Die Rieselfelder-Anlage

RIESELFELDANLAGE
Der Stadt Freiburg i. Breisg.

Die Gründe, welche die Stadt Freiburg zur Anlage eines Rieselfeldes veranlasst haben, sind in der Beschreibung der Kanalisation dargelegt. Der Planentwurf und die Ausführung waren dem Verfasser dieses Aufsatzes übertragen.
Am 1. Juli 1897 umfasste das Rieselgut eine Rieselfläche von 253,7064 ha, darunter 242,8454 ha nutzbares Gelände und 10,8610 ha Wege; ferner 15,1618 ha nicht berieseltes Ackerfeld; sodann 26,7733 ha nicht mit Spüljauche zu berieselnde Wässerwiesen, davon 26,0011 ha nutzbar und 0,7722 ha Wege. Hierzu kommen: ein Hausgarten von 0,2984 ha; 2,5565 ha Hofraithe; 0,4288 ha Lagerplätze und Absatzbecken und endlich noch 198,6894 ha Wald. Das nutzbare Gelände, in welches die Böschungen der Dämme und der Gräben inbegriffen sind, umfasst mithin 282,7000 ha. Die Grösse des eigentlichen landwirthschaftlichen Gutes beläuft sich auf rund 300 ha, das ganze Rieselgut Mundenhof auf 497,6146 ha.
Von den 198 ha Wald können rund 150 ha nach Bedarf zur Vergrösserung der Rieselfläche beigezogen werden.
Wenn nun hier die Anlage etwas ausführlicher behandelt wird, so mag das darin seine Erklärung finden, dass Rieselgüter mittleren Umfanges von so einfachen Verhältnissen, wie hier, in Deutschland sonst nicht bestehen, und dass so dieser Bericht auch zur Beseitigung [158] des vielfach noch bestehenden Misstrauens gegen Einrichtungen solcher Art beitragen kann.
Bei der Wahl des Geländes war auf Folgendes zu achten: Die Entfernung darf nicht zu klein, andererseits aber auch wegen der Leitungskosten nicht zu gross sein. Man sollte überhaupt die Abwasser der ganzen Stadt möglichst mit natürlichem Gefälle ohne Pumpeinrichtung auf das Rieselfeld und die Drainagewasser von dort in einen natürlichen Wasserlauf bringen können. Der Boden ferner muss durchlässig und von geringem Grundwasserstand sein; auch soll er keine allzu grossen Unebenheiten aufweisen, weil sonst die Einebnungskosten zu hoch werden. Endlich ist der Ankauf von Grossgrundbesitz billiger als die Erwerbung einzelner Parzellen; mehrere getrennte Güter aber anzulegen, ist unvortheilhaft.
Alle diese Bedingungen waren erfüllt bei dem Gelände westlich der Stadt gegen das Dorf Opfingen. Drei Kilometer von der Grenze des Stadtgebietes entfernt begannen dort ausgedehnte Waldungen, die zumeist grösseren Grundbesitzern gehörten; nur an zwei Stellen lagen parzellirte Privatwaldungen dazwischen. Ein Hofgut von 100 ha, der Mundenhof, schloss sich daran an. Günstige Gefällsverhältnisse werden die Ableitung der Spüljauche auch nach sehr bedeutender Vergrösserung Freiburgs noch gestatten, nachdem durch Regenauslässe in die Dreisam für Entlastung der Kanäle gesorgt ist. Ein einziges Rohr wird dazu genügen, und zwar ohne künstliche Hebung des Wassers. Ebenso steht es mit der Weiterführung der Drainagewasser in die Dreisam. Der Boden ist im Ganzen durchlässig, bestehend aus Kies und Sand, hie und da mit zwischen gelagerten Lettenschichten. Wo das Grundwasser nicht von vornherein tief stand, liess es doch durch Drainage und Abzugsgräben sich senken. Abgesehen von einzelnen flachen Schluten, den Resten alter Dreisamläufe, ist das Gelände gleichmässig abgedacht, so dass regelrechte Grundstückseintheilung und Ebnung nicht schwierig sind. Ein einzelner Hügel, der Hoheneckbuck am westlichen Ende bei der Opfingerstrasse, in der Tiefe aus braunem Jura bestehend, ist hochbedeckt mit Löss, welcher bis zu 25% Kalk enthält, so dass auch Kalkboden zur Verwendung auf dem fast kalkfreien Urgebirgsboden sich darbietet. Dies ist um so bedeutsamer, als die bei einer Rieselwirthschaft anzustrebende starke Pflanzenproduction Kalkboden zum Uebergründen des Feldes bedarf.
