Die Stadt und ihre Umgebung

Wer von Norden her mit der Eisenbahn das Rheinthal herauffahrend sich Freiburg nähert, hat lange Zeit zu seiner Rechten den Blick in die offene freie Rheinebene, die im fernen Westen von den blauen Höhen der Vogesen abgeschlossen wird. Zur Linken liegen die mässig hohen Vorberge des Schwarzwaldes, an deren Abhängen in reicher Zahl freundliche Dörfer aus Feldern und Wiesen und Weinbergen hervorschauen. Mit einemmal, von der Station Riegel ab, biegt die Bahn in einem grossen Bogen nach Osten ab; gleichzeitig tauchen jetzt in grosser Runde gegen Süden die Kammlinien des Kaiserstuhls und die Häupter der grossen Schwarzwaldberge Belchen, Schauinsland, Feldberg und Kandel auf. In diesem Kranz von Bergen liegt ein Stück der Rheinebene, das man als Freiburger Bucht bezeichnet.
Ein Blick auf die Karte zeigt, dass die ziemlich gerade, ungefähr in der Nord–Süd-Richtung verlaufende westliche Grenzlinie des Schwarzwalds in unserer Gegend eine Unterbrechung erfährt und zwischen Riegel und St. Georgen einen weit in das Gebirge hineingreifenden, nach Westen offenen Bogen bildet. Dieser Bogen und seine beiden Verlängerungen nach dem Nordende des Kaiserstuhls und dem Südende des Tunibergs bilden mit diesen beiden Gebirgen die Grenzen der Freiburger Bucht, in deren innerstem Winkel die Stadt Freiburg liegt.
[2] Ihr Boden ist im Ganzen ein nach allen Seiten sanft abfallender Kegel, dessen höchsten Punkt der Ausgang des Dreisamthals mit 290 m Meereshöhe bildet. Seine Abdachung gegen das Rheinthal ist ziemlich gleichmässig, sie beträgt im Durchschnitt 0,4–1 %. Im Norden öffnet sich die Freiburger Bucht mit schmaler Mündung in das Rheintahl, ebendorthin führt im Westen eine weitere schmale Spalte zwischen Kaiserstuhl und Tuniberg, während im Süden eine flache Erhebung zwischen Tuniberg und Schönberg, die sog. Mengener Brücke, den Abschluss bildet.
Aus dieser Fläche steigen nun nach allen Seiten die Berge in die Höhe. Ein Rundblick von einem der in der Ebene liegenden Hügel, etwa vom Lehener Berg aus, zeigt uns die meisten: so im Norden die niedere Gruppe des Hünersedels mit den welligen Vorbergen von Emmendingen; dicht daneben liegt der Kandel mit seiner so eigenthümlichen kahlen Kuppe; einen seiner Ausläufer schickt er bis nach Freiburg herunter; auf dessen Kamm erheben sich der zweiköpfige Flaunser und der Rosskopf, der auf einem seiner Vorsprünge das Zähringer Schloss trägt. Sein letztes Ende ist der Freiburger Schlossberg. Im Süden baut sich der Schauinsland massig vor uns auf. Von ihm aus zieht ein mächtiger vielzackiger Ausläufer nach Nordwesten. Seine letzten, Freiburg zunächst liegenden Höhen sind der stattliche Kybfels und der Brombergkopf, dessen Fuss mit dem prächtigen Sternenwald in der Ebene steht. Durch die Lücke zwischen diesem und dem Schlossberg sehen wir den Kranz von hohen Schwarzwaldbergen, die im Osten das Dreisamthal abschliessen, vom Turner und der Nessellache bis zum steilen Rotheck und dem ehrwürdigen kahlen Haupt des Feldbergs mit seinem Thurm.
Vom Schauinsland löst sich noch ein weiterer Zweig nach Nordwesten und begrenzt, mit dem Erstgenannten parallellaufend, das Güntersthaler Thälchen; sein letzter weit nach Nordwesten vorgeschobener Abschnitt, der Lorettoberg, trägt weithin sichtbar den Hildathurm. Fast zum selbstständigen Berg ist der Gerstenhalm geworden mit seinen kahlen Halden und seinen zwei Spitzen. Weit draussen im Süden grüsst die kahle Kuppe des Belchens mit der charakteristischen Nase, dem Belchenhorn (Hochkelch) herein, während vor ihm weit hinaus in die Rheinebene der Blauen in sanftem Abfall hingelagert ist. Ein flaches Thal, das Hexenthal, trennt die Schwarzwaldberge von der Tafel des Schönbergs, der nach Westen uns den langgestreckten Abhang des Hochfirsts zuwendet mit der Schneeburg auf seiner höchsten Stelle.
[3] Nach Westen halten in fast greifbarer Nähe die flache Erhebung des Tunibergs und die zackige Kammlinie des Kaiserstuhls mit der Eichelspitze, Neunlinden und der Katharinenkapelledas Auge auf.
So bietet dieser Theil des Breisgaus das landschaftlich grossartigste und schönste Bild der südwestdeutschen Gebirgswelt. Eine blühende reich angebaute Ebene im Osten in grossem Halbkreis umrahmt von den mächtigsten vier Schwarzwaldbergen, im Westen abgeschlossen durch den Keiserstuhl und die fernen Vogesen, während im Südwesten der Blick hinaus nach den Bergen des Schweizer Jura und durch die Burgunderpforte weit nach Frankreich hinein schweift und im Norden sich zwischen dem Hecklinger Schloss und der Michaelskapelle bei Riegel wie zwischen zwei Thorpfeilern in die weite unbegrenzte Rheinebene verliert.
Und so mannigfaltig die Formen der Berge sind vom sanft abfallenden Rosskopf bis zum steil aufsteigenden spitzzackigen Rotheck und dem breit und behäbig hingelagerten Schauinsland, so vielgestaltig is die Kultur des Bodens. Auf den Höhen den Berge die strengen Schwarzwaldtannen, an den Abhängen vielfach mit Laubholz untermischt, der Fuss des Gebirgs von reichen Weinbergen und üppigen Obstgärten umsäumt, die Ebene mit reichen Feldern und fetten Wiesenmatten ausgekleidet, dem Rand der Berge entlang eine Kette von Dörfern, meist uralten Stätten menschlicher Kultur und mitten hinein die Stadt Freiburg hingelagert!
