So ist es auch hier geschehen. Im Plan des Parterre- und Kellergrundrisses ist die beabsichtigte Vergrösserung: ein zweites Sudhaus, Dampfkesselhaus, Maschinenlocal für eine weitere grosse Dampfmaschine mit Kühlmaschine, sowie weitere Stallungen etc., – angegeben, mit welcher Neuanlage aber nicht nur die Vergrösserung des Betriebs erzielt wird, sondern vor Allem auch die weitgehendste Gewähr für Verhütung aller etwa möglichen Betriebsstörungen gegeben ist.

Grundriss der Ganter’schen Brauerei (Kellergeschoss).

Die dritte in den Besitz der Sinner’schen[WS 1] Brauereigesellschaft übergegangene Brauerei ist die vormals Hassler’sche (Weberstrasse 14 und 16) zugleich die Stammbrauerei der jetzigen Brauerei Renz. — Im Jahre 1798 betrieb ein Jacob Gramm die Biersiederei in der Webergasse. Er besass vor dem Christophsthor einen Bauplatz, auf dem er eine Scheuer und Stallungen baute; 20 Jahre später kaufte er das alte Zollhaus dazu und erhielt vom Rathe die Erlaubniss zur Errichtung einer Brauerei, die er selbst betrieb, während sein Sohn das Geschäft in der Weberstrasse weiter führte. Im Jahre 1861 erwarb Christian Renz die an der Kaiserstrasse gelegene Brauerei, welche jetzt Eigenthum der Sinner’schen Actiengesellschaft ist, jedoch für sich betrieben wird.

[077] Aehnlich in der Anlage, wie wir sie oben im einzelnen beschrieben haben, ist die zweitgrösste Brauerei, diejenige der Ganter’schen Brauereigesellschaft an der Schwarzwaldstrasse. Sie wurde im Jahre 1848 von Karl Schalk errichtet, der das »Haus zum Kind Jesu« in der Schiffgasse dazu erwarb; im Jahre 1871 kam das Geschäft in den Besitz von Louis Ganter, der die Brauerei im Jahre 1883, dem Bedürfniss der Vergrösserung entsprechend, in die Schwarzwaldstrasse verlegte. – Die Einrichtung ist, wie gesagt, von derjenigen der Sinner’schen Anlage nicht viel unterschieden; nur ist hier das System der Malzbereitung ein etwas anderes. Während nämmlich in der Sinner’schen Mälzerei die Gerste in geschlossenen Trommeln den sog. Keimprozess durchmacht, vollzieht sich dieser Vorgang hier in einem sog. Keimthurm, der aus übereinander angeordneten Kästen zusammengesetzt ist.

Grundriss der Ganter’schen Brauerei (Erdgeschoss).

Die Inselbrauerei, zwischen der Gerberau und der Grünwälderstrasse gelegen, und östlich vom Theaterplatz begrenzt, bestand schon vor 100 Jahren. Sie gehörte damals einem Cölestin Emhard, blieb vom Jahre 1800 ab im Besitze einer Familie Tränkle, wechselte in den 60er und 70er Jahren mehrmals den Eigenthümer, bis sie im Jahre 1879 Julius Feierling erwarb, in dessen Privatbesitz sie sich heute noch befindet. – Auch diese Brauerei hat in den letzten Jahren einen bedeutenden [078] Aufschwung genommen. Durch Aufstellung von Eismaschinen und Anlage grosser Kellereien ist sie gegenüber den obengenannten Grossbrauereien nach jeder Richtung hin fähig zum Wettbewerb. – Ist sowohl in der Löwen- als auch in der Ganter’schen Brauerei das Ammoniak das kälteerzeugende Mittel, so wird hier die Kohlensäure zur Kellerkühlung verwendet. Diese Brauerei, sowie diejenige von Heitzler an der Merianstrasse, welche auch mit Kühlmaschine System Linde versehen und ebenfalls nach den neuesten Erfahrungen, – wenngleich im Raume etwas beschränkt, – eingerichtet ist, decken ihren Malzbedarf aus auswärtigen Malzfabriken.

Schnitt durch das Sudhaus und Mälzerei der Ganter’schen Brauerei.