Unter Berücksichtigung all’ dieser Verhältnisse entschloss man sich zum Ankauf jenes Geländes einschliesslich des Kalkhügels. Bei der von Sachverständigen als Mindestmaass empfohlenen Annahme [159] von 1 ha Rieselfeld auf 250 Einwohner währen für die gegen das Rieselfeld abwässernden Stadttheile mit etwa 50,000 Köpfen 200 ha erforderlich gewesen. Es steht jedoch jetzt bereits die doppelte Fläche, theils schon als Rieselfeld, theils noch als Wald zur Verfügung, und eine Erweiterung des Betriebes ist somit jeder Zeit möglich. Ausserdem wurde der Mundenhof als Betriebsstätte, zugleich mit 24 ha Wässerwiesen erworben. Die Nachbargemeinde St. Georgen und zahlreiche Besitzer zwischenliegender Waldparzellen, welche Werth auf Grundeigenthum legten, wurden für ihre abgetretenen Stücke durch eigens zu diesem Zweck gekaufte städtische Liegenschaften abgefunden. Das Grossh. Staatsministerium gab jedoch auch der Stadtgemeinde die Ermächtigung zur zwangsweisen Enteignung aller innerhalb der Grenzen des zu schaffenden Rieselgutes liegenden Parzellen, mit deren Besitzern man sich nicht verständigen konnte. Dieses Verfahren musste thatsächlich gegen eine Reihe von Privatwaldbesitzern durchgeführt werden.
Wie bei dem Grunderwerb, so wurde auch für die Zuleitung der Spüljauche schon bei der Anlage die Vergrösserung der Einwohnerzahl auf das Doppelte in Rechnung gezogen. Eine Zusammenstellung, bis zu welchen Mengen in grösseren Städten wie Berlin, Danzig, Frankfurt a. M., die Spüljauche den Reinigungsanlagen zugeführt wird, schwankt zwischen 300 und 400 l für den Kopf und Tag. Wird die Spüljauche durch Regengüsse stärker verdünnt, so ergiesst sich der Ueberschuss in die natürlichen Wasserläufe. Es dürfte also den Verhältnissen anderer Städte entsprechen, wenn für Freiburg auf den Kopf der Bevölkerung ein tägliches Höchstmaass von 350 l angenommen wird. Für das Doppelte der gegenwärtigen Einwohnerzahl würde dies durchschnittlich in der Secunde = rund 400 l ausmachen.
Es schwankt aber die Abflussmenge naturgemäss zeitlich sehr bedeutend. Ausserdem ist zu berücksichtigen, dass das zum Rieselfeld führende Sammelrohr in dem Gelände unterhalb tief in das Grundwasser zu liegen kommt. Da nun erfahrungsgemäss auf den Rieselfeldern für den üppigen Pflanzenwuchs in trockener Zeit Anfeuchtung mit stark verdünnter Spüljauche sehr wünschenswerth ist, hat man auf eine zeitweise Einleitung des Grundwassers in das Sammelrohr Bedacht genommen und diesem die beträchtliche Weite von 75 cm Durchmesser gegeben, so dass es bei einem Gefäll von 1:235 mithin 750 l führen kann.
Am obersten Punkt der Fläche tritt das unterirdische Sammelrohr in das Rieselgebiet ein und findet hier in einem offenen Graben seine Fortsetzung.
[160] Die Spüljauche wird gewöhnlich zunächst zur Abscheidung gröberer Bestandtheile in ein zweitheiliges Absatzbecken von je 30 m Länge und 15 m Breite geleitet, soweit sie nicht zur Wässerung solcher Stücke, auf welchen diese Bestandtheile nicht hinderlich sind oder gar gewünscht werden, unmittelbar Verwendung findet. Quer durch die Becken gezogene Flechtzäune nöthigen die durchfliessende Jauche zu Serpentinen und befördern das Niederschlagen des Schlammes. Durch tiefliegende Kanäle kann das Wasser aus den einzelnen Becken abgelassen werden. Der eingetrocknete Schlamm wird dann ausgestochen und zu Compost verarbeitet.
Bei der ausschliesslich durch offene Gräben erfolgenden Vertheilung der Spüljauche über das Gebiet müssen Bewässerung, Entwässerung, landwirthschaftlicher Betrieb und die Bebauung des Geländes gleichzeitig in Betracht gezogen werden.