In die Freiburger Bucht fliessen der Reihe nach von Süden nach Norden die Dreisam, die Glotter, die Elz. Alle drei kommen als fröhliche Gebirgsbäche vom Schwarzwald herab, wenden sich, aus den Bergen heraustretend, sofort nach Nordwesten und vereinigen sich alle drei an einer Stelle bei Riegel, um von da gemeinsam dem Rhein zuzufliessen. Der für uns wichtigste, die Dreisam, durchströmt vor dem Eintritt in die Freiburger Ebene das breite Dreisamthal, dessen Boden sie selbst aufgeschüttet hat. Schon vorn im Dreisamthal theilt sie sich in die verschiedenen Quellbäche, dire den ganzen Kreis der Berghänge ihres Flussgebiets entwässern.
Alle diese Wasserläufe hat der Mensch in ausgedehntestem Mass in Anspruch genommen. So wird der Dreisam schon bei Ebnet ein grosser Theil ihres Wassers abgezapft, um auf der rechten Thalseite in einem Gewerbekanal zuerst mehrere grosse gewerbliche Anlagen mit Kraft zu versorgen. Beim Eintritt in die Stadt löst sich aus dieser Wasserader ein ganzes Netzwerk von kleineren Wasserläufen ab, die, einen ganz eigenartigen Reiz Freiburgs bildend, in den Strassen als Strassenbäche entlang eilen und der Stadt einen Hauch köstlicher Frische verleihen. [4] Sie sammeln sich alle wieder im Gewerbebach, der, wie auch die auf der andern Thalseite der Dreisam entnommenen Wasserläufe, der Dillenmühlebach und der Kronenmühlenbach und wie der aus dem Güntersthal stammende Hölderlebach erst als Kraftspender eingespannt wird und dann draussen vor der Stadt, in zahllose Rinnsale vertheilt, den weiten Wiesenplan bewässert, der sich zwischen den Bergen und dem Mooswald ausdehnt.

Günthersthal.
Auch die Grundwasserströme, die das Gebiet durchziehen, sind für uns von Bedeutung. So entnimmt die Stadt Freiburg dem [5] Grundwasserstrom des Dreisamthals, der jenseits von Freiburg an dem vorliegenden Kaiserstuhl und Tuniberg sich so staut, dass im Mooswald zahlreiche starke Quellen zu Tage treten, bei Ebnet am mehreren Stellen ihr Trinkwasser in reichster Menge und vortrefflichster Beschaffenheit.

Blick auf den nördlichen Schlossberg.
Aus diesem Gesammtbild einzelne Züge von besonderer Schönheit hervorzuheben, ist fast nicht möglich, so reich ist ihre Fülle. Wer Freude hat an grossen Rundsichten, dem geben der nahegelegene Rosskopf mit seinem Thurm oder der eigenartige Schönberg oder der Schauinsland gute Gelegenheit; von den beiden ersten bietet sich eine prächtige Ausschau auf Schwarzwald und Rheinebene; vom Schauinsland erhält man einen schönen Einblick in den Aufbau des Feldbergstocks; und wem das Wetter wohl will, dem zeigt sich noch die Kette der Alpen vom Montblanc bis weit in die Tiroler Berge hinein. Wer dazu nicht mehr rüstig genug ist, findet auf der nahen Höhe des Schlossbergs sein Genügen; ebenso hat der Wanderer in der Ebene stets das ganze grosse Gebirgspanorama vor seinen Augen. Wer sich in den Thälern und den Waldern der Bergabhänge ergeht, den entzücken in tausendfachem [6] Wechsel bald die prächtigen Bäume oder das rieselnde Wasser oder der starrende Fels; bald schaut er hinauf zu den blauen Höhen des Schwarzwalds, bald hinaus in die nebelumschleierte Rheinebene, bald blickt er in ein einsames Waldthälchen, bald auf lachende Dörfer und blühende Fluren. Und wie wenige Schritte genügen, um den Menschen aus dem Drang und dem Staub der Stadt hinauszuführen in die volle Frische und Einsamkeit des Bergwalds oder in den Frieden des Güntersthaler Thälchens, eines der lieblichsten Winkel in unserm Vaterland! Welch’ ein Gegensatz dann, wenn im Thal der Frühling mit seiner ganzen Pracht eingezogen ist, und es schauen von den Bergen noch die weissen Schneefelder in das warme junge Grün herein!
Und nicht genug, dass die Natur diesen Fleck unsrer lieben Heimath mit ihren schönsten Gaben förmlich überschüttet hat, so hat der Mensch mit seiner Kunst und seinem Fleiss auch noch das Seinige dazu gethan. Liegt schon ganz Freiburg in einem Kranz von Anlagen mit schattigen Bäumen und duftigen Blumen, so ist im Stadtgarten diese Kunst auf’s Höchste gesteigert; der Schlossberg ist mit schweren Opfern den Zwecken der Nützlichkeit entzogen; das Land, das früher Weinberge trug, ist mit seinen Bäumen und Spaziergängen heute zum Gemeingut Aller geworden; und draussen im Dreisamthal hat der Gemeinsinn im Waldsee und dessen Anlagen einen Platz von erquickender Frische und entzückender Schönheit geschaffen.
Die Freiburger Bucht ist ein Theil der Rheinebene und stimmt in ihrem geologischen Aufbau[1] mit dieser überein. Die Rheinebene zwischen Basel und Bingen ist ein Einbruchsthal, d. h. sie ist dadurch entstanden, dass ein Theil des ursprünglich gemeinsam aus Schwarzwald und Vogesen bestehenden Gebirgs in die Tiefe versunken ist. In den so entstandenen Graben sind dann der Rhein und die Bäche der umliegenden Gebirge hineingeströmt und haben ihn mit ihren Gewässern gefüllt, haben gleichzeitig auch seinen Boden mit ihrem Schutt und Geröll bedeckt und zwar so tief, dass nur noch an wenigen Stellen die Spitzen der versunkenen Berge herausschauen. Später wurde nun diese Kiesdecke selbst wieder zum Theil abgetragen und an den meisten Stellen mit Lehm und Löss in wechselnder Höhe überschüttet. In diese Decke haben dann die Flüsse ihre jetzigen Betten eingenagt und das lockere Material des Bodens noch bis in die neueste Zeit fortwährend hin- und hergeschoben. Bei den unbändigsten von ihnen, dem Rhein selbst, der Dreisam und der Elz, hat der Mensch
[7]
[8] dieser Thätigkeit durch ausgedehnte Kanalisierung vorläufig ein Ende gesetzt. Die alten verlassenen Flussläufe sind häufig noch an der sumpfigen Beschaffenheit des Bodens erkenntlich, so im Süden von Freiburg längs der Höllenthalbahn ein alter Dreisamlauf; und in grösserem Massstab haben in dem sumpfigen, zum Theil vertorften Mooswald die Dreisam, Glotter und Elz, die früher in nahezu südlicher Richtung dem Tuniberg entlang dem Rheinthal zuströmten, ihre Spuren zurückgelassen.