Anders verhält es sich mit der Neumeyer’schen Brauerei, die ihr Malz in ihrem Etablissement an der Schwabenthorstrasse nach altem System auf sog. »Tennen« selbst herstellt. Diese Brauerei hat ihr Sudhaus und ihre Kellerei an der Schwarzwaldstrasse. – Zu diesen, der Grösse ihrer Production nach mittleren Brauereien, gehört noch die Zähringer’sche Brauerei an der Starkenstrasse, die aber ihre Kellerei noch vollständig mit Natureis kühlt.

Der Vollständigkeit wegen wollen wir noch die kleineren Brauereien hier anführen, die alle ihr Bier zum grossen Theil in ihren eigenen Häusern verzapfen. Diese sind: Rommel’sche Schlossbergbrauerei, im Jahre 1841 von Franz Schaich auf dem ehemals von Greiffenegg’schen Gute errichtet, die Roth’sche Brauerei zur Wolfshöhle an der Convictstrasse, die Dold’sche Brauerei an der Zähringerstrasse, die Grünling’sche an der Bertholdstrasse und endlich die Brauerei von Herr an der Schlossbergstrasse.

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Riegeler Bierablage (Façaden-Ansicht).

Riegeler Bierablage (Grundriss).

Wie wir schon eingangs bemerkten, hatten von jeher die hiesigen Braustätten unter der Einfuhr von auswärts zu leiden. Obwohl die Stadtverwaltung – auf wiederholte dringende Beschwerden und Bitten der hiesigen Braumeisterschaft hin – im Jahre 1812 die Einfuhr auswärtiger Biere untersagte, so konnte sie doch dieses Verbot nicht lange aufrecht [080] erhalten, und heute ist der Andrang fremder Biere jedenfalls grösser als je. Nicht nur die weltberühmten Münchener und Pilsener Brauereien haben hier ihre eigenen Schanklocale, sondern auch die in nächster Nähe von Freiburg gelegenen Brauereien: Brauereigesellschaft, vormals Meyer & Söhne in Riegel, Brauereigesellschaft, vormals Krumm & Reiner in Waldkirch, Actienbrauerei Dinglingen und die Brauereigesellschaft Bercher in Altbreisach, welch’ letztere die ehemals Mühlberger’sche Brauerei in der Schiffstrasse, eine der ältesten Freiburger Brauereien, – das Haus hiess vor 100 Jahren »Zum Ackerbau« – zu ihrer Niederlage und zum Hauptausschank erworben hat.

Für die Riegeler Bierablage zu Freiburg i. Br. ist das Gebäude in der Schnewlinstrasse Nr. 5, 7, 9, 11, 13 am Güterbahnhof gelegen, im Jahre 1895 nach den Plänen des Architecten Hch. Theodor Schmidt in Frankfurt a. M. durch den Architecten Fried. Ploch in Freiburg i. B. ausgeführt worden. Es dient ausschliesslich zu Geschäftszwecken der Firma: Brauereigesellschaft Meyer & Söhne in Riegel.

Im ersten Stock sind rechts und links die Räume für die Flaschenbierhändler gelegen; im Mittelbau befinden sich Comptoir, Wohnung des Depothalters und die Stallungen; im rechten Flügel der Eiskeller.

Im zweiten Stock sind Heuspeicher und Wohnungen für Angestellte untergebracht.

Cichorienfabrik. – Fabrik moussirender Weine.
Von F. Sachs.

Kuenzer & Cie. in Freiburg i. B., Cichorien- und Schaumweinfabrikation, gegründet 1819. Die Cichorinfabrik beschäftigt während des Jahres ständig gegen 100, in der Zeit der Cichorien-Champagne (October–November) jedoch etwa 170 Arbeiter.

Die Cichorienfabrikation findet sowohl in der Zähringerstrasse No. 16, als auch in der Wilhelmstrasse No. 20 statt. In beiden Betrieben wird Wasser- und Dampfkraft verwendet. Die Erzeugnisse sind Kaffeesurrogate in verschiedenen Arten.

Die Schaumweinfabrikation wird in der Zähringerstrasse No. 16 betrieben. Die Herstellung des Schaumweines erfolgt aus Trauben der besten Lagen Badens nach französischer Methode. In diesem Betriebszweige sind 9 Arbeiter beschäftigt.