Der Bewässerung gestatten hier die grossen Gefälle einen weiten Spielraum. Für den Ackerbetrieb jedoch kommen die Grundstücksformen und das Wegnetz in Frage. Unregelmässig gestaltete Grundstücke sind wegen der Schwierigkeit der Bestellung zu vermeiden, während bei Wässerwiesen solche Formen weniger schaden. Das Wegnetz hat sich darnach zu richten, dass der Mundenhof am nordwestlichen Ende der Anlage der Sitz des Betriebes ist, dass aber der Hauptverkehr gegen die Stadt hingeht. Es müssen mithin überallher Hauptwege nach diesen beiden Punkten führen; für Verbindung im Innern wird duch Querwege gesorgt. Bei den Entwässerungsanlagen ist das Eindringen der Jauche in fremdes Gebiet zu verhüten und für ordnungsmässige Abführung der Drainagewasser zu sorgen.
Die Bewässerungsgräben durchziehen von den Absatzbecken in der Richtung des stärksten Gefälles die Fläche. Die Leitung der Spüljauche in offenen Gräben hat sich vollständig bewährt. Sie kommt im strengsten Winter mit einer Temperatur von 5–6° C auf dem Rieselfeld an und kühlt sich bei ihrem Lauf an das äusserste Ende auf 3 km Entfernung nur um etwa 2° ab. Ihre Vertheilung hat darum auch noch nie Schwierigkeiten gemacht. Wegen des starken Gefälles erhalten die Gräben nur kleine Profile; 0,6 m Sohle und 0,6 m Tiefe reichen fast durchweg aus, die grösste Wassermenge von 750 Secundenlitern überall hin zu führen, selten sind grössere Weiten erforderlich. Die Dammkronen der Gräben sind mindestens 20 cm über den höchsten Wasserstand gelegt und beiderseits als Fusswege ausgebildet. In Entfernung von je 60 m sind Stauschleusen eingesetzt, welche das Wasser nach beiden Seiten auf die Fläche zu leiten haben. Diese Schleusen, bei [161] der zu befürchtenden Schlammablagerungen wegen jede Profilerweiterung vermieden ist, sind aus Cementbeton erstellt. Die Schützen sind einfache Staubretter ohne besondere Aufzugsvorrichtungen.
Die Horizontalvertheilgräben haben 50 cm Sohlenbreite, 60 cm Tiefe. Die Sohlen der Hauptzuleiter und die Schwellen der Stauschleusen sind durchschnittlich in Terrainhöhe, die Einlassschwellen der Vertheiler 20 cm höher gelegt, damit die Sohlen der letzteren mit 20–30 cm Gefäll, an ihren äusseren Enden immer noch annähernd in Geländehöhe liegen. Durch 20 cm weite Rohrdohlen, welche in die unteren Dämme der Vertheiler in Solenhöhe mit Abständen von 30–40 m eingebaut sind, erfolgt deren Entleerung auf die sorgfältig geebnete Rieselfläche durch eine am äusseren Fusse des unteren Dammes angelegte Rinne. Bei gegenwärtigen durchschnittlichen Zulauf von 200 Secundenlitern erfolgt in 2–3 Stunden die vollständige Durchrieselung einer 1 ha grossen und 60 m breiten Fläche. Da der Zuleiter in nahezu gleicher Höhe mit den Horizontalgräben und der Längsweg höher als das Gelände angelegt ist, können die Beete nicht nur leicht gerieselt, sondern auch – etwa während des Winters – als Bassins zum Einstauen der Jauche verwendet werden. Eigentliche grosse Staubassins, wie solche die Berliner Rieselfelder besitzen, sind hier nicht eingerichtet. Da der Zulauf nicht in ein natürliches Rinnsal eingelassen werden kann, sondern unterirdisch abzuleiten ist, endigen die Zuleiter blind auf den untersten Theilen des Rieselfeldes.
Zwischen je zwei Zuleitungsgräben, welche in Abständen von 280–400 m nach dem stärksten Gefäll geführt sind, liegt ein Längsweg, so dass die Grundstücke bis zu den Zuleitern je 140–200 m lang und 60 m breit sind, also eine Grösse von 80–120 a besitzen. Die Gewannwege sind 5 m, die Hauptwege 6 m breit und ein wenig über das Gelände erhöht, um sie trocken zu erhalten.
Bei den günstigen Gefällverhältnissen kann das Abwasser von dem weitaus grössten Theile des Gebietes durch einen einzigen grossen Abzugsgraben in die Dreisam geleitet werden. Nur für kleinere Flächen sind besondere Abwasserkanäle in Wiesengräben geführt, was den unterhalb gelegenen mageren Wiesen zu Gute kommt. Auf Wunsch der angrenzenden Wiesenbesitzer ist auch der Hauptkanal vorerst nur bis zum Mundenhof geführt und erhält dort, sowie unterwegs seitliche Abzweigungen.