Aus dem Rheinthal, das in sehr mässiger Senkung sich im Ganzen von Süd nach Nord erstreckt, steigen zu beiden Seiten niedrige terassenförmig geschichtete Berge auf, die nahezu ausnahmslos aus jüngeren Sedimentgesteinen aufgebaut sind. Das ist die Zone der Schwarzwaldvorberge. Hinter diesen erst erhebt sich in steilerem Anstieg das Massiv des Schwarzwalds und der Vogesen; beide bestehen der Hauptsache nach aus Urgesteinen. Diese drei Gebiete – Rheinebene, sedimentäre Vorberge und krystallinisches Gebirgsmassiv – können wir allenthalben in der oberen Rheinebene in meist scharfer Sonderung unterscheiden. Eine Lücke findet sich nur im Innern der Freiburger Bucht, wo auch die Vorberge bis auf geringe Reste versunken sind, so dass hier die Schwarzwaldberge unmittelbar steil aus der Ebene heraufsteigen.
Der Boden der Ebene besteht aus dem Schotter, den der Rhein und die Schwarzwaldbäche herbeigetragen oder umgelagert haben. Das von ihnen hergeführte Material kann man leicht als Schwarzwaldkies und Rheinkies unterscheiden. jener besteht nahezu vollständig aus dem Gneis, der das Massiv des ganzen Flussgebiets der Dreisam und der Elz bildet. Hier ist, entsprechend dem grösseren Gefäll, feiner Sand selten. Am häufigsten sin die groben Wacken bis zu 20 und 30 cm Durchmesser; auch sind sie bei dem geringen Weg, den sie erst zurückgelegt haben, noch nicht sehr weit abgerundet und abgeschliffen. Die Grenze zwischen Schwarzwald- und Rheinkies verläuft diesseits des Kaiserstuhls etwa in der Verlängerung der Axe des Tunibergs nach Nordosten gegen das Hecklinger Schloss hin. Jenseits dieser Linie besteht der Boden ausschliesslich aus Rheinkies in verschiedener Aufbereitung und aus verschiedenem Material, das zum Theil dem südlichen Schwarzwald und den Vogesen, zum Theil dem Jura, dem Kaiserstuhl und den Alpen entstammt. Durchweg aber sind die Stücke weit stärker abgerundet als die Schwarzwaldkiese. Insbesondere den aus den Alpen stammenden Quarzgeröllen entnimmt die Stadt Freiburg ein ebenso schönes und dauerhaftes, als eigenartiges Material zur Deckung der Gehwege.
[9] Die an den meisten Stellen unseres Gebiets dem Schotter aufgelagerte Lehm- oder Lössschichte ist von wechselnder Dicke. Besonders an den Thalausgängen liegt der Lehm in mächtigeren Lagern aufgehäuft, so z. B. am Ausgang des Immenthals, des Güntersthalerthals und des Hexenthals. An diesen Stellen hat sich eine blühende Industrie angesiedelt, die das hier aufgestapelte Material verarbeitet. Lehm und Löss bilden als Bodendecke an den meisten Stellen der Ebene eine werthvolle Grundlage für Feld- und Wiesenbau; manche dieser Böden sind von ganz hervorragender Fruchtbarkeit.
Aus dieser Ebene tauchen mehrere niedere Hügel und Hügelgruppen auf, so im Norden der Mauracher Berg, weiter nach Süden die Hügel der March, der Lehener Berg, der Hunnenbuck im Mooswald und die niedere Erhebung zwischen dem Südabhang des Schönbergs und dem Südende des Tunibergs, die man als Mengener Brücke bezeichnet. Sie alle betrachtet man als die Spitzen der versunkenen Vorberge, die aus dem sie zudeckenden Rheinkies hervorschauen. Während der Mauracher Berg zum grösseren Theil aus Gneis besteht, also als eine vom Schwarzwald abgetrennte Scholle angesehen werden kann, sind die übrigen fast ganz aus sedimentären Gesteinen zusammengesetzt und zwar meist aus Kalken des Jura und des Tertiärs, tragen also ganz den Charakter der Vorberge des Schwarzwalds.
Wie tief die Auflagerungen der Kiesdecke des Rheintals sind, ist bis heute noch nicht bekannt, noch kein Bohrloch ist auf das Liegende des Rheinkieses gestossen. Da jedoch die Spitzen der versunkenen Berge noch aus ihm hervorsehen, so vermuthet man eine nicht zu grosse Tiefe. Uebrigens gilt Aehnliches auch vom Dreisamthal zwischen Freiburg und Himmelreich; auch hier ist man über die Tiefe des Schotterbodens nicht unterrichtet. In beiden Fällen wird erst die Lösung dieser Frage die endgiltige Entscheidung darüber bringen, ob, wie man jetzt vermuthet, diese beiden Thäler einmal Seebecken gewesen sind. Jedenfalls aber muss in beiden Fällen, beim Rhein- wie beim Dreisamthal die Aufschüttung der Schottermassen, die der Hauptsache nach wohl in der pleistocänen Zeit erfolgt ist, im Ganzen als abgeschlossen angesehen werden. Daran ändern auch solche Katastrophen, wie sie die Unglückstage des 8., 9. und 10. März 1896 über unser Thal gebracht haben, nichts, trotz der gewaltigen Geschiebemassen, die bei dieser Gelegenheit zu Thal geführt worden sind. Ja seit der Vollendung des Bodens der Thäler sind schon erhebliche Mengen desselben wieder abgetragen und fortgeführt worden; auch haben Rhein und Dreisam sich in die von ihnen früher herbeigetragenen Massen ihr Bett eingefressen. [10] So liegt z. B. bei Freiburg die Sohle des Dreisambetts 4–5 m unter der Fläche des Schwarzwaldkieses, weiter oben im Dreisamthal finden sich Kiesmassen, die 8–10 m über dem Fluss liegen und bei Himmelreich erheben sich die Hochgestade gar 12–15 m über den Bachgrund.
