Die Jungfrau schläft in der Kammer

« Wie kannst du ruhig schlafen Buch der Lieder (1827) Ich stand in dunkeln Träumen »
Für eine seitenweise Ansicht und den Vergleich mit den zugrundegelegten Scans, klicke bitte auf die entsprechende Seitenzahl (in eckigen Klammern) am linken Seitenrand.

[200]

XXII.

     „Die Jungfrau schläft in der Kammer,
Der Mond schaut zitternd hinein;
Da draußen singt es und klingt es,
Wie Walzermelodein.

5
     Ich will mal schaun aus dem Fenster,

Wer drunten stört meine Ruh’.
Da steht ein Todtengerippe,
Und fidelt und singt dazu:

     Hast einst mir den Tanz versprochen,

10
Und hast gebrochen dein Wort,

Und heut ist Ball auf dem Kirchhof,
Komm mit, wir tanzen dort.

     Die Jungfrau ergreift es gewaltig,
Es lockt sie hervor aus dem Haus;

15
Sie folgt dem Gerippe, das singend

Und fidelnd schreitet voraus.

     [201] Es fidelt und tänzelt und hüpfet,
Und klappert mit seinem Gebein,
Und nickt und nickt mit dem Schädel

20
Unheimlich im Mondenschein.“