Das ganze Gebiet, mit Ausnahme des erwähnten Lösshügels liegt auf dem Schuttkegel von Glimmergneis, welchen die Dreisam bei ihrem Austritt aus dem Gebirge in die Ebene aufgeschüttet hat. Vor der [162] Correction der Dreisam flossen deren grössere Hochwasser regellos durch die ganze Fläche, rissen hier Furchen, lagerten dort Geröllmassen ab und überdeckten anderswo wieder die Gerölle mit Grund, Sand und Letten. Dann überwuchs der Boden wieder, die Mulden vermoorten oder vertorften, bis sich der Vorgang wiederholte. So bildete sich die jetzige unregelmässige Bodenzusammensetzung und der ebenso unregelmässige Stand des Grundwassers, dessen Stromrichtung im Ganzen dem Lauf der Dreisam folgt. Bei dem Absatzbecken, sowie gegen den Mundenhof hin besteht der Boden aus trockenem Kies und Sand, und das Grundwasser liegt mindestens 2 m tief. Weiter abwärts treten immer dichtere Zwischenlagerungen auf: die unregelmässigen früheren Rinnsale sind mit gröberen Geschieben gefüllt und vielfach am unteren Ende durch dichtere Massen abgesperrt. In diese durchlässigen unterirdischen Adern dringt von oben das Grundwasser ein, staut sich auf, und tritt an die Oberfläche als Quelle oder erzeugt in den Mulden Versumpfungen.
Ein System von Abzugsgräben und Drainagen sorgt für den unterirdischen Abzug der Spüljauche wie der niedergehenden Meteorwasser. Damit die Gutsverwaltung im Betrieb vollständig frei bleibt und zeitweisse beliebig grosse Wassermengen auf kleinen Flächen zum Versitzen bringen kann, so werden jetzt, entgegen der ursprünglichen Absicht, auch die trockensten Gelände drainirt. Dazu drängte die Menge des unterzubringenden Wassers; denn wenn alle über 350 Liter auf Kopf und Tag hinaus in die Kanalisation einfliessenden Wasser vermittels der Regenauslässe in die Dreisam gehen und wenn ferner je 250 Einwohner auf 1 ha abwässern sollen, so kommen doch auf das ha 250 · 30 · 0,35 = rund 2600 cbm Spüljauche. Weiter ist mit einer monatlichen Regenhöhe von 180 mm zu rechnen, was auf das ha 1800 cbm gibt. Es wären mithin vom ha monatlich 2600 X 1800 = 4400 cbm abzuleiten.
Nach der für Drainagen gewöhnlichen Regel, dass die in einer gewissen Zeit auf die Fläche kommende Wassermenge in der halben Zeit abzuführen ist, müssten also die Drains vom ha = 3 l in der Secunde abführen können.
Diese Berechnung hat jedoch nur theoretischen Werth, da die Regenmenge sich nicht gleichmässig vertheilt und ebenso wenig die Spüljauche gleichmässig aufgeleitet wird. Wenn es nun z. B. geboten erscheint, eine grosse Fläche mit Getreide, Reps, Kartoffeln oder dergl. zu bestellen, so muss, da diese Gewächse in der Vegetationszeit nicht [163] berieselt werden dürfen, während dieser langen Frist die gesammte Spüljauche auf dem Rest untergebracht werden. Allzu rasch darf aber die Jauche durch den Boden auch nicht durchsickern, weil sonst die Stoffe nur ungenügend zersetzt werden. In dichten Böden ferner und auf Flächen mit hochstehendem Grundwasser muss selbstverständlich ein rascherer künstlicher Ablauf stattfinden. Um nun einen freieren Betrieb zu ermöglichen, hat man je nach den Boden- und Grundwasserverhältnissen erheblich höhere Wassermengen als die oben berechneten 3 Secundenliter der Berechnung des Drainnetzes zu Grunde gelegt. Die verschiedenen stärkeren Grundwasser-Adern sind jeweils besonders abgeleitet. Die Drains haben 1,5–2 m Tiefe und bei den neueren Theilen der Anlage Abstände von 8–10 m. Auch die ältesten, mit grösseren Abständen ausgeführten Drainnetze werden aus den gleichen Gründen zur Zeit in kleinere Systeme mit geringeren Entfernungen der Drainstränge umgebaut. Die Sammler münden in die Abzugsgräben mindestens 20 cm über der Sohle. Diese Gräben sind daher 2–2,5 m tief in das Gelände eingeschnitten.