In den Vorbergen, die fast ganz aus Meeresablagerungen gebildet sind, gehören nur geringe Theile der älteren Zeit an, so die blauroth gefärbten Sandsteine an der Hochburg, am Mauracher Berg und bei Zähringen dem Rothliegenden; alles Uebrige sind jüngere und jüngste Bildungen.
So finden wir aus der Trias die drei Abtheilungen des Buntsandsteins, des Muschelkalks und des Keupers. Ersterer lagert zunächst in geringer Menge am Westabhang des Lorettoberges, dürfte dort übrigens durch die starke Ausbeutung zu Bausteinen in absehbarer Zeit verschwunden sein. In mächtiger Ausdehnung aber bildet er einen Theil der Vorberge des Hünersedels bis gegen Emmendingen. Auch hier wird er an vielen Stellen als geschätzter Baustein gebrochen. Aus diesem Sandstein ist unser Münster gebaut.
Noch mächtiger ist der Muschelkalk entwickelt, vor allem in den Vorbergen nördlich von Emmendingen, wo er sich in allen seinen drei Unterabtheilungen findet. Ferner bildet er die untere Terrasse am Schönberg, auf der das Jesuitenschlösschen steht; der grosse Steinbruch in dessen Nähe zeigt die Schichten dieser Formation in besonderer Schönheit. Zwischen diesen zwei Hauptmassen des Muschelkalks bei Emmendingen und am Schönberg stellen die geringern Vorkommen am Lehener und Mauracher Berg die Verbindung her.
Während dem Buntsandstein unserer Gegend Versteinerungen fehlen, sind sie im Muschelkalk in mässigen Mengen zu finden.
Die letzte Abtheilung dieser Gruppe, der Keuper, durchzieht als nicht sehr mächtiges Band den Schönberg und besteht mit Ausnahme einer dünnen Schichte Schilfsandstein aus lauter mergeligen Gesteinen. Seiner untersten Schichte gehört das grosse Gypslager bei Au an, das bergmännisch ausgebeutet wird.
Ueber diesen Schichten der Trias liegen an sehr vielen Stellen des Gebiets die des Jura und zwar in seinen drei Abtheilungen, dem schwarzen, braunen und weissen Jura. Seine Hauptentwicklung findet er im südlichen Theil des Gebiets, so vor allem am Schönberg und Tuniberg, und zwar sind es fast ausschliesslich Kalke und Thone, die ihm zusammensetzen.
[11] Der schwarze Jura (Lias) tritt am Lehener Berg und Schönberg auf, viel verbreiteter und mächtiger ist der braune Jura (Dogger), der vor allem einen grossen Theil der Schönbergkuppe, dass unter Löss vergraben den Stock des Tunibergs bildet; sein wichtigstes Glied, der Hauptrogenstein oder Hauptoolith liefert in den zahlreichen Steinbrüchen am steilen Westabhang des Tunibergs ein sehr geschätztes Material. Bemerkenswerth ist auch sein Vorkommen am Kaiserstuhl bei Riegel und Bahlingen und besonders in der Mitte des Gebirgs bei Schelingen, wo die Berührung mit den vulkanischen Massen ihm ein krystallinisches Gefüge gegeben hat.
Der weisse Jura endlich tritt nur an wenigen Stellen des Schönbergs auf und nur in geringer Mächtigkeit.
Alle diese Glieder des Jura sind überaus reich an Versteinerungen. Auch auf die Menschen haben diese Zeugen aus uralter Zeit ihres Eindrucks nicht verfehlt. Findet man doch an den Giebeln gar mancher Häuser in den Dörfern um den Schönberg ein Ammonshorn eingemauert!
Von den Gliedern des Tertiärs gehören nur noch wenige den Vorbergen an, so die Kalksteine und die Konglomerate der Schönbergspitze, ebenso die Thone und Mergel am Nordende des Tunibergs. Einer noch jüngeren Zeit entstammen die Bohnerzthone, die sich in den Spalten und Klüften des Kalks allenthalben im Gebiet verbreitet finden. In ihnen trifft man auch Ueberreste grosser Säugethiere an, wie des Mastodon und des Rhinoceros.
Als Bildung der tertiären Zeit sieht man noch den Kaiserstuhl an, jenes Gebirge vulkanischen Ursprungs, das mitten aus der Rheinebene aufsteigt. Seine Kammlinie verläuft etwa von Südwest nach Nordost und lässt nach allen Seiten Thäler und Schluchten ausstrahlen, nach Osten kürzere, nach Westen ein längeres, tief eingerissenes Thal, das den einzigen beträchtlicheren Wasserlauf enthält, während sonst das Gebirge sehr wasserarm ist. Die nach Westen verlaufenden Kämme und Gebirgszacken sind von einer ganz eigenartigen landschaftlichen Schönheit.
In der Mitte des Kaiserstuhl liegt ein Klotz von sedimentärem Gestein und zwar Jurakalk (s. o.) der metamorphosirt ist. Um ihn herum lagern sich allseitig die vulkanischen Gesteine und zwar in grösster Ausdehnung Thephrit, der an wenigen Stellen im Osten und Westen von jüngeren Phonolithkuppen durchbrochen ist. Rein vulkanisch sind endlich noch die beiden vereinzelt stehenden Hügel, der von Breisach und der Limberg bei Sasbach, der erste aus Tephrit, der andere aus Basalt und Limburgit gebildet. In den vulkanischen [12] Gesteinen des Kaiserstuhl eingelagert findet sich eine ganze Reihe von mehr oder weniger seltenen Mineralien.