Die Firma hat für sämmtliche Arbeiter eine eigene Speiseanstalt und eigene Betriebskrankenkasse, ausserdem Wohnungen für etwa 50 Arbeiter.

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FASSADE »ZUM MEYERHOF« FREIBURG i. Br.

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Papierverarbeitung und Druckereien.
Von F. Sachs.

Das Hauptgeschäft dieser Gruppe ist

1. die Papierfabrik von Ferd. Flinsch, welche auf der Stelle einer schon seit vielen Jahren betriebenen Papiermühle steht. Im Jahre 1892 ging sie in Besitz einer Commandit-Gesellschaft über, deren Commanditärin die Firma Risler & Co. ist. Sie arbeitet mit Wasser und Dampf von etwa 200 Pferdekräften und beschäftigt gegen 100 Arbeiter.

Die Haupterzeugnisse sind holzfreie Schreib- und Druckpapiere sowie Normalpapiere.

Die Fabrik ist zur Zeit im Umbau begriffen. Sie wird durch Aufstellung neuer Motoren auf eine Kraftanlage von rund 500 Pferden und durch Aufstellung einer neuen Papiermaschine auf die dreifache Leistungsfähigkeit gebracht werden.

Eine Specialfabrikation betreibt

2. die Fabrik technischer Papiere von Richard Schwickert, welche im Jahre 1890 gegründet wurde. Sie arbeitet mit Dampfkraft und beschäftigt gegen 30 Arbeiter; ihre Haupterzeugnisse sind Lichtpauspapiere für technische Zwecke.

Ferner besteht hier noch

3. die Pappendeckelfabrik von Hermann Strohm.

Die bedeutendsten Druckereien am hiesigen Orte sind:

1. die Herder’sche Druckerei und Verlagsbuchhandlung hier, 2. Buchdruckerei von Friedr. Wagner, zugleich Verlag der Breisgauer Zeitung, 3. Universitäts-Buchdruckerei von H. M. Poppen & Sohn, zugleich Verlag des ältesten hier erscheinenden Blattes, der im Jahre 1784 gegründeten »Freiburger Zeitung«, 4. Buchdruckerei von C. A. Wagner, zugleich Verlag des Freiburger Tagblattes, und andere mehr.

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Schmiedeisernes Oberlicht vom Hause No. 14 der Löwenstrasse.


V. HEIZUNG UND BELEUCHTUNG.
Centralheizungs-Anstalten.
Von O. Scharschmidt.

Die Erkenntniss, dass die Centralisation einer technischen Anlage gegenüber dem Einzelbetriebe ganz erhebliche Vortheile bietet, führte dazu, auch Wohnräume von einer Centralstelle aus zu beheizen.

Zuerst gelangte die Central-Luftheizung, später die Wasserheizung zur Anwendung und seit einigen Jahren ist es die Niederdruckdampfheizung, welche den Aufenthaltsorten der Menschen die erforderliche Wärme liefert. Sie hat sich seit neuerer Zeit durch die einfache und handliche Art der Bedienung solche Beliebtheit verschafft, dass sie jetzt im Norden und Westen Deutschlands fast ausschliesslich noch in Frage kommt.

In Süddeutschland jedoch und hauptsächlich hier in Freiburg hat diese Beheizungsweise nur allmählich und wesentlich später Anwendung und Verbreitung gefunden, was einestheils in der geringeren Industrieentfaltung, sodann auch in dem grossen Holzreichthume des Schwarzwaldes begründet ist. Es bestehen wohl seit einer Reihe von Jahren einige Geschäfte für Centralheizungsanlagen, doch sind diese nur Vertetungen grösserer Heizfirmen.

Nachdem drei Jahre lang ein Centralheizungsgeschäft von dem Ingenieur Franz Brombach im bescheidensten Rahmen geführt war, wurde im Jahre 1897 eine grössere, sehr erweiterungsfähige Fabrik in der Merzhauserstrasse erbaut.

Anmerkungen

  1. Die Abbildungen Seite 65 und 92 (Art. Plakatwesen) stellen Arbeiten aus der Fabrik von Brenzinger & Cie. dar.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Sinners’che