Bei der gesammten Bodenbeschaffenheit erschien es gerathen, die Querdrainage durchzuführen, d. h. die Saugstränge quer zum stärksten Gefälle und die Sammler in dieses selbst zu legen. Bei der Längsdrainage, bei welcher umgekehrt die Sauger in das stärkste Gefäll und die Sammler quer zu diesem gelegt sind, hätte möglicher Weise eine von dichtem Boden umschlossene, in der Richtung des stärksten Gefälls verlaufende wasserführende Sandader unberührt bleiben und nach wie vor ihre Umgebung durchnässen können. Die Querdrainage bietet den weiteren Vortheil, dass sie sich durch Einsetzen von Stauventilen leicht zu einer Staudrainage umgestalten lässt. Dabei bekommen die Sauger ein durchschnittliches Gefäll von 0,2 % nach den Sammlern, welche ihrerseits mit 0,3–1 % Gefäll verlegt sind.
Das starke Gefäll der Abzugsgräben ermöglicht es, diese ohne wesentliche Beeinträchtigung ihres Zwecks an geeigneten Stellen zeitweise aufzustauen und das schon einmal durch den Boden gesickerte Wasser nochmals zur Ueberrieselung zu verwanden. Auch dasjenige des Hauptabzugsgrabens kann auf die 27 ha grossen, mit Wässerungseinrichtungen versehenen Wiesenflächen unterhalb des Mundenhofs geleitet werden.
Hierdurch wird eine vollständigere Ausnutzung der Dungstoffe nebst gründlichster Reinigung der Abwasser erreicht und zugleich in trockener Zeit eine willkommene Vermehrung der verfügbaren Wassermenge geschaffen.
[164] Als Betriebsstätte dienen die Gebäulichkeiten des schon seit langen Jahren bestehenden Mundenhofes. Sie waren für den früheren Betrieb von 80 ha angelegt, sind aber jetzt für das rund 300 ha landwirthschaftliches Gelände umfassende Gut durch Zubau von Gesinde- und Wirthschaftsräumen erweitert. Zur Speisung eines laufenden Brunnens im Hof und einer grossen Zahl von Hahnenbrunnen in den Wohngebäuden und Stallungen ist von einer Stelle ausserhalb des Rieselgebietes Quellwasser beigeleitet.
Lässt man den noch stehenden Wald ganz ausser Betracht, so stellen sich die Kosten des im landwirthschaftlichen Betrieb befindlichen Gutes nach dem Stand vom Herbst 1897 in runden Zahlen wie folgt: 1. Geländeerwerbung, abzüglich des Holzerlöses aus den abgeholzten Waldflächen, aber mit Einschluss der alten Gelände 320,000 Mark, 2. Rodung der 220 ha grossen Waldfläche 119,000 Mark, 3. Anlage der Wege, sowie die Zuleitungs- und Abzugsgräben, Planirung von 254 ha Rieselfläche 340,000 Mark, 4. Drainage von 154 ha 142,000 Mark, 5. Schleusen- und Dohlenbauten 58,000 Mark, 6. Instandsetzung der alten und Anlage neuer Gebäude, sowie Einrichtung der Wasserleitung 146,000 Mark, 7. Betriebsinventar a) Geräthe und Maschinen 22,000 Mark, b) 100 Stück Grossvieh und 9 Pferde 48,000 Mark, 8. Bauaufsicht, Unvorhergesehenes u. s. w. 71,000 Mark, Summa 1,266,000 Mark. Dazu kommen an bereits bewilligten, jedoch noch nicht verwendeten Geldern 46,000 Mark für einen Abzugsgraben vom Mundenhof in die Dreisam, sowie 150,000 Mark für Drainirung der noch gar nicht oder erst mit weiteren Strangentfernungen drainirten Flächen, so dass die Endsumme sich auf 1,460,000 Mark oder auf 4870 Mark für den ha belaufen wird.
Die Kosten der Zuleitung von der Stadt bis zum Gute selbst sind hierin nicht inbegriffen, weil diese zu der Kanalisation gehört. Es bedarf kaum der Erwähnung, dass zukünftige Erweiterungen des Rieselfeldes auf der bereits vorhandenen Fläche nicht in gleichem Verhältnisse Kosten verursachen werden, da die Hauptwege, die Hauptabzüge, die Bauten und das Inventar auf dem Mundenhof sämmtlich schon für Erweiterungen genügen.