Die Entstehung des Kaiserstuhls bringt man in Zusammenhang mit der Bildung des Rheinthals, beides zur tertiären Zeit. Die vulkanischen Ausbrüche dürften zu verschiedenen Zeiten stattgefunden haben und zwar abwechselnd Auswürfe von festem Material und Lavaergüsse. So sieht man in dem grossen Steinbruch am Südostabhang des Limbergs in wunderbarer Schönheit drei übereinander gelagerte Lavaströme, die jeweils durch Tufflager von einander getrennt sind. Aber schon zur tertiären Zeit hat eine weitgehende Zerstörung des Gebirgs und die heute noch sichtbare Thalbildung stattgefunden, so dass Krateröffnungen heute nicht mehr zu erkennen sind. In den darauf folgenden Zeiten wurde dann das ganze Gebirge unter einer Lössdecke begraben, die nach und nach wieder abgetragen und abgeschwemmt wurde, so dass heute nur noch ein Kranz von Löss den ganzen Kaiserstuhl umgibt und die Tiefen seiner Thäler auskleidet.
Die eigenartige landschaftliche Schönheit des Kaiserstuhls und die grosse Fruchtbarkeit seines vulkanischen Bodens machen ihn zu einem ganz besonderen Schmuckstück des Breisgaues, seine geologische Bildung, sein Reichthum an Mineralien, seine eigenartige Pflanzenwelt, eine ganze Reihe von seltenen Thierformen zu einem hervorragenden Anziehungspunkt für den Naturforscher.
Das Schwarzwaldmassiv endlich ist von den Vorbergen durch eine grosse Verwerfungsspalte geschieden, die Hauptbruchlinie des Schwarzwalds, die dessen Rand entlang im ganzen von Süden nach Norden verläuft. In unserem Gebiet zieht sie dem Hexenthal entlang, überschreitet im Osten von Freiburg die Dreisam und zieht hart dem Rande des Schlossbergs entlang östlich laufend an Zähringen, Gundelfingen und Denzlingen vorbei nach Norden. Oestlich von dieser Linie besteht das ganze Massiv aus Gneis in verschiedener Ausbildung, meist in dem charakteristischen Bau, den die parallele Lagerung der Glimmerblättchen ihm verleiht. Eine gesetzmässige Lagerung lässt sich nicht mehr erkennen, so sehr ist er allenthalben verbogen, gestaucht und geknickt. Die sehr gleichartige Ausbildung dieses Gesteins wird an wenigen Stellen unterbrochen durch einige Basaltgänge im Gebiet des Rosskopfs, ebendort durch eigenthümlich pegmatitische Gestaltung des Gesteins. Im Urgestein liegen auch mehrere Gruppen von Erzgängen, die vor allem silberhaltigen Bleiglanz und andere Bleierze führen. Die Gewinnung von Silber und Blei war von uralten Zeiten an – die ersten urkundlichen Nachrichten stammen aus dem Jahr 1028 – eine [13] blühende Erwerbsthätigkeit im Breisgau, der die Umwälzung aller wirthschaftlichen Verhältnisse im 16. Jahrhundert, vor allem aber die Entdeckung Amerikas mit seinen Silberschätzen den Todesstoss versetzte. Schon vor dem 30jährigen Krieg lag der Bergbau unserer Gegend hoffnungslos darnieder, um nach einem kurzen Aufflackern im vorigen Jahrhundert um so rascher vollständig zu erlöschen. In der neuesten Zeit jedoch sind wieder mehrere Gruben im Kapplerthal und in Hofsgrund auf die Gewinnung von Silber und Blei in Betrieb gesetzt worden.

Im engsten Zusammenhang mit der Lage Freiburgs steht sein Klima. Ist es doch durch die im Osten vorgelagerten hohen Schwarzwaldberge gegen die rauhen Ost- und Nordostwinde geschützt, während es den warmen Südwest- und Westwinden freien Eintritt lässt.
Ueber den Verlauf der Temperaturen gibt die folgende Tabelle den nöthigen Aufschluss, die wir, wie auch das übrige Zahlenmaterial der Freundlichkeit des Herrn Prof. Dr. Schultheiss am meteorolischen Centralbureau in Karlsruhe verdanken. Diese Zahlen beziehen sich nur auf die Zeit von 1881–95, da in Folge der ungünstigen Aufstellung der Instrumente die Beobachtungen der früheren Jahre fehlerhaft sind.
[14] Lufttemperaturen in Celsiusgraden.
| 7 Uhr Vormittags | 2 Uhr Nachmittags | 9 Uhr Nachmittags | Mittel | Mittleres Maximum | Mittleres Minimum | Mittel der Schwankung | Höchste Temperatur seit 1881 | Niederste Temperatur seit 1881 | Absolute Schwankung | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Januar | –1,7 | 1,0 | –0,6 | –0,5 | 2,2 | –3,9 | 6,1 | 17,0 | –21,7 | 38,7 |
| Februar | 0,0 | 4,0 | 1,6 | 1,8 | 5,2 | –1,9 | 7,1 | 17,5 | –21,5 | 39,0 |
| März | 2,8 | 8,1 | 5,0 | 5,2 | 9,3 | 0,8 | 8,5 | 23,0 | –11,7 | 34,7 |
| April | 7,3 | 13,8 | 9,8 | 10,2 | 15,1 | 4,9 | 10,2 | 25,3 | –9,0 | 34,3 |
| Mai | 12,2 | 17,5 | 13,5 | 14,2 | 19,3 | 9,3 | 10,0 | 34,5 | –4,0 | 38,5 |
| Juni | 15,5 | 20,8 | 16,6 | 17,4 | 23,1 | 12,5 | 10,6 | 35,0 | 3,8 | 31,2 |
| Juli | 17,3 | 22,7 | 18,5 | 19,3 | 24,7 | 14,5 | 10,2 | 36,0 | 6,5 | 29,5 |
| August | 16,3 | 22,3 | 17,9 | 18,6 | 23,8 | 13,5 | 10,3 | 36,6 | 6,3 | 30,3 |
| September | 12,7 | 18,8 | 14,7 | 15,2 | 19,8 | 10,8 | 9,0 | 32,5 | -2,0 | 34,5 |
| Oktober | 7,6 | 11,9 | 9,0 | 9,4 | 12,9 | 5,6 | 7,3 | 25,4 | –5,2 | 30,6 |
| November | 4,5 | 7,5 | 5,6 | 5,8 | 8,4 | 2,5 | 5,9 | 21,8 | –13,3 | 35,1 |
| Dezember | 0,1 | 2,2 | 0,9 | 1,0 | 3,5 | –2,0 | 5,5 | 16,3 | –21,2 | 37,5 |
| 7,9 | 12,5 | 9,4 | 9,9 | 13,9 | 5,6 | 8,4 | 36,6 | –21,7 | 58,3 |
| Letzter Frost: 15. April. | Erster Schnee: 13. November. |
| Erster Frost: 29. Oktober. | Letzter Scnee: 1. April. |
Die höchste Temperatur mit 36,6° wurde am 17. August 1892 verzeichnet, die niedrigste im darauffolgenden Winter am 17. Januar 1893 mit –21,7°.