Die weitaus grösste Fläche des erworbenen Gebietes war Waldboden. Dieser wurde aus den Händen grösserer Besitzer um rund 800 Mark für den ha gekauft, wozu jeweils der Werth des aufstehenden Holzes kam. Kleineren Eigenthümern musste für den nackten Waldboden in den besten Lagen bis zu 1500 Mark bezahlt werden. Es scheint dies nicht viel, zieht man aber die erheblichen Kosten für das Roden und für die Planirung der im Verhältniss zu kultivirtem Gelände [165] gar unebenen Fläche, sowie die in ersten Jahren naturgemäss geringeren Erträge des frisch umgebrochenen Erdreiches in Betracht, so zeigt sich, dass es vortheilhafter ist, wenn man zu bedeutend höheren Preisen auch noch so geringes altes Kulturland, Acker oder Wiese erwirbt. Der Mundenhof mit 55 ha Ackerland, 25 ha Wiesen und 20 ha Wald kam auf 160,000 Mark zu stehen; einzelne zur Abrundung nöthige Wiesenstücke kosteten 5500 Mark für den ha.
Ein Taglohn von 2 Mark 50 Pfg. im Winter und 3 Mark bis 3 Mark 50 Pfg. im Sommer, nebst Stellung des Geschirrs und Zahlung der Versicherungsbeiträge bildet die Grundlage für nachstehende Akkordsätze.
Das Roden und Ausstocken des nassen, rauhkiesigen Bodens mit zahlreichen Eichen- und Eschenstämmen stellten sich auf 750 Mark für den ha, bei geringem Holzbestand mit mehr Weichholz und leichterem Boden bis herunter auf 550 Mark, wobei noch die Wurzelstöcke den Unternehmern überlassen blieben. In den stärkstbestockten Theilen des Waldes waren auf den ha an Wurzelstücken je 50 Stück von über 1 m, 250 von 0,5–1 m und 900 unter 0,5 m Durchmesser zu entfernen. Die Beseitigung eines Wurzelstockes von über 1,0 m Durchmesser kam auf 3–7 Mark zu stehen.
Auf den zu bebauenden Flächen muss vor Allem der gute Mutterboden oben bleiben, wenngleich grosse Düngermengen später zur Verfügung stehen. Fester organischer Schlick, durch welchen eine humose Oberfläche gebildet werden könnte, ist nur in ganz geringer Menge in der städtischen Spüljauche enthalten. Wo nun der Boden bis obenhinauf aus grobem Sand und Kies besteht, dringen die im Wasser gelösten Dungstoffe sehr rasch in die Tiefe und gehen verloren. Solche Stellen aber sind, wie aus der Bildung des Rieselfeldes erklärlich ist, vielfach vorhanden, und sie sind nur schwer durch Jahre lange Bebauung in ertragsfähiges Ackergelände zu verwandeln. Wo sandiger Letten- oder Torfboden obenaufliegt, verhält es sich ähnlich. Humusboden muss darum möglichst gespart werden. Für das Umstechen des guten Bodens auf 25–30 cm Tiefe in ebenem Gelände, oder für dessen Abheben an unebenen Stellen, Zurückwerfen, Wiederaufbringen nach erfolgter Einebnung des Untergrundes, Reinplaniren und Nachplaniren nach erfolgter Probeberieselung muss aber schon mindestens 2 Mark, bei sehr rauh steinigem Boden bis 4 Mark vom ar bezahlt werden. Das Einebnen, horizontal in der Richtung der Vertheilgräben, im verglichenen Thalgefälle senkrecht dazu, erforderte eine Bodenbewegung von 200–500 cbm auf den ha.
Die hohen Kosten der Drainage erklären sich leicht, denn wenn [166] die Drainstänge in Entfernungen von 10 m gelegt werden sollen, so sind für den ha 1000 m Graben herzustellen. In den Gewannen mit steinigem, theilweise sehr hartem, steinig-lettigem Untergrund kamen aber die 1,5–2 m tiefen Gräben das laufende Meter auf 75–80 Pfg. zu stehen. Bei günstigeren Verhältnissen stellte sich dieser Preis geringer und ging an den wenigen Stellen, wo sich leichter torfig-erdiger Boden fand, bis auf 5 Pfg. und für flachere Gräben bis auf 35 Pfg. herunter.
Zu den Betonarbeiten wurde eine Mischung von ein Theil Portland-Cement, zwei Theilen Sand und vier Theilen Kies verwendet. Die Herstellung sämmtlicher Schleusen und Brücken erfolgte am Platze selbst. Es wurden 40–45 Mark für das Kubikmeter einschliesslich Verputz, jedoch ohne Ausheben der Baugrube, bezahlt, ein Preis, dessen Höhe sich aus der Grösse der Verputzflächen erklärt.