Die nächste Tabelle gibt die Mitteltemperaturen von einigen benachbarten Orten. Zur unmittelbaren Vergleichung sind sie auf die Höhe von Freiburg reducirt.
| Januar | Juli | Jahresdurchschnitt | |
|---|---|---|---|
| Badenweiler | –1,0 | 17,9 | 8,9 |
| Freiburg | –0,5 | 19,3 | 9,9 |
| Baden-Baden | –0,9 | 17,8 | 8,9 |
| Karlsruhe | –0,4 | 19,0 | 9,6 |
| Heidelberg | –0,0 | 18,9 | 9,9 |
Aus diesen Tabellen geht hervor, dass Freiburg ein absolut und relativ sehr warmer Ort ist. Im Jahresdurchschnitt steht es mit Heidelberg gleich trotz der verschiedenen Höhenlage (Freiburg 291 m, Heidelberg 110 m). Der Winter ist wärmer als in Baden und Badenweiler, dagegen etwas kälter als in Karlsruhe und Heidelberg. Die Sommertemperaturen sind dagegen höher als die aller genannten Orte, sogar höher als die
[15] von Karlsruhe, das doch als ganz besonders heisser Ort gilt. Die mittlere Schwankung erreicht im April die ungefähre Höhe wie in den Sommermonaten, dagegen ist der März noch ein kühler Monat. Hier dürften die auf den Schwarzwaldbergen lagernden Schneemassen nicht ohne Einfluss sein, die in dieser Zeit erst zum Abschmelzen kommen. Dass in den eigentlichen Sommermonaten Juni, Juli und August die täglichen Schwankungen nicht höher sind, als die angegebenen Beträge, ist für die gesundheitlichen Verhältnisse von wesentlicher Bedeutung und ist eine Eigenthümlichkeit des Freiburger Klimas, die in der später zu erklärenden Vertheilung der Winde ihren Grund hat. Jedenfalls aber liegen die Morgen- und Abendtemperaturen fast durchgängig recht hoch.
Diese hohe Temperatur von Freiburg erscheint noch auffälliger, wenn man die Niederschlagsmenge und die Zahl der Tage mit Niederschlägen betrachtet, die ja die Temperaturen sofort herunterdrücken.
| Januar | Februar | März | April | Mai | Juni | Juli | August | September | October | November | Dezember | Jahr | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Niederschlagsmenge in mm (Liter auf den qm) |
38,7 | 29,1 | 61,6 | 49,6 | 95,3 | 121,0 | 111,0 | 85,6 | 67,6 | 101,0 | 67,6 | 56,7 | 884,9 |
| Niederschlagstage | 13 | 11 | 15 | 12 | 16 | 16 | 16 | 14 | 12 | 17 | 15 | 13 | 170 |
| Niederschlagsmenge auf den Tag |
2,9 | 2,6 | 4,1 | 4,1 | 5,9 | 7,6 | 7,0 | 6,1 | 5,6 | 5,9 | 4,5 | 4,4 | 5,2 |
Danach ist die Niederschlagsmenge eine der grössten unter den in der Ebene gelegenen Orten von ganz Südwestdeutschland und wird nur von Baden übertroffen; sie übersteigt die für Deutschland beobachtete Durchschnittsmenge von 660 mm ganz beträchtlich.
Auch die Zahl der Regentage ist recht hoch:
| Niederschlagsmenge | Zahl der Tage mit Niederschlägen | ||
|---|---|---|---|
| Freiburg | 885 | mm | 170 |
| Karlsruhe | 723 | 177 | |
| Baden | 1111 | 158 | |
| Heidelberg | 722 | 167 | |
Sie übertrifft noch die der sonst so übel berufenen Stadt Heidelberg.
Diese Verhältnisse sind nur durch die Lage von Freiburg zu erklären. Die unbehindert einströmenden warmen und feuchten Süd- [16] und Südwestwinde müssen an den Steilabhängen des Schwarzwalds rasch in die Höhe steigen, kommen dadurch in kältere Luftschichten und müssen daher einen Theil ihres Wassergehalts abgeben. Draussen in der Ebene, nur wenige Kilometer vom Rand des Gebirgs entfernt, liegen die Regenverhältnisse ganz anders. Schon der Kaiserstuhl ist erheblich weniger regenreich als Freiburg, und noch viel mehr ist dies der Fall im linken Theil der südlichen Rheinebene, wo z. B. Kolmar weniger als 500 mm Regenmenge hat.
Die Vertheilung auf die Jahreszeiten ist so, dass im Winter im Ganzen und an den einzelnen Tagen die geringsten Niederschlagsmengen fallen. Von dem regelmässigen Steigen und Fallen dieser Mengen im Lauf des Jahres machen die beiden Monate April und October eine Ausnahme, der erste als verhältnissmässig trockener, der andere als besonders nasser Monat. Besonders der April zeigt auch die grösste Zahl schöner Frühlingstage, wieder ein Beweis, auf wie schwachen Grundlagen die Volksmeteorologie steht, die den April so unverdienter Massen in einen übeln Ruf gebracht hat. Dagegen zeigt die Vertheilung der Regenmengen auf die einzelnen Tage ein fast gleichmässiges Anschwellen vom Minimum im Februar bis zum Maximum im Juni und eine eben solche Abnahme wieder bis zum Februar, letztere nur durch den October unterbrochen.
Die Zahl der Schneefälle, die Dauer und Tiefe der Schneebedeckung steht ganz im Einklang mit der Höhenlage von Freiburg.