Bei den Untersuchungen der Spül- und Drainagewasser wurde davon ausgegangen, dass naturgemäss der Grad der Verunreinigung des Abwassers zu den verschiedenen Tageszeiten sehr verschieden ist, da die Abgänge aus den äussersten Stadttheilen schon in wenig Stunden auf das Rieselfeld gelangen und darum eine Ausgleichung nicht eintreten kann[1]. Die organische Substanz bewegt sich denn auch thatsächlich zwischen 0,021 und 0,25 kg im Kubikmeter, wobei hervorzuheben ist, dass die zahlreichen zufliessenden gröberen Unrathstücke natürlich nicht in die Wasserprobe kamen. Die Salpetersäure schwankt zwischen 0,002 und 0,068, das Ammoniak zwischen 0,005 und 0,080, die Phosphorsäure zwischen 0,010 und 0,035 und das Kali zwischen 0,002 und 0,035; nur Chlor bleibt ziemlich gleich. Während die grosse Wasserwelle am Vormittag die grösste procentmässige Verunreinigung zeigt, ist das Wasser Nachts ziemlich rein. Es würden sich also ganz falsche Folgerungen ergeben, wenn man nur eine einzige Analyse eine Spüljauche zu Grunde legt, während bei der erwähnten Berücksichtigung[WS 1] der tageszeitlichen Unterschiede genau gesagt werden kann, welche Mengen der einzelnen Stoffe aus der Stadt auf das Rieselfeld gelangen, so dass man sich bei der Düngung und Bewässerung der verschiedenen Kulturarten hiernach zu richten vermag. Ungleich verwickelter ist die Feststellung, wie viel durchschnittlich von diesen Stoffen auf dem Felde von den Pflanzen verbraucht, vom Boden absorbirt oder vom Drainwasser wieder fortgenommen wird. Es kommt dabei in Frage, ob der [167] Boden mehr oder weniger dicht ist, ob es sich um drainirten oder undrainirten Untergrund handelt, um frisch umgebrochene oder durch längere Berieselung und Pflanzenwuchs dicht gemachte Oberflächen u. s. w. Die Drainwasser sind darum keineswegs immer auch nur ähnlich, und eine Vergleichung einzelner Proben des Zulaufes und des Ablaufes kann zu ganz falschen Schlüssen führen. Besonders bedenklich wäre bei dem Wechsel in der Beschaffenheit des Zulaufes und bei dem langen Verbleiben der Jauche im Boden eine Gegenüberstellung gleichzeitig entnommener Proben.
Die Wasser, welche schmutzbeladen, trüb und dick auf die Fläche kamen, waren bei den Analysen völlig hell. Wo überhaupt bei den Drainagewassern in der ersten Zeit Trübungen bemerkt wurden, rührten diese von Auslaugung der Torfeinlagerungen her. Es wurden nun sechs zu verschiedenen Tageszeiten entnommene Proben untersucht, doch stellte sich ein An- und Absteigen des Gehaltes an den verschiedenen Stoffen in steter Kurve, wie solches bei der Spüljauche selbst zu beobachten ist, hier nicht heraus. Der weniger vollkommene, jedoch mehr als genügende Reinigungsgrad fällt nicht stark in’s Gewicht, denn das Berieseln von frisch drainirten Flächen ist eine Ausnahme.
Die Untersuchungen der Abwasser von einer grossen zusammenhängenden Fläche nicht drainirten und nicht bestellten Ackerbodens nach längerer Rieselung, zeigte die günstigsten Ergebnisse bezüglich der Reinigung. Auf dem weiten Wege durch den Boden bis in die Abzugsgräben erfolgt eben eine gründliche Filtration und Oxydation. Auch die Schwankungen in der Menge und dem Gehalt des Abwassers sind verschwindend gering.
Sechs Proben Abwasser von nicht drainirten Rieselwiesen während der stärksten Vegetation ergaben gleichfalls unregelmässige Schwankungen[WS 2] des Gehalts.
Die chemischen Analysen, welche in der öffentlichen Untersuchungsanstalt der Stadt von Dr. Max Scheidt vorgenommen wurden, haben ergeben, dass das gereinigte Abwasser reiner ist, als viele Trinkwasser aus Pumpbrunnen, besonders aus solchen, welche in dichtbebauten Vierteln stehen und deren Wasser trotz eines Gehaltes von Salpetersäure bis zu 0,25 kg auf das Kubikmeter unbeanstandet verwendet wird.
Die bacteriologische Untersuchung durch den Vorstand des Hygienischen Instituts der Universität Freiburg, Professor Dr. Schottelius, ergab einen noch auffallenderen Grad der Reinigung auf den fertig gestellten Flächen. Das Hygienische Institut bemerkt, dass die Verunreinigung der Spüljauche mit Spaltpilzen von höchstens 1,300,000 [168] und mindestens 110,700 im Kubikcentimeter nicht als eine grosse zu betrachten sei. Es sei eine grosse Menge von Darmbacterien darin enthalten, welche weder im Wasser der Rieselfelder, noch auf dem zur Untersuchung verwendeten Nährboden wachsen, während andere in der Kanaljauche befindliche Keime zu den gewöhnlich im Wasser und Boden vorkommenden, den Spaltpilzen, gehören und durch den einfachen Berieselungs-Vorgang nicht vermindert werden. Qualitativ seien die Bacterien des bei der Berieselung abfliessenden Wassers noch mehr als quantitativ von denen des Zuflusses unterschieden; sie bestünden ausschliesslich aus den gewöhnlichen, im Wasser und Boden vorkommenden Arten. Das Urtheil lautet natürlich noch günstiger über die Wasserproben auf dem Untergrunde der Rieselwiesen, wo die Pflanzendecke und das Durchfliessen des feinkörnigen Sandes eine fast vollständige Reinigung bewirkte. Die auffallende Erscheinung, dass das Drainagewasser bald reichlicher und bald spärlicher fliesst, als die Spüljauche, tritt ein, je nachdem gerade Gewanne berieselt werden, in welchen noch Grundwasser gleichzeitig mit dem Rieselwasser durch die Drainage abzieht, oder aber höher gelegene Strecken, welche bis tief hinunter trocken sind und darum viel Wasser aufsaugen.
Kurz vor den im September 1896 vorgenommenen Untersuchungen waren einige neue Gewanne mit sehr tief liegenden Drainagen und einige bedeutende Vertiefungen von Abzugsgräben zwischen berieselten Gewannen fertig geworden. Diese Anlagen erzeugten – freilich wohl nur vorübergehend – die grosse Drainagewassermenge vom 21. September 1896 und überhaupt, wie aus den abgeführten grossen Mengen von Kochsalz und Salpetersäure[WS 3] hervorgeht, eine Auswaschung des vorher mit diesen Stoffen angefüllten Untergrundes.
Kleinere, bei heissem Wetter aufgeleitete Wassermengen verdunsten rasch und lassen dann verschiedene Stoffe, wie Kochsalz u. s. w., in festem Zustande zurück; durch Regengüsse oder aufgeleitete grössere Wassermengen werden sie wieder gelöst und abgeführt.
Da die im Jahre 1895 zur Untersuchung gelangten Drainagewasser im Winter aus den Abzugsgräben entnommen waren, sind nur geringe Mengen von organischen Stoffen darin nachgewiesen, während im Sommer das organische Leben ein sehr reiches ist. Die Unterschiede in den Mengen der Salpetersäure, des Ammoniaks und der Phosphorsäure, welche sich bei Analysen im Februar 1895 gegenüber solchen vom Juli 1893 ergeben haben, sind bezeichnend für den Einfluss der Vegetation.
Erwägt man angesichts all’ dieser gewiss günstigen Ergebnisse [169] der chemischen und bacteriologischen Untersuchung auch noch, dass die gereinigten Abwasser während der Vegetationszeit, also während der für die Zersetzung der etwa noch darin enthaltenen Stoffe gefährlichsten Periode, mindestens noch einmal, meist aber noch zweimal zum Ueberrieseln gebracht werden, ehe sie auf fremdes Gebiet übertreten, so dürfte zugestanden werden, dass hier die Klärung der Spüljauche in möglichst vollkommener Weise erreicht wird.
Eine sehr werthvolle, streng wissenschaftlich gehaltene Abhandlung über die chemische und bacteriologische Untersuchung der Kanalflüssigkeit und der Drainwasser des Freiburger Rieselfeldes von Dr. Otto Korn, Assistent am hygienischen Institut der Universität, findet sich im »Archiv für Hygiene«, Bd. 22, Heft 3.[WS 4]

- ↑ Tabellen über die Ergebnisse der Untersuchungen und genauere Mittheilungen überhaupt finden sich in der Druckschrift über die Kanalisation und die Rieselfelder, bearbeitet im Auftrage der Stadtgemeinde von Buhle, Lubberger und Heischkeil.