Einen wesentlichen Einfluss auf das Freiburger Klima übt die Vertheilung der Winde. Wie schon erwähnt, ist Freiburg gegen die kalten Ost- und Nordostwinde durch die vorgelegten Berge geschützt, lässt dagegen die Süd-, Südwest- und Westwinde frei einströmen. Die Häufigkeit und Vertheilung der Winde ist aus der folgenden Tabelle zu ersehen:
| N | NO | O | SO | S | SW | W | NW | Stille | ||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 7 Uhr Vorm. | 10,8 | 4,5 | 5,0 | 21,5 | 9,9 | 20,9 | 5,2 | 10,8 | 11,4 | |
| 2 Uhr Nachm. | 14,0 | 3,2 | 1,4 | 3,8 | 7,0 | 24,5 | 12,9 | 27,8 | 5,2 | |
| 9 Uhr Nachm. | 5,0 | 4,2 | 8,8 | 30,7 | 7,6 | 20,8 | 4,5 | 8,9 | 3,5 | |
| auf den ganzen Tag berechnet | Freiburg | 9,9 | 3,9 | 5,1 | 18,7 | 8,6 | 22,0 | 7,5 | 16,3 | 8,0 |
| Karlsruhe | 2,6 | 27,1 | 6,0 | 3,2 | 2,8 | 44,0 | 1,5 | 2,6 | 10,2 | |
[17] Daraus, insbesondere aus der Vergleichung mit Karlsruhe, das bei seiner freien Lage für die Vertheilung der Winde im Rheinthal typisch ist, geht zunächst hervor, dass die Nordwinde verhältnissmässig häufig sind; doch dürften darunter auch Nordwestwinde sein, die bei ihrem Auftreffen auf die Berge durch diese in die nördliche Richtung abgelenkt werden. Nordostwinde sind aus den schon erwähnten Gründen sehr selten, sehr häufig dagegen Südost- und Nordwestwinde, die für Freiburg ausgezeichnet characteristischen localen Berg- und Thalwinde, von denen der eine in der Nacht, der andere am Tag weht. Verhältnissmässig häufig treten Südwinde auf, die durch das Hexenthal in das Freiburger Becken einströmen; auffällig ist auch die geringe Zahl der Südwestwinde. Dabei dürfte wohl der Umstand mitwirken, dass gegen manche Winde Freiburg durch den Vorsprung des Lorettobergs gedeckt ist. Im Ganzen endlich ist Freiburg weniger windig als die Rheinebene.
Wenn die aus dem südwestlichen Theil der Windrose einfallenden Winde im Allgemeinen schon warm sind, so kommt noch dazu, dass nicht selten die von den Vogesen herabsinkenden Südwestwinde und die vom Schauinsland und Belchen kommenden Südwinde beim Herabfallen über die Hänge des Gebirgs Föhncharacter annehmen, d.h. verhältnissmässig sehr warm und trocken in Freiburg ankommen. Diese Erscheinung tritt besonderds bai stark wehenden Winden zu allen Zeiten des Jahres ein. Dafür seien die folgenden drei Beispiele gegeben.
| Temperatur C° |
Relative Feuchtigkeit % |
Wind | |||
| Richtung | Stärke | ||||
| 1. Febr. 1885 7 Uhr Vorm. | Karlsruhe | 3,8 | 74 | SW | 1 |
| Freiburg | 11,0 | 60 | SSW | 6 | |
| Basel | 6,4 | 74 | SO | 2 | |
| 26. Nov. 1885 2 Uhr Nachm. | Karlsruhe | 10,6 | 56 | SW | 2 |
| Freiburg | 13,6 | 29 | SW | 4 | |
| Basel | 6,3 | 75 | O | 1 | |
| 19. Sept. 1889 9 Uhr Nachm. | Karlsruhe | 10,1 | 84 | Stille | – |
| Freiburg | 13,4 | 48 | SW | 4 | |
| Basel | 10,4 | 82 | S | 1 | |
Auch dieser Umstand trägt dazu bei, das Klima von Freiburg besonders warm zu machen.
Noch stärker aber wirken die regelmässig wehenden Berg- und Thalwinde, von denen besonders der erstere als Höllenthalwind bekannt [18] ist. Ihr Auftreten wird duch die unmittelbare Nähe von zwei hohen Bergen, dem Schauinsland (1284 m) und dem Feldberg (1493 m) bedingt. Diese bringen auf kleinem Raum erhebliche Unterschiede in der Vertheilung der Feuchtigkeit und der Lufttemperatur mit sich, und das bewirkt wieder das regelmässige Ab- und Zuströmen der Luft zwischen Höhen und Thal. Wenn an einem klaren Tage die Luft in unserm Gebiet sich stark erwärmt hat, so tritt am Abend eine entsprechende Abkühlung ein und zwar auf den Bergen früher und stärker als im Thal. Von jenen strömt desshalb die Luft thalabwärts. Die Bahnen dieses Windes sind die Thäler, wie jeder Schwarzwaldwanderer wohl weiss. Aus diesen sammelt er sich dann in dem grossen Becken des Dreisamthals und gleitet auf dessen Boden nach Freiburg hinunter. Dort verstärkt sich seine Wirkung dadurch noch erheblich, dass das Thal, das bei Kirchzarten eine Breite von über 3,5 km hat, sich bei Freiburg 1 km verengt. In Folge davon strömt der Wind hier aus der Thalöffnung mit einer Geschwindigkeit, die leicht zum Sturm anschwellen kann.
Der Höllenthalwind setzt kurz nach Sonnenuntergang ein und erreicht bald seine grösste Stärke; nach Mitternacht lässt er etwas nach, weht aber weiter bis zum Morgen. Im Winter tritt er viel seltener auf als im Sommer. Bleibt er dort Abends einmal aus, so gilt das als ein Zeichen nahenden Witterungswechsels. Er weht blos örtlich, schon in geringer Entfernung von Freiburg in der Ebene draussen ist nichts mehr von ihm zu bemerken.
Der Höllenthalwind gilt allgemein als kalt und wird auch thatsächlich so empfunden. Die Temperaturbeobachtungen zeigen aber, dass der Wind selbst nicht kalt ist. Die Luft, die er mit sich führt, stammt aus grosser Höhe, ist desshalb trockener als die Thalluft. Als Fallwind erwärmt er sich durch die Compression während des Niedersinkens bedeutend, wird also verhältnissmässig noch trockener. Dadurch befördert er an der Oberfläche der Haut eine starke Verdunstung und diese wieder eine Abkühlung. Diese subjective Kälteempfindung hat aber mit der Temperatur der Luft nichts zu thun, sondern rührt nur von ihrer Trockenheit her. Der Wind selbst ist warm und zwar so warm, dass er eine der Hauptursachen der hohen Temperatur Freiburgs ist. Die genauen Beobachtungen haben ergeben, dass er die Temperatur Freiburgs um den Betrag erhöht, um den das Klima von Freiburg zu warm ist, d. h. wärmer, als an einem in gleicher Breite und gleicher Meereshöhe etwa draussen im freien Rheinthal liegenden Ort.
[19] Diesem Thalwind entspricht ein – viel schwächerer – Bergwind, der in Freiburg als Nordwestwind tagsüber an hellen Tagen in das Dreisamthal einströmt.
Diesen beiden Winden, insbesondere dem Thalwind, verdankt das Klima von Freiburg sehr viel. Abgesehen von der schon erwähnten Erhöhung der Temperatur fährt er bei schönem Wetter allabendlich in den Dunst und Rauch und Qualm hinein, der sich über der Stadt im Lauf des Tages gesammelt hat und fegt Alles fort und führt dafür die reine Luft unserer Bergwälder her. Er ist es vor allem, der das Gefühl der Frische und Kühle mit sich bringt, das die Freiburger Sommernächte so erquickend macht und die erschlaffende Schwüle nicht aufkommen lässt, die in den im Rheinthal gelegenen Orten, wie in Strassburg und Karlsruhe die Menschen niederdrückt; und das, trotzdem die Gesammttemperatur in Freiburg höher ist als in den beiden genannten Orten.

Freiburg vom Hebsack aus gesehen.
In diesem Erdenwinkel liegt nun die Stadt Freiburg, auf der Grenzlinie zwischen Schwarzwald und Rheinthal, an der Eingangspforte
[20]
Ansicht von Freiburg.
[21] in eines der wichtigsten Querthäler des Gebirgs. Ein Blick von der Höhe des Schlossbergs lässt uns fast die ganze Stadt überschauen, zeigt uns auch sofort einen Theil ihrer Geschichte. Mitten heraus aus der Häusermenge streckt das Wahrzeichen unserer Stadt, das Münster, seinen mächtigen Finger zum blauen Himmel hinauf. Rings um dieses stehen dicht zusammengedrängt die braun bedachten Häuser der alten Stadt, ein sprechendes Zeugniss aus jenen Tagen, da die Noth der Zeit, die Unsicherheit der Strassen und Wege, die Enge und Kleinheit aller Verhältnisse die Menschen zum engen Zusammenschluss in guten und noch mehr in bösen Tagen zwang. Und um diese alte Stadt mit ihren engen, oft auch dumpfen Gassen, mit den hohen Häusern und spitzen Giebeln legt sich die neue Zeit mit ihrem Kranz von weiten breiten Strassen, ihren offenen Plätzen, getaucht in eine Fülle von Licht und Luft, eingebettet in ein Meer von blühenden Gärten und grünen Bäumen! Mehr als aus vielem andern spricht daraus der Geist der Zeit.
Die Stadt Freiburg hat ihr Weichbild zu verschiedenen Zeiten erweitert und umfasst heute ausser der eigentlichen Stadt noch die Vororte Herdern, Haslach und Güntersthal.
Im Norden an den Schlossberg angelehnt, bildet die Altstadt immer noch den Mittelpunkt alles städtischen Lebens, des Handels und Verkehrs. Ihre Mauern und Umwallungen sind gefallen, von der alten Stadtmauer sind nur noch wenige Reste erhalten, von den alten Thoren nur noch zwei, das Schwabenthor und das Martinsthor. Um diesen Kern lagern sich südlich bis zur Dreisam und noch ein Stück in’s Dreisamthal hinein, im Westen bis zur Eisenbahn und im Norden bis gegen Herdern hin neue Stadttheile. Auch jenseits der Eisenbahn ist ein neuer Stadttheil, der Stühlinger, im raschen Wachsen begriffen, während jenseits der Dreisam das alte Dörfchen Wiehre mit seinen Bauernhäuschen und seinem bescheidenen Kirchlein von einem grossen vornehmen Stadttheil, dem es seinen Namen gegeben hat, schon beinahe aufgesaugt worden ist. Nach allen drei freien Seiten schiebt sich Jahr für Jahr die Stadt mit neuen Strassen und Plätzen im fröhlichen Wachsthum und Gedeihen weiter hinaus.
Eine grosse Verkehrsader durchzieht die Stadt ihrer ganzen Ausdehnung nach etwa von Norden nach Süden, die Kaiserstrasse mit ihren beiden Verlängerungen, der Zähringer- und Güntersthalstrasse. Von ihr gehen nahezu rechtwinklig die Nebenstrassen nach Osten und Westen ab, durch parallel oder auch schief zur Kaiserstrasse verlaufende Strassenzüge untereinander verbunden. Die rechtwinklige Regelmässigkeit mancher neuern und neuesten Städte ist selbst in den [22] jüngern Stadttheilen glücklich vermieden oder doch so eingeschränkt, dass der Eindruck der Langweile nirgends entstehen kann. Auch das neue von Jahr zu Jahr sich erweiternde Strassennetz schmiegt sich den besonderen örtlichen Verhältnissen und den vorhandenen ältern Strassenzügen an.
Rund um die alte Stadt ist auf dem Boden der alten Umwallung ein ganzer Kranz von Plätzen erstanden. So im Nordosten der grosse Karlsplatz mit dem prächtigen Stadtgarten, weiterhin ein Platz zwischen Friedrichstrasse und Rigstrasse und der Fahnenbergplatz. Nach Westen dann der Rottecksplatz und der Alleegarten mit seinen stattlichen Kastanienbäumen und im Süden, östlich der Kaiserstrasse der Holzmarktplatz. Während in der alten Stadt nur wenige Plätze ausgespart sind, so der Münsterplatz, der Franziskanerplatz, die kleinen Plätze bei Ober- und Unterlinden und der Kartoffelmarkt, ist in den neuesten Stadttheilen darauf Bedacht genommen, dass sich noch Raum findet für diese „Lungen der Städte“, wenn auch durch die ganze überwiegend lockere Bauweise an sich schon reichlich für Luft und Licht gesorgt ist.
Die eigentlichen Dörfer Herdern, Haslach, Güntersthal haben sich ihr rein ländliches Aussehen noch vollständig gewahrt.
- ↑ Genaueres über die Geologie der Freiburger Bucht siehe in dem vortrefflichen »Geolog. Führer der Umgebung von Freiburg« von Steinmann und Gräff. Freiburg 1890.